Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Carsharing-Anbieter in Kaiserslautern im Vergleich

Am Hauptbahnhof stehen Stadtmobile und Emil nebeneinander.
Am Hauptbahnhof stehen Stadtmobile und Emil nebeneinander.

Umweltbewusst mobil sein, aber unabhängig vom ÖPNV und sogar noch Geld sparen? Dazu muss man nicht zum passionierten Radler werden: Carsharing ist eine der Alternativen zum privaten Auto, die sich auch in Kaiserslautern immer mehr durchsetzt. Eine Bestandsaufnahme mit Vergleich der Anbieter.

Die Inspektion war teuer, das Autos muss in die Werkstatt, eine Fahrt in die Waschanlage ist überfällig, die laufenden Kosten für Versicherung, Kfz-Steuer und Pannendienst gehen ins Geld, in der Stadt ist die Parkplatzsuche zeitraubend, mit meinem Kleinwagen kriege ich keinen Schrank transportiert. All dies sind Argumente fürs Carsharing. Wer auf dem Land lebt, kann auf ein eigenes Auto oft nicht verzichten, doch in der Stadt ist Carsharing eine überlegenswerte Alternative. „Je weiter die Einwohnerzahl unter 100.000 Einwohner sinkt, desto zäher wird es“, gibt Miriam Caroli, Sprecherin von Stadtmobil Rhein-Neckar, eine Einordnung. In Kaiserslautern ist der Anbieter bereits „seit rund 20 Jahren“ aktiv.

Als Richtschnur für den Autofahrer gilt grob: Bis rund 12.000 Kilometer Fahrleistung im Jahr ist Carsharing wirtschaftlicher als ein eigenes Auto. „Weil die Autos aber immer teurer werden, gibt der Bundesverband Carsharing inzwischen die Grenze schon mit 15.000 bis 17.000 Kilometer an“, schiebt Caroli hinterher. Ein entscheidender Faktor ist der Weg zur Arbeit: Ist dafür ein Auto unabdingbar, ist Carsharing meist nicht mehr rentabel, „weil das Fahrzeug dann zu lange täglich steht.“

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Stadtmobil Rhein-Neckar ist der Platzhirsch unter den Carsharing-Anbietern in Kaiserslautern. Mit 22 Fahrzeugen an neun Stationen hat der Anbieter mit Sitz in Mannheim nicht nur die größte Flotte hier, sondern ist auch am längsten auf dem Markt. „1992 wurde das Projekt von Ehrenamtlichen gestartet, als Verein Ökostadt Rhein-Neckar in Heidelberg“, blickt Caroli zurück. Der Umweltgedanke war Vater der Idee und steht noch heute im Mittelpunkt. Stadtmobil wurde recht schnell erst zur GmbH, dann sogar zur AG, „doch die Sperrminorität hat immer noch Ökostadt“, betont Caroli.

In 37 Städten der Region hält Stadtmobil Rhein-Neckar an rund 270 Stationen rund 800 Fahrzeuge vor, „von Kaiserslautern bis Mosbach, von Worms bis St. Leon-Rot.“ Es gehört zum bundesweiten Verbund Stadtmobil, der über mehr als 4000 Fahrzeuge verfügt. „Und durch Quernutzung weiterer Anbieter können unsere Kunden zum gebuchten Tarif auf über 10.000 Autos in ganz Deutschland zugreifen“, wirbt Caroli.

Wie der gesamte Carsharing-Markt wachse auch Stadtmobil Rhein-Neckar: „Wir erweitern uns um jährlich rund fünf bis zehn Prozent“, sagt Caroli. Und dennoch: „Carsharing ist immer noch eine winzig kleine Nische: 34.000 Carsharing-Autos bundesweit stehen 49 Milliarden Privat-Pkw gegenüber! Das sind 0,08 Prozent“, macht sie die Dimension deutlich. „Wir haben in Deutschland mehr Vordersitze als Einwohner.“

Auf der Suche nach Flächen

Im Vergleich zum Rhein-Neckar-Delta hat Stadtmobil in Kaiserslautern zwar eine deutlich geringere Dichte, doch „wir wollen erweitern, zum Beispiel in der westlichen Innenstadt und dem Pfaff-Areal“. Die Nachfrage sei hier wie anderswo vorhanden, bremsend wirken meist mangelnde Stellplätze. „Vor fünf, sechs Jahren hätten wir in Kaiserslautern erweitern können, doch die Gespräche mit der Stadt liefen etwas schleppend. Da haben wir einen Aufschwung verpasst“, meint Caroli. Seit rund drei Jahren laufe die Kooperation aber sehr gut. Stadtmobil suche ständig Grundstücke, und zwar „bei Kommunen, Unis, Wohnungsbaugesellschaften, privaten Grundstücksbesitzern ...“, zählt Caroli einige auf.

Die Kosten beim Carsharing setzen sich in der Regel aus genutzter Zeit und gefahrenen Kilometern zusammen; oft kommen einmalige Registrierungs- und Monatsgrundgebühr dazu. Spritkosten sind inklusive; die Kunden tanken mit einer Tankkarte des Anbieters, sobald der Füllstand ein Viertel erreicht. Die Autos werden mit einer Karte oder dem Smartphone geöffnet, mit der App ist auch die Buchung erledigt. Stadtmobil als großer Anbieter hat verschiedene Tarifmodelle: Je mehr Kilometer der Kunde fährt, desto geringer sind die Kosten für tatsächliche Nutzung, Wenigfahrer sparen bei Registrierung- und Monatsgebühr. VRN-Ticket-Inhaber kommen noch mal günstiger weg. Die Anmeldung erfolgt in Kaiserslautern in der VRN-Zentrale an der Fruchthalle oder am Bahnhof.

Das Ziel von Stadtmobil ist, das Privatauto zu ersetzen und nicht nur als gelegentlicher Zusatz für Stadtfahrten zu dienen, deswegen sinken bei längerer Nutzung die Kosten. „Selbst für Urlaubsbuchungen von zwei, drei Wochen sind wir inzwischen günstiger als Autovermietungen“, betont Caroli. Die Autos dürfen auch im Ausland genutzt werden, ein telefonischer 24-Stunden-Servicedienst rundet das Paket ab. Vom Kleinwagen bis Transporter ist für jede Gelegenheit etwas dabei. Im Angebot sind Verbrenner, Hybrid-Autos sowie E-Mobile.

Rein auf Elektromobilität setzen die Stadtwerke Kaiserslautern mit „Emil“, was für „Elektromobility in Lautern“ steht. 2019 ging Emil an den Start und ist inzwischen auf neun Autos an neun Standorten im Stadtgebiet gewachsen, plus eines in Waldfischbach-Burgalben. „Zwei weitere sind für die Karcherstraße in Planung“, informiert SWK-Sprecherin Dorothea Schröder. Eine Anmelde- und Monatsgebühr gibt es nicht.

Emil rechnet minutengenau ab

Emil ist eher auf kurze und spontane Fahrten ausgerichtet, deswegen wurde die Tarifstruktur im September 2023 geändert: „Es gibt keine Stunden-, Tages- oder Wochenendtarife mehr, sondern es werden nur noch die gefahrenen Kilometer minutengenau abgerechnet. Die ersten drei Minuten sind kostenlos.“ Bei Stadtmobil wird im 30-Minuten-Takt gerechnet; bei spontaner Buchung wird die angefangene halbe Stunde bezahlt, bei früherer Rückgabe die Hälfte der gebuchten Zeit.

Im Classic-Tarif kostet bei Stadtmobil ein Kleinwagen 2,35 Euro pro Stunde, der Kilometer 25 Cent. Bei Emil kostet die Stunde umgerechnet 2,40 Euro, der Kilometer 32 Cent. Für Kunden mit SWK-Card wird es deutlich günstiger: 1,20 pro Stunde und 29 Cent pro Kilometer. Eine Besonderheit bietet Stadtmobil für Pendler: Von 0 bis 7 Uhr greift ein sehr günstiger Nachttarif.

Der dritte Carsharing-Anbieter in Kaiserslautern ist Flinkster von der Deutschen Bahn. Mit nur zwei Fahrzeugen am Hauptbahnhof hat er jedoch eine deutlich eingeschränktere Zielgruppe. Die Registrierungsgebühr beträgt nur neun Euro, mit Bahncard entfällt sie ganz, eine Grundgebühr gibt es wie bei Emil nicht. Dafür liegt der Nutzungspreis mit 5,50 pro Stunde für den Kleinwagen und 33 Cent pro Kilometer höher als bei den Konkurrenten.

Flinkster verfügt über 2300 Autos in mehr als 250 deutschen Städten und ist laut DB-Sprecherin „damit das größte stationsbasierte Carsharing-Netzwerk Deutschlands“. Stadtmobil erlaubt laut Caroli im Verbund den Zugriff auf rund 10.000 Autos in über 300 Städten. Die Anzahl der Flinkster-Autos ist bundesweit im Vergleich zu 2022 gesunken, „aus unterschiedlichen Gründen“, das Angebot soll aber wieder ausgeweitet werden.

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