Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Glasfasernetz: Inexio-Kunden wehren sich gegen Vertragsaufhebung

Von Dorf zu Dorf in hohem Tempo werden im Leiningerland derzeit Glasfaserkabel verlegt.
Von Dorf zu Dorf in hohem Tempo werden im Leiningerland derzeit Glasfaserkabel verlegt.

Der Internetanbieter Inexio bittet seine Kunden in einem Teil der Verbandsgemeinde, zum ehemaligen Konkurrenten Deutsche Glasfaser zu wechseln. Ein Großkarlbacher weigert sich und erlebt fragwürdige Kommunikations- und Überzeugungsmethoden. Bürgermeister Rüttger bittet die beiden Firmen darum, ihr Fusionsproblem schnell zu lösen.

In zehn Dörfern der VG Leiningerland baut Deutsche Glasfaser ein sogenanntes Gigabit-Leitungsnetz, während Inexio gleichzeitig die von der Datengeschwindigkeit her unterversorgten Haushalte im Landkreis Bad Dürkheim aufrüstet. Der Großkarlbacher Henning Fischer hatte sich im Frühjahr dafür entschieden, Inexio-Kunde zu bleiben und mit der saarländischen Firma einen Vertrag abzuschließen: Wenn es so weit ist, hätte er gern einen Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

Das dankte ihm das Unternehmen nach dem Zusammenschluss mit Deutsche Glasfaser Anfang Juni mit der Nachricht, dass die Beförderung Großkarlbacher Altkunden auf den neuen Standard „Glasfaser bis ins Haus“ nun durch den ehemaligen Mitbewerber erfolge. Henning Fischer möge doch bitte anerkennen, dass sein Vertrag mit Inexio aufgehoben werde und er bei Abschluss eines Vertrags mit Deutsche Glasfaser bis 31. Juli von den guten Anschlusskonditionen profitieren könne.

Außerdem bekomme er das schnelle Internet nun viel früher. Denn: Für Kirchheim, Bissersheim, Großkarlbach, Laumersheim und Gerolsheim soll der Startschuss schon im August fallen. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde gab den beiden Firmen im amtlichen Teil des Amtsblatts Gelegenheit für Werbung. Dort hieß es, der Wechsel von Inexio-Kunden aus den genannten Orten zu Deutsche Glasfaser bedeute „doppelte Leistung“.

Fischer: Inexio kann nicht einfach kündigen

Henning Fischer kann für sich allerdings keine Vorteile im Anbieterwechsel erkennen: „Ich müsste dann einen 400-Mbit/s-Anschluss nehmen, das bedeutet 20 Prozent weniger Leistung“, sagt der Großkarlbacher. Außerdem bräuchte er einen neuen Router. Er kommt auf einen Betrag von 380 Euro, der ihm ausgeglichen werden müsse. Das schrieb er der Firma Inexio Mitte Juni als Antwort auf deren Nachricht, dass sein Vertrag aufgehoben werde, sofern er nicht widerspreche. „Der Vertrag ist rechtsgültig und kann nicht einseitig von Inexio gekündigt werden“, weiß Fischer.

Umso verärgerter war er, als wenig später die Antwort auf seinen Widerspruch lautete: „Hiermit bestätigen wir Ihnen die Aufhebung Ihres Inexio-Fiber-Vertrags.“ Der Großkarlbacher, der von weiteren Bürgern weiß, die sich das nicht gefallen lassen wollen, schaltete die Verbraucherzentrale in Mainz ein. Die kann nach Sichtung des Vertrags ebenfalls keine Rechtsgrundlage für eine Kündigung seitens Inexio erkennen.

Auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigt das Unternehmen, das künftig vorwiegend im Firmenkundengeschäft tätig sein will, dass der Vertrag von Henning Fischer nur aufgehoben werden kann, wenn beide Seite das wollen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Kunden hätten dem inzwischen zugestimmt, sagt Firmensprecher Thomas Schommer.

Werbespruch beruht auf Irrtum

Er spricht vom „gemeinsamen Ziel“, nämlich schnelles Internet, und kann nicht verstehen, wieso das Argument, dies sei bei Deutsche Glasfaser „ein halbes bis ein Dreivierteljahr früher zu bekommen“, bei einigen Kunden nicht zieht. Was die Aussage über „doppelte Leistung“ betrifft, sagt Schommer, man habe irrtümlich angenommen, dass die meisten Inexio-Kunden aus den fünf Dörfern Verträge über einen 200-Mbit/s-Anschluss abgeschlossen hätten. Dann wäre der Umstieg auf den 400er-Tarif von Deutsche Glasfaser zum fast identischen Preis doppelt so gut gewesen.

Fünf Berater seien derzeit in den Orten unterwegs, um alle Inexio-Kunden zum Wechsel zu bewegen. „Die Rückmeldung lautet hier, dass im direkten Gespräch jeweils eine Lösung gefunden wird“, sagt Schommer und entschuldigt sich für den Stress, den Inexio nun unter Zeitdruck verursache. Es könne aber auch nicht sein, dass Inexio für einige wenige Kunden eigene Leitungen verlege, nachdem Deutsche Glasfaser schon welche verlegt habe.

Ob Entschädigungen zur Lösungsfindung gehören, lässt sich der Firmensprecher nicht entlocken. Er weist auf generell 30 Euro Online-Rabatt und den kostenlosen Anschluss hin. „Wir versuchen aktuell, die unterschiedlichen Verlustbeträge, die von Kunden genannt werden, nachzuvollziehen.“ Damit meint Schommer wohl auch die von Fischer errechneten 380 Euro.

Verbandsbürgermeister ermahnt beide Firmen

Unterdessen fühlt sich VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) in der Pflicht, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Rüttger ist an einem flächendeckenden eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau im Leiningerland interessiert und hat deshalb im November 2019 mit Deutsche Glasfaser einen Kooperationsvertrag geschlossen.

Auch wenn die Firma nicht Rechtsnachfolgerin von Inexio und damit nicht schuldig an dem Vertragsproblem sei, so sei „die Art und Weise, wie beide die Problemlösung handhaben, doch befremdlich“, sagt Rüttger. „Ich habe mit Nachdruck darauf gedrängt, dass rasch Klarheit über die Konditionen des Anbieterwechsels geschaffen wird und wieder Ruhe einkehrt.“ Rüttger will den Landrat des Kreises Bad Dürkheim für die aktuelle Situation sensibilisieren, denn „Inexio macht den Ausbau im Kreiscluster, da kann der Kreis kein Interesse an einem schlechten Ruf von Inexio haben.“

x