RHEINPFALZ-REPORT: Wir sind Familie
Was tun, wenn ich meinem Kind in der Schule nicht mehr helfen kann?
Ab welchem Alter sollte ich damit beginnen, mein Kind auf die Schule vorzubereiten?
Hier gibt es keinen festgelegten „Startpunkt“, ab dem ein Kind auf die Schule vorbereitet werden sollte. Kinder lernen von Anfang an. Sie wachsen in ihren Familien und im Kindergarten heran. Hier erlenen sie Fähigkeiten, die für einen erfolgreichen Schulstart bedeutsam sind.
Wie kann eine gute Vorbereitung auf die Schule aussehen?
Ein respektvoller Umgang untereinander, wertschätzende Kommunikation von Anfang an, zuhören und ausreden lassen, Regeln einhalten und Grenzen setzen und die Grenzen Anderer anzuerkennen sind Fertigkeiten, die in der Kernfamilie erlernt und eingeübt werden können. In der Gemeinschaft und somit auch in der Schule sind diese für ein gelingendes Miteinander notwendig. Eltern dienen ihren Kindern hier quasi als Modelle, deren Verhalten den Kindern ein Vorbild ist.
Woran merke ich, dass mein Kind im Unterricht überfordert ist?
Eindeutige Symptome, die darauf hindeuten, dass ein Kind in der Schule überfordert ist, gibt es nicht. Hier ist es wichtig, genau hinzuschauen. Welches Verhalten zeigt das Kind im Unterricht, was berichtet das Kind aus der Schule, welche Beobachtungen machen Sie, wenn das Kind seine Hausaufgaben anfertigt? Ein Gespräch mit der Lehrkraft kann hier Klarheit schaffen.
Mein Kind soll möglichst das Gymnasium besuchen, ist allerdings trotz meiner Hilfe eher schlecht in der Schule. Was nun?
Ob der Besuch eines Gymnasiums für ein Kind der richtige Weg ist, hängt von vielen Faktoren ab. Suchen Sie auch hier den Kontakt zur Lehrkraft. Diese kennt Ihr Kind und sein Agieren im schulischen Kontext sehr gut. In Rheinland-Pfalz führen viele Wege zu einem qualifizierten Schulabschluss, die gewählte Schulform muss auch hier zu dem Kind und seinen Fähigkeiten passen.
Wann merke ich, dass ich zu viel unterstütze und mich zu sehr einmische?
Häufig am Protest Ihres Kindes. Vertrauen Sie Ihrem Kind und der Schule und signalisieren Sie Ihre Bereitschaft zu unterstützen, wenn Ihre Hilfe gebraucht wird.
Ich habe den Eindruck, dass der Lehrer sich nicht genügend um mein Kind kümmert. Was wäre eine gute Herangehensweise?
Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrkraft und gehen Sie mit einer wertschätzenden und offenen Haltung in den Dialog mit ihr. Beschreiben Sie möglichst konkret, was genau dazu geführt hat, dass Sie diesen Eindruck gewonnen haben, und verzichten Sie auf Generalisierungen wie „immer“ oder „nie“. Geben Sie der Lehrkraft die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu schildern, und gleichen Sie Ihre Perspektiven gegeneinander ab. So schaffen Sie die Möglichkeit eines gegenseitigen Verständnisses, dem ersten Schritt zu einer gemeinsamen Lösung.
Ich will meinem Kind die bestmögliche schulische Ausbildung ermöglichen, komme aber selbst an meine Grenzen, kann bei Hausaufgaben nicht helfen. Was soll ich tun?
Hausaufgaben sind in erster Line eine Angelegenheit zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern. Hier soll der Unterrichtsstoff vertieft und Routine beim Bearbeiten von Aufgabenformaten erlangt werden. Eltern sollten beim Bearbeiten von Hausaufgaben nur bedingt Hilfestellung leisten müssen. Wesentlich wichtiger ist eine emotionale Beteiligung der Eltern am Schulleben ihrer Kinder. Und wenn Sie selbst bei den Hausaufgaben nicht helfen können, lassen Sie sich die Hausaufgaben von Ihren Kindern erklären, das stärkt deren Selbstbewusstsein und Sie haben die Möglichkeit, eigenes Interesse an den Belangen Ihrer Kinder zu zeigen.
Ich möchte gerne, dass mein Kind ein Musikinstrument lernt. Ab welchem Alter sollte ich da anfangen – und wie?
Aus schulpsychologischer Sicht ist die individuelle Förderung von Begabung jederzeit zu begrüßen. Dabei ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass diese Förderung kindgerecht und altersentsprechend ausfällt. Da ist die Musikschule vor Ort der geeignete Ansprechpartner für diese Fragestellung.
Blockflöte, Ballett und Leichtathletik. Wie merke ich, ob meinem Kind die ausgewählten Hobbys zu viel sind?
Die beste Quelle, um festzustellen, ob Ihrem Kind die Hobbys zu viel sind, ist Ihr Kind selbst. Nimmt es die ausgewählten Hobbys mit Begeisterung wahr? Insistiert Ihr Kind, dass Sie seine Teilnahme an den Hobbys ermöglichen, und freut es sich auf die Termine? Oder stellen Sie fest, dass Sie Ihr Kind vor jeder Einheit neu motivieren, ihm eine Belohnung für die Teilnahme in Aussicht stellen und es bei anderen Aktivitäten, in die es vertieft ist, unterbrechen müssen, damit es seinem Hobby nachgehen kann? Dann ist es sicherlich an der Zeit auch mit Ihrem Kind darüber zu reden, wie zukünftig mit den unterschiedlichen Aktivitäten umgegangen werden sollte.
Mit welchen Anliegen melden sich Eltern beim Schulpsychologischen Dienst?
Eltern können sich mit allen Fragen rund um den Schulbesuch ihrer Kinder an den Schulpsychologischen Dienst wenden. Anlass dafür, Kontakt aufzunehmen, ist häufig, dass Schwierigkeiten in Zusammenhang mit dem Schulbesuch auftreten, beispielsweise, wenn Eltern feststellen, dass es ihren Kindern in der Schule nicht gut geht, dass die Kinder unter- oder überfordert sind, dass der Schulbesuch verweigert wird oder wenn es Probleme im sozialen Miteinander gibt. Darüber hinaus kooperieren wir auch mit allen anderen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe und versuchen für die Anliegen der Familien die passenden Ansprechpartner zu finden.
Was sind die häufigsten Themen?
Häufige Anliegen sind das Verhalten oder die Leistung von Schülerinnen und Schülern im Unterricht, Beratungen zur Schullaufbahn eines Kindes oder ob ein freiwilliger Rücktritt in die vorausgehende oder das Überspringen einer Klassenstufe sinnvoll erscheint. Aber auch Konflikte, Mobbing oder Krisen in Schulen sind Themen, zu denen der Schulpsychologische Dienst Beratung anbietet.
Verweisen auch Lehrer Eltern und Kinder an den Schulpsychologischen Dienst?
Ja, häufig entsteht ein Kontakt zu den schulpsychologischen Beratungszentren über Lehrkräfte, die Eltern auf die Angebote des Schulpsychologischen Dienstes hinweisen. Die Eltern entscheiden dann, ob sie eine Beratung in Anspruch nehmen wollen. Der Schulpsychologische Dienst lege Wert darauf, dass die Beratung für alle Beteiligten freiwillig, kostenfrei und vertraulich ist. Schulpsychologische Arbeit hat das Ziel, alle Beteiligten zu stärken und den Lösungsprozess zu begleiten.
Für welchen Bereich ist der Schulpsychologische Dienst Kaiserslautern zuständig?
Das schulpsychologische Beratungszentrum Kaiserslautern ist eines von insgesamt 14 schulpsychologischen Beratungszentren in Rheinland-Pfalz. Zuständig ist das schulpsychologische Beratungszentrum Kaiserslautern für alle Schulen der Stadt und des Landreises Kaiserslautern mit Ausnahme der Schulen in Landstuhl. Diese fallen in den Zuständigkeitsbereich des schulpsychologischen Beratungszentrums Pirmasens
Welches Altersspektrum wird beraten?
Das Angebot steht allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die Schulen in Rheinland-Pfalz besuchen, offen – eine Altersspanne von Vorschulkindern bis ins Erwachsenenalter, da auch beispielsweise Meisterschulen oder die Kolleg-Schulen, an denen junge Erwachsene mit Berufserfahrung den zweiten Bildungsweg beschreiten, zum Aufgabengebiet des Schulpsychologischen Dienstes gehören.
Die Antworten hat Stefanie Maas, Schulpsychologin des Pädagogischen Landesinstituts am Standort Kaiserslautern gegeben.
