Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wird die Richard-Wagner-Straße in Kaiserslautern bald zur „Spielstraße“?

Gesäumt von Gründerzeitfassaden, aber ansonsten „unwirtlich“, sagt Peter Ott: Mit seiner Bürgerinitiative setzt er sich für eine
Gesäumt von Gründerzeitfassaden, aber ansonsten »unwirtlich«, sagt Peter Ott: Mit seiner Bürgerinitiative setzt er sich für einen Umbau der Richard-Wagner-Straße ein.

Die Initiative „Stadt für Alle“ wünscht sich die Richard-Wagner-Straße als grüne „Willkommensachse“ – frei von parkenden Autos. Jetzt könnten erste Weichen gestellt werden.

Peter Ott hat ein Bild im Kopf, um nicht zu sagen: eine Vision. Wenn er den Hauptbahnhof verlässt, raus in Richtung Norden, dann will er in eine Straße schauen, die ihn willkommen heißt in Kaiserslautern. Die ihn empfängt als Gast, der bleiben soll. Helles Pflaster, gesäumt von den Fassaden der Gründerzeit. Blumenbankette neben Blühwiesen. Makellose Bordsteine. Kneipen und Bars, die ihre Stühle draußen aufreihen, unter stattlichen Baumkronen. Und das alles in einer „Spielstraße“: bei Schritttempo, frei von parkenden Autos. So oder so ähnlich stellt sich Ott, der Sprecher der Bürgerinitiative „Stadt für Alle“ (SfA), die Zukunft der Richard-Wagner-Straße vor. Er spricht von einer Lautrer „Willkommensachse“. Auf fast 600 Metern soll sie sich bis ins Zentrum ziehen, ab der Logen- bis zur Pirmasenser Straße.

„Es muss ein attraktiver Empfang werden für die Menschen, eine gute Adresse“, fordert Ott am Freitagmittag gegenüber der RHEINPFALZ. „So, wie es ist, ist es unwirtlich. Diese Mängel müssen beseitigt werden.“

Bürger sollen zur Mitgestaltung aufgerufen werden

Nur, auch das ist die Frage: Sind seine Ideen überhaupt gewollt in Kaiserslautern? Und winkt vielleicht schon bald ein Umbau der Straße, angestoßen von den Bürgern selbst?

So stellen sich die Mitstreiter von „Stadt für Alle“ die Richard-Wagner-Straße der Zukunft vor: Bäume und Blühstreifen statt par
So stellen sich die Mitstreiter von »Stadt für Alle« die Richard-Wagner-Straße der Zukunft vor: Bäume und Blühstreifen statt parkender Autos.

Am Montagnachmittag wird nun erstmals der Stadtrat das Thema einer „Willkommensachse“ diskutieren. Natürlich hat er nicht über Otts Wünsche zu entscheiden, sondern darüber, ob die Ämter ein Beteiligungsverfahren in Gang setzen – einen Prozess, in dem die Einwohner zu Wort kommen. Und in dem sie ihre Anregungen loswerden können für eine Sanierung der Richard-Wagner-Straße. Genauer: für einen fundamentalen Wandel, hin zu einem „verkehrsberuhigten Bereich“, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Fußgänger, Radler, Autos und Busse würden sich die Fahrbahn also teilen, die strikte Trennung von Straße und Gehweg entfiele. „Wir streben eine Bürgerversammlung und einen Workshop an“, sagt Ott, „ein Format, in dem wir uns Auge in Auge austauschen.“

Laut SfA könnten dann auch RPTU-Wissenschaftler ihre Expertise abliefern, so zum Beispiel Sascha Henninger oder Wilko Manz. Der eine ist Fachmann für Stadtklimatologie, der andere für Verkehrsplanung.

Im Herbst sammelte SfA fast 400 Unterschriften

Allein, dass sich der Rat jetzt mit der Richard-Wagner-Straße befasst, dürfte dabei schon als beachtlich gelten. Im Frühjahr 2024 hatte er die „Leitlinien zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in Kaiserslautern“ beschlossen – um den Menschen zu signalisieren, ihre Sorgen und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Um die Demokratie zu festigen, das Vertrauen in ihre Institutionen. Wer seinen Hauptwohnsitz in Kaiserslautern führt, darf demzufolge einen Mitwirkungsprozess anregen. Dafür muss er das Anliegen begründen, einen Vorschlag aufsetzen und 200 Unterschriften sammeln. Ott und seine Mitstreiter waren im September 2025 auf „Stimmenfang“ gegangen – am Ende standen 384 Signaturen auf der Liste. Damit sei „ein deutliches öffentliches Interesse“ gegeben, schreibt die Stadt. Stand heute, so geht aus der Ratsvorlage hervor, sind in der Richard-Wagner-Straße keine sonstigen Arbeiten geplant. Es wäre die erste von Bürgern initiierte Beteiligung.

Im September 2025 sammelt SfA in der Richard-Wagner-Straße Unterschriften, um eine Bürgerbeteiligung anzustoßen. 200 braucht sie
Im September 2025 sammelt SfA in der Richard-Wagner-Straße Unterschriften, um eine Bürgerbeteiligung anzustoßen. 200 braucht sie – am Ende werden es fast 400.

Keine Frage, mit seiner Idee einer „Willkommensachse“ wird Ott polarisieren. Bei den Lauterern droht er sich neben brüsken Worten auch Ablehnung und Spott einzuhandeln, es liegt Ärger in der Luft – und darüber sei er sich im Klaren, sagt der SfA-Sprecher. Am Straßenrand die Parkplätze abschaffen, den Autoverkehr eindämmen? In Kaiserslautern macht man sich mit so einem Gedanken nicht nur Freunde, das offenbarte gerade erst die schwelende Debatte um das Parken in der City.

Könnten neue Parktarife eine Entlastung bringen?

Während so mancher in Otts Vorstellungen eine romantische Verschönerung sehen mag, dürften andere darin einen radikalen Schnitt erkennen. Einen, der ihnen ein Stück Freiheit nimmt.

Nur mal eine Überlegung aber, mahnt Ott: Sollte die Richard-Wagner-Straße, eine boulevardähnliche Meile, tatsächlich aufgehübscht werden, könnten sich dann nicht neue Läden, Cafés und Restaurants ansiedeln? Das stärke doch den Einzelhandel, glaubt er. Im Gegenzug könne die Stadt in den Parkhäusern die Tarife senken – um die gestrichenen Stellflächen zu kompensieren. Ott sagt, er wolle niemandem seine Vision aufdrücken. Alles, was er sich als Ziel gesetzt habe: mehr Mitsprache der Bürger. Die Chance auf Mitgestaltung. Einen Diskurs, der Vor- und Nachteile des Umbaus beleuchtet. „Wenn sich während der Beteiligung zeigt, dass unsere Wünsche nicht gewollt sind, gehen wir ein paar Schritte zurück“, versichert Ott, „über alles sollte sich reden lassen.“

Tempo 20 statt „Spielstraße“, eine Reduzierung der Parkplätze statt kompletter Verbannung, was auch immer. Das Wort der Menschen zähle, sagt Ott, nicht bloß seines. Wichtig sei, dass ihre Stimmen im Rathaus gehört werden.

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