Wahlkreis 209
Zwar nicht gewonnen, aber trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden
Kunte: In der Stadt besonders zufrieden
„Wir haben das beste Ergebnis eingefahren, das die Grünen in Kaiserslautern und im Wahlkreis 209 je hatten“, sagt Michael Kunte mit Blick auf die Zweitstimmen. In der Stadt liege der Zuwachs an Wählerstimmen sogar über dem Bundestrend. Damit könne die Partei durchaus zufrieden sein, erzählt der 42-Jährige. Der Wählerwille auf Bundesebene sei an diesem Wahlabend klar zu erkennen gewesen: eine generationenübergreifende Politik und der Klimaschutz seien der Wählerschaft wichtig und sollten im neuen Bundestag ein große Rolle spielen. „Die Wähler wollen die Grünen an der Regierung beteiligen“, ist Kunte sicher.
Mit seinem eigenen Ergebnis zeigt sich der Grünen-Direktkandidat ebenfalls zufrieden, auch dieses sei das beste, das bisher eingefahren worden sei. In allen Wohngebieten der Stadt habe es große Zuwächse an Wählerstimmen gegeben. Den Wahlabend verbrachte Kunte mit seiner Familie und einigen Parteikollegen bei Tobias Wiesemann, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kaiserslauterer Stadtrat. Gegen halb neun habe er Matthias Mieves von der SPD zum Wahlsieg gratuliert: „Ich bin mir sicher, das er gewonnen hat. Ich hab mich auch für den fairen Wettkampf bedankt.“
Braun Lambur: Gelungener Quereinstieg
Jana Braun Lambur (FDP) hat den Wahlabend mit ihrem Wahlkampfteam im Twenty One verbracht. Beim Blick auf die vorläufigen Ergebnisse um 21 Uhr war ihre erste Reaktion: „Ich bin vom Ergebnis der AfD bei den Zweitstimmen erschreckt“.
Was ihre eigene Partei anbelangt, ist Braun Lambur eines wichtig: „Wir müssen mit unseren Inhalten überzeugen.“ Dabei sollte es weniger um parteiinterne Machtfragen gehen, als darum, die politischen Inhalte der FDP zu transportieren. „Da wo FDP draufsteht, muss auch FDP drin sein“, sagt die 34-Jährige und erteilt damit einer Regierungsbeteiligung um jeden Preis eine Absage. Über ihr eigenes Ergebnis bei den Erststimmen freut sich Braun Lambur. Sie sei als Quereinsteigerin bei der FDP ein ganz neues Gesicht und daher mit ihrem Abschneiden sehr zufrieden.
Lebkücher: Zufrieden oder eher doch nicht?
So ganz sicher ist sich Freie-Wähler-Kandidat Thomas Lebkücher nicht, wie er sein Ergebnis und das seiner Partei einordnen soll. Einerseits: „Wenn dein Traum nicht in Erfüllung geht, dann bist du jetzt erstmal noch nicht so weit, dir auf die Schulter zu klopfen.“ Denn gereicht hat es nicht für den Bubenheimer Ortsbürgermeister. Weil die Freien Wähler den Einzug in den Bundestag verpasst haben, half da auch der aussichtsreiche Platz drei auf der Landesliste nichts.
Andererseits sieht er auch, dass er mit einem Erststimmenanteil von 7,3 Prozent ein respektables Resultat abgeliefert hat, 2017 war Günther Mack für die Freien Wähler auf 2,8 Prozent gekommen. Und im heimischen Donnersbergkreis war’s für den Leiter der Wormser Polizeiinspektion sogar zweistellig (10,2 Prozent). Am Sonntagabend ließ Lebkücher den Wahltag mit einem Glas guten Whiskeys, einem Zigarillo und seinen Gedanken auf der Terrasse ausklingen. Und war am Ende gar nicht mehr ganz so unzufrieden – schließlich hatte der Tag ja schon mit dem besten Omen begonnen: Seine beiden kickboxenden Töchter hatten ihre Prüfungen abgelegt und jeweils den orangenen Gürtel gemeistert, in der Farbe der Freien Wähler.
Sujana-Sen: Erschreckende Entwicklung
Derya Sujana-Sen (Die Partei) hat sich die Hochrechnungen zur Bundestagswahl mit ihren Parteikollegen auf dem Benderhof angesehen. „Ich finde die Ergebnisse deutschlandweit erschreckend“, berichtet sie. Sie hätte sich einen wirklichen Wechsel gewünscht. Mit ihrem eigenen Abschneiden in der Stadt sei sie zufrieden. „Dafür, dass wir eine kleine Partei sind, die alles selbst gemacht hat, ist es gut.“
Staudt: Mit Vorsprung als Dritter ins Ziel
AfD-Bewerber Marco Staudt war richtig glücklich mit seinem Ergebnis. Nicht nur, dass er entgegen dem Bundestrend nur 0,2 Prozentpunkte bei den Erststimmen verloren hat und mit deutlichem Vorsprung als Dritter vor den Kandidaten von Grünen, Freien Wählern und FDP durchs Ziel gegangen ist, sondern auch weil er mehrere Wahlbezirke wie Albessen und Pfeffelbach im Landkreis Kusel sowie den Kaiserslauterer Stadtteil Einsiedlerhof gewonnen hat. „Alles richtig gemacht hier in der Region“, kommentierte der Altenglaner Stuckateurmeister am Abend, der schon vorsichtig den Blick vier Jahre voraus warf: „Wenn die Mitglieder mich wollen, trete ich dann auch wieder an.“
Lauer: Nicht erhofftes, aber erwartbares Ergebnis
Der Wolfsteiner Marius Lauer, einziger unabhängiger Direktkandidat, registrierte rund 240 Stimmen. „Nicht das erhoffte Ergebnis, aber das erwartbare“, sagte der 29-Jährige, der „eine Wahlalternative bieten wollte“, aber nicht wirklich Wahlkampf gemacht hat. Und: „Ich bin immerhin nicht Letzter“, spielte er darauf an, dass die Direktkandidaten von LKR, Internationalistischem Bündnis und Klimaliste weniger Stimmen als er bekommen haben.