Kaiserslautern
Wie Autofahren die Umwelt schonen kann
Rund 95 Prozent der Zeit, im Schnitt 23 Stunden am Tag, steht ein privates Auto herum, meist im öffentlichen Raum, wie eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ergeben hat; die Zahlen für andere Länder sind sehr ähnlich. Damit ist der Privat-Pkw nicht nur ein sehr ineffizientes Fortbewegungsmittel, sondern er blockiert zudem viel Raum, vor allem in Städten. Abhilfe kann Carsharing schaffen, die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen.
Der Trend ist steigend: Laut Umweltbundesamt hat sich die Anzahl der registrierten Carsharing-Nutzer von 2011 bis 2022 verzwölffacht. „Aktuell gibt es deutschlandweit über 43.000 Car-Sharing-Fahrzeuge und über 5,5 Millionen Menschen, die bei Car-Sharing-Anbietern angemeldet sind“, vermeldet das Umweltbundesbundesamt im Juni 2024. Demgegenüber steht jedoch, dass es trotz sinkender durchschnittlicher Fahrleistung in Deutschland so viele Pkw gibt wie noch nie: rund 49,1 Millionen Fahrzeuge.
Durch Carsharing wird weniger Fläche verbraucht und weniger Auto gefahren
Dass Carsharing nicht nur weniger Flächenverbrauch bedeutet, sondern auch weniger Emission, zeigt sich daran, dass „deren Nutzer auch deutlich mehr mit dem Rad, zu Fuß und dem ÖPNV unterwegs sind“, wie Christian Ruhland, stellvertretender Leiter des Referats Stadtentwicklung, sagt. Sie nutzen in der Regel all diese Fortbewegungsformen kombiniert, und „dort, wo es Lücken gibt, ersetzt Carsharing das eigene Auto“.
Die Faustformel für Autofahrer, dass Carsharing bis zu einer Jahresfahrleistung von rund 12.000 Kilometern wirtschaftlicher ist, verschiebt sich langsam: „Weil die Autos immer teurer werden, gibt der Bundesverband Carsharing inzwischen die Grenze schon mit 15.000 bis 17.000 Kilometer an“, erläutert Miriam Caroli, Sprecherin von Stadtmobil Rhein-Neckar, dem größten Carsharing-Anbieter in der Region wie auch in Kaiserslautern.
Carsharing bietet sich vor allem für Stadtbewohner an. Wer im ländlichen Raum lebt und sein Auto für die tägliche Fahrt zur Arbeit benötigt, kommt ohne Privatwagen in der Regel schwieriger zurecht. „Allerdings kann Carsharing auch das Zweitauto ersetzen“, wendet Ruhland ein.
Stadtmobil-Nutzer können je nach Bedarf das passende Auto auswählen
Stadtmobil Rhein-Neckar hält in 37 Orten der Region rund 800 Fahrzeuge vor; in Kaiserslautern sind es aktuell „22 Fahrzeuge an neun Stationen“, antwortet Dieter Netter von Stadtmobil. Aufgrund des bundesweiten Verbunds Stadtmobil können Nutzer zum gebuchten Tarif auf über 10.000 Autos in ganz Deutschland zugreifen. „Außerdem steht mir ein Fuhrpark vom kleinen Auto bis zum Transporter zur Verfügung“, kennt Julia Bingeser, Radverkehrsbeauftragte der Stadt und Carsharing-Nutzerin, weitere Vorzüge. Stadtbewohner schätzen zudem, dass die Parkplatzsuche wegen des festen Stellplatzes entfällt. In 17 Orten unterhält Stadtmobil auch Elektroautos, Kaiserslautern gehört mangels garantiert nutzbarer Ladesäulen noch nicht dazu, informiert Netter.
Ausschließlich E-Fahrzeuge bieten hingegen die Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) mit „Emil“ (Elektromobility in Lautern) an. Zu den acht Autos im Stadtgebiet kommen am 23. September zwei beim Betriebshof in der Karcherstraße hinzu, die jedoch nur von 18 bis 6 Uhr und am Wochenende zur Verfügung stehen. „Dies sind Poolfahrzeuge für unsere Mitarbeiter, die außerhalb der Arbeitszeiten von der Allgemeinheit genutzt werden können“, erklärt SWK-Sprecherin Dorothea Schröder.
Die Kosten fürs Carsharing setzen sich aus Zeit und gefahrenen Kilometern zusammen, Tank- und jegliche Haltungskosten entfallen. Bei Stadtmobil kommt eine Registrierungs- und Monatsgebühr hinzu, dafür sind die Nutzungskosten im Vergleich zu Emil geringer. Es gibt verschiedene Tarife, zum Beispiel günstigere für VRN-Karten-Inhaber, und den größeren Fuhrpark auch über Kaiserslautern hinaus.
Die Stadtmobil-Flotte in Kaiserslautern ist seit drei Jahren konstant, sollte der Bedarf steigen, „wird die Anzahl der Autos angepasst“, versichert Netter. Stellplätze anzubieten ist für die Stadt „seit 2020 einfacher geworden“, betont Ruhland, „denn wir dürfen nun im öffentlichen Raum Stellflächen ausweisen, nicht nur auf kommunalem Grund“. Und da mehr Carsharing weniger Platzverbrauch durch Privat-Pkw bedeute, „haben wir als Stadt ein Interesse an Carsharing-Ausbau“.
Firma in Kaiserslautern bietet Plattform für eigenes Carsharing-Netz an
Doch auch für Nachbarschaften oder Unternehmen bietet sich Carsharing an. Solche Nutzung zu erleichtern, hat sich die 2011 gegründete niederländische Firma WeGo, die seit 2020 in Kaiserslautern ein Tochterunternehmen hat, zur Aufgabe gemacht. Sie bietet das technische Know-how mit einer Plattform an, mit der ihre Kunden die Fahrzeuge verwalten und die Nutzer sie per App buchen, öffnen und schließen können. WeGo – mit 20 Mitarbeitern in Amsterdam und drei in Kaiserslautern – hat neben vielen Kunden in den Niederlanden auch in Deutschland Großkunden wie BMW oder Axa, im Lauterer Raum jedoch noch keine. „Wir haben hier noch nicht so aktiv Werbung gemacht“, sagt der hiesige Geschäftsführer Willem Schonewille, ein lange in Weilerbach lebender Niederländer. Auf dem Pfaff-Areal ein Quartiers-Carsharing aufzubauen, wäre ein perfektes Projekt für WeGo, bestätigt er. Ein Nachbarschafts- sowie auch Firmennetz könne schon „mit drei Fahrzeugen betrieben werden, oder mit ein paar hundert“, passe WeGo das Angebot an die Bedürfnisse an. Die Administratoren bekommen von WeGo direkten Support, die Nutzer über eine rund um die Uhr geschaltete Hotline durch eine beauftragte Firma aus Rostock.
Info
Im Rahmen der Mobilitätswoche wird zum Parking Day am Freitag, 20. September, der Parkplatz-Bereich Richard-Wagner-Straße/Rosenstraße von 14 bis 22 Uhr belebt, unter anderem mit Infoständen, Radreparatur-Werkstatt, Umsonstflohmarkt, Live-Musik. Stadtmobil und WeGo informieren vor Ort über ihr Carsharing-Angebot.