Kaiserslautern
Warum es keine gute Idee ist, wenn „die KI“ die Hausaufgaben macht
„Unsere Schülerinnen und Schüler werden in einer Welt leben, in der KI selbstverständlich sein wird. Die Frage ist nicht, ob sie KI nutzen werden, sondern wie klug sie sie nutzen. Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt? Welche Berufe verändern sich? Welche Ausbildung macht noch Sinn und welche Fähigkeiten bleiben wichtig?“, umriss Stefan Weber, Direktor des Gymnasiums am Rittersberg, einige Fragen, die derzeit wohl viele Schülerinnen und Schüler bewegen. Antworten gab darauf vergangene Woche Katharina Zweig. Die Informatik-Professorin der RPTU ist Expertin für Künstliche Intelligenz, war unter anderem Mitglied der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestages und hat mehrere Bücher zum Thema KI geschrieben. In unterhaltsamen 90 Minuten samt Fragerunde, die von Ben Clemenz, Sarah Tinti und Matilda Käfer (alle zwölfte Jahrgangsstufe) moderiert wurde, erläuterte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ihren Zuhörern, was eigentlich gemeint ist, wenn von KI die Rede ist. Und sie ging der Frage nach, die das Cover ihres jüngsten Buches schmückt: „Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“
KI als Aufgabengenerator, nicht für Hausaufgaben
Denn genau das müsse man sich vergegenwärtigen, wenn man mit sogenannten Large Language Models arbeitet, also beispielsweise mit ChatGPT oder Gemini, die heute meist gemeint sind, wenn von „der KI“ gesprochen wird. Solche KI-Anwendungen träumen sich „Sachen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten zusammen“, sagte Zweig: „Es sind Traummaschinen, und wir lenken ihre Träume durch unsere Prompts.“ Also durch die Fragen und Aufgaben, die die Nutzer formulieren. Daraus folge, dass solche KI-Anwendungen nur dort eingesetzt werden sollten, wo man das Ergebnis überprüfen könne.
Also die KI mal schnell die Hausaufgaben erledigen lassen? Das sei keine gute Idee, befand die Expertin. Zweig umriss allerdings, wo ein KI-Einsatz im schulischen Umfeld sinnvoll sein kann. Für Schüler beispielsweise als Aufgabengenerator, um sich auf Klassenarbeiten oder das Abitur vorzubereiten. Lehrer könnten KI einsetzen, um neue Übungsblätter zu erstellen, mehr Aktualität einfließen zu lassen, nicht aber um Klausuren zu korrigieren.
Die Technologie werde nicht mehr verschwinden, unterstrich Zweig, aber als Schülerin und Schüler könne man sich einige Fähigkeiten aneignen, die einem helfen, besser mit KI arbeiten zu können. Dazu gehöre kritisches Denken: Man müsse erkennen, „wenn die KI Mist baut“. Und das gelinge nur, wenn man sich schnell ein stabiles Wissensnetzwerk aneigne, sich also nicht von ChatGPT die Hausaufgaben machen lässt, sondern sich selbst Wissen aneignet, um falsche Antworten der KI-Anwendungen zu erkennen.
Bei komplexen Sachverhalten braucht es den Mensch
Vor diesem Hintergrund versuchte Zweig, den künftigen Berufseinsteigern auch die Angst vor der Zukunft zu nehmen. „Es wird viel davon erzählt, dass Menschen nicht mehr gebraucht werden, Maschinen alles übernehmen. Ich sehe das nicht so“, sagte Zweig. „Maschinen können heute weder nachdenken noch analysieren noch moralische Fragen bewerten“, sagte Zweig. KI könne Standardaufgaben erledigen. Bei komplexen Sachverhalten, dort, wo es um Werturteile gehe, brauche es weiterhin Menschen. Das zeigten auch Erfahrungen aus der Wirtschaft. Das Telekommunikationsunternehmen O2 habe im Callcenter beispielsweise ein Expertensystem genutzt, mit dem 50 Prozent aller Anrufe ohne menschliche Interaktion zufriedenstellend erledigt werden konnten, so Zweig. Jetzt nutze O2 ein Sprachmodell, mit dem sogar 85 Prozent aller Anrufe automatisch und zufriedenstellend erledigt werden können. Diese Neuerung habe bei den Menschen, die dort arbeiten, aber nur eine weitere Zeitersparnis von fünf Prozent gebracht, „weil die Ausnahmen so wahnsinnig viel Zeit brauchen“. Und genau diese Aufgaben werden auch weiterhin von Menschen erledigt.
Sie glaube daher, es werde für alle genug Jobs geben. „Aber eure Jobs werden anders aussehen als unsere. Das ist nicht schlimm“, so Zweig. Sie rechne allerdings damit, dass es zu einer weiteren Arbeitsverdichtung kommen werde. Deshalb, gab sie den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg, müsse man dafür kämpfen, dass die Jobs menschenwürdig bleiben, indem man sich in Parteien engagiere, die sich für Arbeiter einsetzen, sich in Gewerkschaften einbringe und bei Betriebsräten.