Kaiserslautern Zur Sache: „Zu wenige Betriebe bilden noch aus“

Placeholder-Image

2007 war ein Spitzenjahr für das Gastgewerbe. Wie aus dem Branchenbericht des Deutschen Hotel- und Gaststättenbundesverbandes (Dehoga) vom Frühjahr 2018 hervorgeht, wurden damals rund 107.000 Ausbildungsverhältnisse verzeichnet, etwa die Hälfte davon war neu hinzugekommen. Im vergangenen Jahr waren es gerade mal knapp über 53.000 Auszubildende und etwas mehr als 24.000 neu unterzeichnete Lehrverträge. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten um jeweils etwa ein Drittel auf circa 1.063.000 und 1.000.700 angestiegen. Sinkende Ausbildungszahlen bei steigendem Personalbedarf – eine Situation, die Hoteliers und Gastronomen vor Herausforderungen stellt. „Der Fachkräftemangel ist ein Thema“, sagt Patrizia Boßert. Die Vorsitzende des DeHoGa-Kreisverbandes Kaiserslautern sagt auch: „In einer Großstadt wie Kaiserslautern ist er letztlich hausgemacht.“ Ihrer Ansicht nach bilden zu wenige Betriebe aus, stattdessen decken sie ihren Bedarf mit ungelerntem Personal. Insbesondere branchenfremde Inhaber von neugegründeten Betrieben zeigten kein Interesse daran auszubilden, berichtet Boßert. Hinzu komme ein Imageproblem. Für Boßert ist klar, dass eine gelernte Fachkraft für den Betrieb einen Mehrwert bringt. „Ein Restaurant steht und fällt mit seinem Koch“, führt sie ein Beispiel an. Sie misst der fachlichen und menschlichen Ausbildung junger Menschen eine hohe Bedeutung bei. Auch die Wertschätzung, die man Lehrlingen und gutem, ausgelerntem Personal entgegenbringt, erachtet sie als wichtig. Die Kreisverbandsvorsitzende weiß von Betrieben, die solchen Mitarbeitern etwa ein Auto stelle, kostenlos Verpflegung bieten oder einen höheren Verdienst zahlen, um sie an sich zu binden. Sie ist überzeugt: „Eine gute Fachkraft wird nicht arbeitslos. Da spielt auch das Alter keine Rolle.“ Boßert plädiert für flexible Arbeitszeitmodelle, die sowohl den Anforderungen des Marktes und der weiblichen Belegschaft entgegenkommen. „Saisonbetriebe wünschen sich Arbeitszeitkonten. So können sich die Arbeitnehmer im Sommer ein Polster aufbauen und werden im Winter nicht arbeitslos“, sagt sie.

Mehr zum Thema
x