Donnersbergkreis
Tierschutzverein: Nach "feindlicher Übernahme" spricht die Ex-Chefin
Silvia Enders wurde vergangene Woche zusammen mit einigen Vorstandskollegen in einer turbulenten Jahreshauptversammung abgewählt.
Das war eine feindliche Übernahme. Ich bin absolut sicher, dass das alles von ganz langer Hand geplant war. Alles deutet darauf hin. Die Beteiligten wussten genau, was sie taten. Es hat den Anschein, dass sich da vier Vorstandsmitglieder zusammengerottet haben, um mich loszuwerden. Können Sie das etwas näher erläutern? Das kann man schon allein daran erkennen, dass die Jahreshauptversammlung genau vorbereitet war. Normalerweise kommen zu einer solchen Veranstaltung zwischen 15 und 30 Leute. Am vergangenen Donnerstag waren es mehr als 80. Mindestens 40 Mitglieder sind erst ganz kurz vorher, möglicherweise sogar noch am Tag selbst, dem Verein beigetreten. Ich wusste davon nichts, meine zweite Vorsitzende hat die Aufnahme gebilligt – ohne mich zu informieren. Sie hatten sich auch materialtechnisch entsprechend eingedeckt: mit stapelweise Abstimmungszetteln und Dutzenden Kugelschreibern. Das bringt man ja nicht einfach so mit. Sie sind also der Meinung, dass von Anfang an geplant war, Sie in dieser Versammlung abzusägen und anschließend die Vereinsführung zu übernehmen, den Verein also zu kapern. Ja. Mit der Hilfe von Neumitgliedern, die ausschließlich zu diesem Zweck in den Verein eingetreten sind. Man wollte mich und meinen Helferkreis weghaben. Für diese Annahme spricht auch die Tatsache, dass man bereits am nächsten Tag allen Tierheimmitarbeitern, sowohl den Angestellten als auch den Ehrenamtlichen, Hausverbot erteilt hat. Sie mussten alle ihre Schlüssel abgeben. Die wollen das Tierheim übernehmen und mit eigenen Leuten weiterbetreiben. Aber warum? Ich kann mir das eigentlich nicht erklären. Mir ist unbegreiflich, warum Mitglieder des bisherigen Vorstandes, die sich jetzt als Erste und Zweite Vorsitzende haben wählen lassen, mich mit einem derartigen zerstörerischen Hass verfolgen. Sie hätten sich doch schon als bisherige Mitglieder des Vorstandes zu Wort melden können. Es stehen aber auch erhebliche Vorwürfe an Sie im Raum, die man nicht einfach übergehen kann ... Die meisten dieser Vorwürfe sind überhaupt nicht konkret. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Quelle ein anonymer Brief ist. Warum hat man mich nicht einfach offen in der Versammlung damit konfrontiert? Von der Vorgehensweise einmal abgesehen – es wurden aber auch Beispiele für Fehlverhalten genannt. So heißt es unserer Information nach, dass Sie sich und anderen Mitarbeitern Blanko-Spendenquittungen ausgestellt haben sollen. Außerdem sollen Sie in einer vereinseigenen Wohnung leben, 200 Euro Miete zahlen und sich dafür selbst Spendenquittungen ausstellen. Dann wird Ihnen fehlende Vorkontrolle bei Tiervermittlung vorgeworfen, und Sie sollen Geld unterschlagen haben. Das mit den Spendenbescheinigungen ist komplett aus der Luft gegriffen. Das mit der vereinseigenen Wohnung stimmt zum Teil. Es gibt eine Wohnung im Tierheim. Früher hatten wir die auch manchmal vermietet – und jede Menge Ärger damit. Wir waren sogar schon vor Gericht mit einigen Mietern. Dann gab es einen Beschluss, dass sie nur noch als Werkswohnung für Tierheim-Mitarbeiter vermietet werden darf. Die waren aber so einfach nicht zu finden, zumal die Wohnung mit den Räumlichkeiten unten verbunden ist. Deshalb wurde sie dann so eine Art Bereitschaftswohnung, die auch von mehreren Mitarbeiterinnen ausgestattet und auch genutzt wurde. Haben Sie denn Miete gezahlt? Von den regulären Mietern abgesehen, wurde nie Miete für diese Wohnung gezahlt. Und was hat es dann mit den Spendenquittungen auf sich? Also erstens habe ich mir nie selbst Spendenquittungen ausgestellt. Das kann ich ja gar nicht. Ich habe aber dem Verein Geld gespendet. Und zwar aus der Preissumme meines Tierschutzpreises. Das habe ich sukzessive als Spende dem Verein gegeben und dafür selbstverständlich auch Spendenquittungen bekommen. Ausgestellt vom Kassierer. Was ist an dem Vorwurf der Unterschlagung dran? Und was hat es mit der Wohnung auf sich, die Sie angeblich für 200.000 Euro gekauft haben, ohne die Mitglieder zu konsultieren? Bei der sogenannten Unterschlagung – es geht dabei um rund 2000 Euro, die der Erlös aus einem Flohmarkt waren –, handelte es sich um Posten, die unter unterschiedlichen Bezeichnungen verbucht wurden, deshalb hat man sie nicht gleich in den Büchern gefunden. Zum Beispiel stand einer nicht unter „Flohmarkt“, sondern unter „Nachlasssache“, weil die Gegenstände des Flohmarktes aus einem Nachlass stammten. Bei anderen handelte es sich um Bareinzahlungen, die ebenfalls extra verbucht worden waren. Es wurde aber alles in den Büchern gefunden und konnte auch zweifelsfrei zugeordnet werden. Sonst hätte der Kassenprüfer ja nicht Entlastung beantragt. Und die Wohnung? Wir haben einen Teil einer Erbschaft in der Tat dafür verwendet, eine Wohnung zu kaufen. Was ja auch sinnvoll ist angesichts der niedrigen Zinsen, die man im Moment für sein Geld bekommt. Bei dem Verkauf ist alles korrekt gelaufen. Unter anderem waren die Behörden eingebunden. Die ganze Materie ist recht kompliziert. Der Nachweis würde den Rahmen dieses Interviews sicher sprengen, aber bei Bedarf kann ich alle Beweise vorlegen. Übrigens befindet sich die Wohnung in Ludwigshafen in einer seniorengerechten Wohnanlage des Roten Kreuzes. Sie sollen es versäumt haben, die Angelegenheit von einer Mitgliederversammlung absegnen zu lassen. Das stimmt nicht. Es gab eine eigene Mitgliederversammlung, in der ich ermächtigt wurde, im Rahmen der Erbschaft Grundstücks- und Immobilienkäufe und -verkäufe zu tätigen. Unter anderem haben wir ja auch Grundstücke. Dafür bekam ich von den Mitgliedern grünes Licht. Das Protokoll dieser Mitgliederversammlung samt Anwesenheitsliste wurde dem Notar vorgelegt. Es heißt auch das Haus, in dem Sie wohnen, gehöre dem Tierschutzverein. Das wird ja immer absurder! Das ist total aus der Luft gegriffen. Nein, das Haus gehört definitiv nicht dem Tierschutzverein. Es wird Ihnen auch vorgeworfen, Tiere vermittelt zu haben ohne Vorkontrolle der künftigen Besitzer, das heißt, ohne sich zu vergewissern, dass die Tiere in geeignete Hände kommen. Wir haben uns immer an die Richtlinien der Tierheimordnung des Tierschutzbundes gehalten. Demnach sollte immer ein Vor- und Nachbesuch erfolgen, ein Besuch ist auf jeden Fall zwingend vorgeschrieben. Teilweise wurden von uns auch zwei Besuche gemacht, ein Beratungsgespräch gab es immer. Manchmal haben wir da auch mit anderen Tierheimen zusammengearbeitet. Es war uns auch immer sehr wichtig, längerfristig Kontakt zu halten. Wenn es Probleme gab, konnten die neuen Besitzer uns immer anrufen. Dann steht noch der Vorwurf im Raum, dass Sie einen Hund ohne Not haben einschläfern lassen. Das war ein absoluter Ausnahmefall. Der Hund war verhaltensgestört und hat gebissen. Wir haben mehrfach versucht, ihn zu therapieren, es hat nicht funktioniert. Zum Schluss hat er nur noch gelitten, ließ auch niemanden mehr an sich heran und war auch nicht in eine Gruppe zu integrieren. Wie gesagt, es war eine Notfallmaßnahme. Außerdem der erste Fall in fast 20 Jahren. Zudem können wir als Tierschutzverein gar nicht so einfach ein Tier einschläfern lassen. Das muss immer ein Arzt verantworten. Kommen wir noch einmal ganz kurz auf die Jahreshauptversammlung zurück. Sie sagen, es war ein Anwalt anwesend ... Er hat bisher den Verein vertreten, war also nicht mein persönlicher Anwalt. Er war in erster Linie als Vereinsmitglied da. Konnte der denn nicht eingreifen, als die Veranstaltung aus dem Ruder lief? Er hat es versucht. Wer nicht in dieser Versammlung war, kann sich gar nicht vorstellen, wie das ablief. Jedes der anwesenden langjährigen Mitglieder war einfach nur entsetzt. Unter anderem hat er Kritik an dem anonymen Brief geübt. Er wurde aber einfach niedergebrüllt. Er hatte gar keine Möglichkeit mehr, sich Gehör zu verschaffen. Wir konnten die Veranstaltung trotz Hausrechts auch nicht auflösen, das wäre nur noch mit Hilfe der Polizei möglich gewesen. Wussten Sie vorher, dass es diesen anonymen Brief gibt? Ich habe davon in einer Vorstandssitzung erfahren, da hat Frau Rottmann, die zweite Vorsitzende, ihn vorgelesen. Ich wusste aber nicht, dass sie den auch auf der Jahreshauptversammlung verlesen lassen würde. Es war auch die Rede von Vollmachten von nicht anwesenden Mitgliedern. Wie kam es dazu? Ich hatte tatsächlich die wenigsten dieser Vollmachten. Die anderen hatten Vorstands- und Vereinsmitglieder. Bei den Vollmachtgebern handelte es sich in erster Linie um ältere oder erkrankte Mitglieder oder solche, die abends nicht mehr fahren wollten, denen es aber wichtig war, mit abstimmen zu können. Wie geht es jetzt von Ihnen aus weiter? Fechten Sie die Wahl an? Ich selbst kann die Wahl nicht anfechten, das müssen Mitglieder tun. Ich weiß aber, dass inzwischen Briefe an das Vereinsregistergericht gegangen sind. Sind Sie noch Mitglied im Tierschutzverein? Ja, ich bin noch Mitglied. Sofern man mich nicht ausgeschlossen hat.
