Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Mobilität auf dem Pfaff-Gelände aussehen soll

Wenn das Pfaff-Gelände erschlossen ist, sollen nur noch 30 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum existieren.
Wenn das Pfaff-Gelände erschlossen ist, sollen nur noch 30 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum existieren.

Fragen und Antworten: Es wird noch Jahre dauern, bis auf dem Pfaff-Gelände richtig Leben herrscht, Menschen wohnen oder zur Arbeit pendeln. Bei der Mobilität soll das Quartier eine Vorreiterrolle einnehmen, mit Lastenrädern, Ausleihstationen und weniger Autos. Was geplant ist, erklären Anne Theobald und Christian Ruhland.

Es gibt ein Mobilitätskonzept für das Pfaff-Gelände. Was ist das Ziel?
Das Pfaff-Gelände soll ein „smartes multimodales Eco- und elektromobiles Quartier“ werden. So sieht es das Mobilitätskonzept vor, das das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) der Hochschule Trier ausgearbeitet hat. Häuser und Wohnungen für 1400 Menschen und 3200 Arbeitsplätze sollen dort in den kommenden Jahren entstehen. Das Pfaff-Areal soll „als autoarmes Quartier konzipiert werden“. Christian Ruhland, stellvertretender Referatsleiter Stadtentwicklung schränkt ein: „Verkehrsarm, das Pfaff-Quartier wird nicht autofrei sein, aber im Gegensatz zu anderen, bestehenden Stadtvierteln deutlich weniger Autos aufweisen.“ Alternativen wie Fahrräder, E-Bikes und -Roller sowie Lastenräder – alles auch zum Leihen –, der Fußgängerverkehr und ÖPNV sollen bei der Planung mitgedacht werden.

Wie soll das neue Quartier autoarm und klimafreundlich erschlossen werden?
„Das Auto ist hier nicht dominant in der Planung, was sonst ja oft so ist bei der Straßenplanung“, erklärt Anne Theobald von der Stadtentwässerung und der Pfaff-Entwicklungsgesellschaft (PEG). Für das Pfaff-Gelände ist eine Ringerschließung mit zwei Zufahrten vorgesehen, die Hauptzufahrt im Südosten angrenzend an die Königstraße und die Zufahrt über die Albert-Schweitzer-Straße im Osten des Quartiers. Mit der Erschließung der Hauptzufahrt etwa auf Höhe des Lidl-Marktes „wollen wir Mitte nächstes Jahr beginnen“, die Ausschreibung solle noch in diesem Jahr gemacht werden, sagt Theobald. Dort wird eine Ampel die Zufahrt regeln, Ver- und Entsorgungsleitungen werden verlegt.

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Die Pfaff-Pforte wird ab der Fertigstellung der Hauptzufahrt nur noch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sein. Die sich anschließende Pfaff-Achse wird zur Fußgängerzone. Zwischen den Gebäuden soll ein Platz geschaffen werden, an dem man sich gerne aufhält. Ein zweiter Erschließungsring im Nordwesten soll verkehrsberuhigt werden. Zudem ist vorgesehen, auf dem gesamten Pfaff-Areal – in den Bereichen, in denen Autos fahren dürfen –, das Tempo auf maximal 20 km/h zu beschränken.

Wo soll auf dem Pfaff-Gelände geparkt werden?
Maximal 30 Parkplätze sind im öffentlichen Raum geplant. Ansonsten sind zwei Parkhäuser vorgesehen, eines nahe des Medizinischen Versorgungszentrums entsteht gerade. Für ein zweites, das in der Albert-Schweitzer-Straße neben dem Pfalzklinikum gebaut werden soll, gbit es noch keinen Investor, sagen Ruhland und Theobald. Ein drittes Parkhaus, an die Bahnlinie im Westen des Pfaffgeländes angrenzend, sei zudem möglich. „Da müssen wir abwarten, ob wir das brauchen“, sagt Theobald. Eine große Anzahl der benötigten Pkw-Stellplätze soll in Tiefgaragen vorgehalten werden. „Es gibt aber einige Stellen, da lässt es der Untergrund nicht zu“, führt Theobald aus. Dort würden wenige Parkplätze auf den jeweiligen Grundstücken zugelassen.

Für das Pfaffgelände wurde eine Stellplatzsatzung erarbeitet und 2020 vom Stadtrat beschlossen, die weniger Parkplätze pro Wohneinheit vorsieht als bislang üblich, erklärt Ruhland. „Wichtig ist uns, dass die Anzahl im öffentlichen Raum reduziert wird, wir die Stellplätze nicht sichtbar haben. Dadurch entsteht auch nutzbarer Raum, der dann für andere Dinge verfügbar ist“, führt er aus.

Durch die Lage der Parkhäuser und die Tiefgaragen wird es jede Menge Durchgangsverkehr geben. Wie passt das ins Konzept eines autoarmen Quartiers?
Ein wichtiger Aspekt bei der Neugestaltung des Areals sei es, die Autos möglichst aus der Sicht zu bringen. „Wenn man die reine Anzahl nimmt, ist es vielleicht kein autoarmes Quartier, aber es geht auch darum, die Menschen zum Nachdenken zu bringen: Muss ich wirklich das Auto nehmen oder gibt es eine sinnvolle Alternative“, sagt Theobald. Daher müsse die Infrastruktur für andere Verkehrsmittel als das Auto geschaffen werden.

Wird der Autoverkehr vom Pfaff-Gelände verschwinden?
Klares Nein – sagen auch Ruhland und Theobald. Auch wenn einige Bereiche verkehrsberuhigt sein werden, eine Fußgängerzone entstehen und die Höchstgeschwindigkeit bei 20 km/h liegen soll, machen die Autoren des Mobilitätskonzepts klar: „Der autofreie Teil der Pfaff-Achse hat eine Länge von 105 Metern, wobei diese Teilstrecke in Notfällen passierbar sein muss. Dies ergibt einen Anteil von lediglich 6,4 Prozent autofreier Bereiche an der Gesamterschließung und wird so den Kriterien eines autoarmen Quartiers nicht gerecht.“

Welche Alternativen bieten sich für Menschen, die den Bus nutzen wollen?
Pendler zum oder vom Bahnhof haben vom Pfaff-Gelände aus bislang keine direkte Verbindung zum Bahnhof. Das müsse verbessert werden, führen Ruhland und Theobald aus. Es gebe Überlegungen, einen besseren Takt bei den vorbeiführenden Buslinien und eine direkte Verbindung zum Hauptbahnhof zu schaffen, so Ruhland. Die Linien 103, 111 und 117 könnten alle 30 Minuten fahren, in der Königsstraße würde so ein 15-Minuten-Takt entstehen, erklärt er.

Außerdem sollen sogenannte Mobilitätsstationen aufgebaut werden. Insgesamt sind sieben auf dem Gelände geplant. Dort sind Stellplätze für Fahrräder, Leihräder, Lastenräder, Möglichkeiten des Carsharings, Sitzplätze und eine Unterstellmöglichkeit, aber auch Infotafeln mit Busfahrplänen oder Tarifen der einzelnen Leihangebote vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung hänge auch davon ab, welche Anbieter sich dafür finden lassen. „Der Aufbau der Mobilitätsstationen ist Teil der Planung für das Pfaff-Gelände. Da für die Einrichtung dieser Stationen aber erst mal die Infrastruktur, sprich die Erschließungsstraßen hergestellt werden müssen, sind diese noch nicht ausgeschrieben beziehungsweise bestellt. Dies folgt erst in einem nächsten Schritt“, erklären die beiden den aktuellen Status quo.

Wie ist das Pfaff-Gelände an den Bahnverkehr angeschlossen?
Das Pfaff-Gelände grenzt an den Bahnhaltepunkt Pfaffwerk an. Der wird jedoch von kaum einer Linie bedient. Ruhland und Theobald erklären, dass der Haltepunkt ausgebaut und die Unterführung ertüchtigt werden soll, damit Radfahrer und Fußgänger ihn einfacher ansteuern können. Auch ein barrierefreier Zugang soll dadurch ermöglicht werden. Der Bahnhaltepunkt soll 2026 in zwei Bauabschnitten erneuert werden, erklärt Ruhland im Gespräch. „Die Unterführung ist schon seit vielen Jahren geschlossen und nicht nutzbar. Bevor sie wieder genutzt werden kann, bedarf es einer grundlegenden Erneuerung. Unser Wunsch wäre auch eine Verbreiterung der Unterführung. Allerdings gibt es hierfür noch keine Planung und dementsprechend auch noch keine Kostenschätzung.“ In der Regel gebe es dafür aber Förderprogramme, wofür ein städtischer Eigenanteil erforderlich ist.

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