Kaiserslautern
Wieso das neue Pfaff-Quartier nicht komplett autofrei wird
Das Pfaff-Quartier soll autoarm werden. Aber eines der ersten neuen Gebäude ist ein Parkhaus. Ein besonders schickes obendrein, ganz aus Holz, ein Hingucker. Anne Theobald, die für die Pfaff-Entwicklungsgesellschaft die Geschicke auf dem Areal des früheren Nähmaschinenherstellers lenkt, erklärt das so: Autos werden nicht ganz verbannt, sie sollen aber nicht mehr den Straßenraum dominieren und deshalb in Parkhäusern oder Tiefgaragen verschwinden. Ein zweites Parkhaus wird im Nordosten an der Albert-Schweitzer-Straße gebaut. Dass jetzt ziemlich viel Baustellenverkehr herrsche, lasse sich nicht vermeiden. „Da drücken wir ein Auge zu“, sagt Theobald.
Derzeit laufen Abstimmungen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) für sieben sogenannte Mobilitätsstationen auf dem Gelände, mit Flächen für Carsharing-Fahrzeuge und Mieträder, Lastenräder sind zum Verleih vorgesehen, berichtet die Radverkehrsbeauftragte Julia Bingeser. Sozusagen als Initialzündung soll demnächst eine Verleihstation direkt an der Pforte für die blauen Nextbike-Räder kommen.
Bahnhaltepunkt soll hergerichtet werden
Dass viele, die heute mit dem Auto anfahren, in Zukunft umsteigen, darauf arbeitet Theobald hin. „Wir stehen in intensiven Verhandlungen mit der Deutschen Bahn wegen des Haltepunkts Pfaffwerk.“ Dort halten Züge der Lautertal-Linie, aber die Zuwegung ist unattraktiv. Ein Trampelpfad führt zu den Gleisen. „Wir haben die Zusage, dass der Bahnsteig 2026 hergerichtet wird und eine neue Beleuchtung kommt, zwei Jahre später soll eine Rampe gebaut werden“, berichtet Theobald. Perspektivisch sollen die Brücke in die Karl-Pfaff-Siedlung und die alte Unterführung reaktiviert werden, auch um den Bahnhaltepunkt Galgenschanze, wo die Züge aus Richtung Pirmasens halten, anzubinden. „Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, so Theobald.
2000 Menschen werden hier einmal leben, 3500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Heute erfolgt die Zufahrt auf das Gelände an der Pforte in der Königstraße, künftig wird es in Höhe Lidl reingehen. Von dort aus wird die Birgit-Reinert-Straße, die parallel zur Königstraße verläuft, erschlossen. Im Norden wird die Albert-Schweitzer-Straße ausgebaut. Auf diesen Achsen kommt Tempo 20, der Rest wird verkehrsberuhigt. Fußgänger, Radfahrer und Autos sollen gleichberechtigt sein, klärt Bingeser auf. Es werde bis zu 4,50 Meter breite Gehwege geben und eine Anbindung für Radfahrer an die Pendlerroute in der Brandenburger Straße. Ganz viele Radabstellflächen auf dem Areal seien vorgesehen, erzählt Bingeser, die zudem auf eine Fahrradstraße bis zum Pfaffplatz hofft. Theobald findet das spannend, spricht von einem Lernprozess. „Was wir hier machen, soll Vorbildcharakter haben. Wir müssen einfach mal anfangen, etwas wagen, ausprobieren, dem Auto nicht mehr die höchste Priorität einräumen.“
Künftig im Halbstundentakt
Seit das Ärztehaus im ehemaligen Pfaff-Verwaltungsgebäude geöffnet hat, gibt es Klagen über die Busanbindung. In der Königstraße halten die Busse der Linien 103 und 111, die im Stundentakt verkehren. Die Haltestelle der Linie 104 am Rundbau ist vielen zu weit ab vom Schuss. „Im Nahverkehrsplan sind Verbesserungen vorgesehen“, erklärt Boris Flesch, Leiter der Verkehrs AG der Stadtwerke. Kommen könnte eine neue Buslinie, die vom Hauptbahnhof zum Bännjerrück verkehrt, mit Stopp am Pfaff-Quartier. Angedacht ist Flesch zufolge auch, die Linien 103 und 111 im Halbstundentakt fahren zu lassen. Er verweist darauf, dass es heute schon vom Hauptbahnhof aus mit einer Umsteigezeit von drei Minuten am Fackelrondell in die Königstraße geht. Die Bushaltestelle in der Königstraße, die sich heute in Höhe von Alnatura befindet und immer noch den Namen „Pfaffwerk“ trägt, soll laut Theobald näher an die Pfaff-Pforte rücken.
„Autos möglichst an den Rand verbannen“
Das Architekturbüro Bayer & Strobel ist vor fünf Wochen aufs Pfaff-Gelände gezogen, mit 25 Mitarbeitern. „Wir sind hier sehr happy“, sagt Peter Strobel. „Fast alle kommen mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit.“ Doch so gut es Strobel findet, dass das neue Quartier weitgehend autofrei sein soll, ganz ohne fahrbaren Untersatz geht es nicht. „Wir haben uns eine Genehmigung für wenige Parkplätze vor dem Kesselhaus besorgt, weil wir Termine auf Baustellen haben, die wir mit dem ÖPNV nicht erreichen. Wir bauen nicht nur in der Stadt und im Umfeld von Hauptbahnhöfen“, erläutert Strobel, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Gunther Bayer Großprojekte in der ganzen Republik stemmt. Generell habe der Bedarf an Autofahrten in ihrer Branche seit der Pandemie abgenommen. „Viele Planungsgespräche führen wir per Videokonferenz. Aber eben nicht alle.“ Strobel, der im Pfaff-Vermarktungsbeirat sitzt, sieht die Sache realistisch. „Allein schon durch das große Ärztehaus wird sich der Autoverkehr nicht komplett raushalten lassen. Es gibt kaum eine Nutzung, die mehr Fahrzeugbewegungen auslöst. Das ist ein bisschen ein Dilemma.“ Deshalb wünsche er sich eine Strategie, die die Autos möglichst an den Rand verbannt und aus den Kernzonen raushält. „Ganz ungünstig wäre es, wenn die Zufahrt künftig über die Birgit-Reinert-Straße erfolgen würde und die Ausfahrt über die Albert-Schweitzer-Straße. Dann hätten wir überall Autos.“
Info
Anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche werden am Dienstag, 17. September, zwischen 10 und 18 Uhr Führungen auf dem Pfaff-Areal angeboten. Unter dem Motto „Quartier der Zukunft“ geht es um Fragen wie: Was ist wichtiger – Parkplatz oder Baum? Ist zu dichte Bebauung zu wenig Klimaanpassung? Treffpunkt ist an der Pforte an der Königsstraße.