Dirmstein
Kita-Sorgen: Kommt es zum Gebäude-Tausch?
Es waren knapp zwei Stunden im Gemeinderat vergangen, da war die Tagesordnung noch nicht einmal zur Hälfte abgearbeitet. Der neu zusammengewürfelte Dirmsteiner Gemeinderat zeigte sich diskussionsfreudig wie eh und je, aber auf Augenhöhe und in vernünftigem Ton. Anlass für Redebedarf gab die Situation rund um die kommunale Kita Himmelszelt. Das Kita-Gesetz des Landes Rheinland-Pfalz, das seit 1. Juli 2021 gültig ist, zwingt die Dirmsteiner dazu, das bisherige Platzangebot zu erweitern. Dass das Thema bisher verschlafen worden ist, da scheint Einigkeit im Rat zu herrschen: „Wir hatten das 2023 erstmals im Rat, obwohl das Gesetz schon lange vorher bekannt war“, sagte Rita Rudolph (SPD). Ortsbürgermeister Jens Schlüter (Initiative Dirmstein) pflichtete ihr bei, dass Dinge in der Vergangenheit verschlafen worden seien, musste nun aber eine Lösung finden.
Die Übergangsfrist zur Umsetzung des Gesetzes endet 2028. Bis dahin muss unter anderem allen berechtigten Kindern eine Sieben-Stunden-Betreuung sowie ein warmes Mittagessen angeboten werden. Von den 136 Betreuungsplätzen im Ort muss die Gemeinde-Kita 86 bedienen sowie zwei Reserveplätze vorhalten. Am aktuellen Standort Affenstein fehlt aber der Platz, um alle Kinder mit Mittagessen zu versorgen. Der vorherige Gemeinderat wollte daher mit einem 60.000 Euro teuren Architektenwettbewerbs rund um das Areal ausloten, welche Möglichkeiten es für einen Umbau der Kita am derzeitigen Standort gibt.
Alternative aufgetan
Doch Schlüter wollte das am Mittwochabend rückgängig machen und begründete den Schritt in der Beschlussvorlage mit Auflagen des Denkmalschutzes, die Planungen innerhalb des derzeitigen Kita-Areals „extremst“ erschweren würden. Nach anfänglichem Widerstand, vor allem vonseiten der SPD, konnten sich die Ratsmitglieder einigen, den Architektenwettbewerb bis Jahresende auszusetzen – auch weil offenbar gar nicht feststeht, auf welches Objekt sich der Wettbewerb beziehen soll.
Schlüter hat in der Zwischenzeit eine Alternative aufgetan, weil das derzeitige Areal womöglich nicht geeignet sein könnte, den notwendigen Umbau gesetzeskonform zu realisieren. Ihm schwebt vor, dass die Kita in das evangelische Pfarrheim sowie das dazugehörige Nebengebäude in der Laumersheimer Straße umzieht. In einer Art Tausch soll das Pfarrheim dafür an den Standort der jetzigen Kita ziehen.
Der Rat fand den Kompromiss, dass das bereits eingespannte Architekturbüro Kölsch in einer Machbarkeitsstudie prüfen soll, inwieweit das Areal des evangelischen Pfarrheims die gesetzlichen Bedingungen des Landesgesetzes erfüllen könnte. Seitens der Ratsmitglieder wurde daran erinnert, dass dieses Vorhaben auch mit der Katholischen Hospitalstiftung abzuklären sei, in deren Besitz das aktuelle Kita-Gebäude ist.
Für günstigste Variante entschieden
Doch bis dahin muss kurzfristig eine Lösung gefunden werden. Das Landesjugendamt hat die Nutzung des Nebengebäudes für maximal 18 Kinder als Provisorium, nicht aber als Dauerlösung, akzeptiert. Darauf basierend brachte Schlüter im Rat drei Varianten ins Spiel. Es entbrannte an dieser Stelle eine Diskussion darüber, welche Variante aus pädagogischer Sicht die sinnvollste sei. Letztlich aber wurde sich mit zwölf Ja-Stimmen bei fünf Ablehnungen und zwei Enthaltungen für die in der Beschlussvorlage günstigste und am schnellsten realisierbare Variante entschieden: Demnach soll das Erdgeschoss im Nebengebäude am Standort Affenstein in der Übergangsphase Personal- und Sozialarbeiterbereich sein und der vorhandene Gruppenraum im Obergeschoss des Hauptgebäudes als zusätzlicher Gruppenraum genutzt werden. Als Kostenpunkt wurden dafür rund 20.000 Euro veranschlagt. Der anwesende Architekt David Kölsch gab zu bedenken, dass seitens der Kita im Fall dieser Variante eine Klimaanlage für das Obergeschoss gewünscht wird. Es handelt sich dabei um einen Raum unter dem Dach mit Dachschrägen. Der Einbau einer Klimaanlage würde zu den 20.000 Euro dazu kommen. Im Haushalt sind für die Maßnahme aktuell 40.000 Euro vorgesehen. Die anderen Varianten würden diese Budget-Vorgabe übersteigen.
Schlüter hatte vor den Ratsmitgliedern für Variante zwei geworben. Dort wäre das Erdgeschoss des Nebengebäudes zum Gruppenraum umfunktioniert worden, und das Obergeschoss des Hauptgebäudes wäre unberührt Personalraum geblieben. Diese Variante hätte zwei Monate Bauzeit und Kosten von rund 86.500 Euro verursacht, von denen die Gemeinde nach Abzug von Förderungen 52.000 Euro hätte zahlen müssen. Die SPD lehnte Variante zwei unter anderem deshalb ab, weil die Fördergelder Gunter Greulich zufolge aus der Kreisumlage finanziert würden.