Kaiserslautern
Waldbaden im Japanischen Garten: Mit allen Sinnen entspannen
Vor ein paar Jahren ist der Trend aus Japan auch bei uns angekommen: Waldbaden – auf Japanisch Shinrin Yoku. Für Regina Reiser lag es deshalb nach ihrem Abschluss zur zertifizierten Trainerin auf der Hand, den Japanischen Garten Kaiserslautern als Kursort auszuwählen. „Der Japanische Garten mit seinem alten Baumbestand eignet sich sehr gut zum Waldbaden“, betont sie.
Was zunächst esoterisch angehaucht klingt, ist als Gesundheitskonzept zum Stressabbau gut erforscht. „Es geht darum, aus dem Alltag herauszukommen“, erklärt die Trainerin, „den Kopf aus- und die Sinne anzuschalten.“ Dabei helfen leichte Körper-, Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen. Wenn sich die Gruppe im Garten am großen Tor trifft, steht schon der Termin unter einem Motto – etwa „Im Blütenmeer“, „Gewässerrauschen“ oder „Die Sonne genießen“. Zu Beginn trägt Reiser gern ein Gedicht vor, mit dem sie die Gruppe auf die Jahreszeit einstimmt. Atemübungen helfen im Anschluss, vom täglichen Trubel herunterzufahren.
Taschenspiegel und Lupe für Teilnehmer
Anschließend geht es entweder hoch zum Zengarten oder unten am Teich entlang, im Schlendergang. Dabei leitet Reiser Wahrnehmungsübungen an. Was wächst da am Wegesrand? Wie ist das Panorama? Wie sieht das Wasser aus, wenn es fließt? Welche Struktur haben die Blätter am Strauch – und wie werden die Räume dazwischen empfunden? Reiser gibt den Teilnehmern dabei gerne auch einen Taschenspiegel oder eine Lupe in die Hand. „Das hat eine ganz andere Wirkung auf unsere Wahrnehmung“, sagt Reiser.
Akustische Reize gehören ebenso ins Programm. Welche Klänge sind in der Nähe zu hören, welche in der Ferne? Wie klingt die Stille dazwischen? Bei einer Partnerführung schließt einer der beiden die Augen, der andere lässt ihn etwas Baumrinde ertasten oder legt ihm einen Stein oder ein Stück Moos in die Hände, um den anderen den Gegenstand fühlen zu lassen. Erst wenn die Übung zu Ende ist, darf man wieder die Augen öffnen und sehen, was man zuvor in den Fingern hatte.
Gehmeditation und ein Mandala aus Naturmaterialien
Eine Gehmeditation an ausgewiesenen Plätzen ist ebenfalls Teil der zweistündigen Veranstaltung. Dabei heißt es, den Fuß bewusst abzurollen und aufzusetzen, zu spüren, wie wirkt das auf uns. Gerne baut Reiser auch in den Ablauf ein, ein Mandala aus Naturmaterialien zu legen. „Dabei gehen wir zusammen durch den ganzen Garten.“ Reiser legt Wert darauf, dass dabei nichts gepflückt oder abgerissen wird: „Wir nehmen nur das, was die Natur uns gibt.“
Nachgewiesen sei, dass Waldbaden sehr viele positive Effekte auf unsere Gesundheit habe, so Reiser. Das gesamte Stoffwechselsystem werde positiv beeinflusst, der Puls reduziere sich, der Blutdruck sinke. Die Verdauung komme schneller in Gang, das Nervensystem beruhige sich, sodass man beispielsweise besser schlafen könne. In entspanntem Zustand sei das Immunsystem in der Lage, mehr Killerzellen zu produzieren – Krankheitserreger würden folglich besser abgewehrt. Waldbaden sei mit Senioren ebenso möglich wie mit Kindern als auch mit dementen Menschen. Und das nicht nur im Wald, sondern auch in Parks oder auf schönen Freiflächen, etwa bei Seniorenheimen.
Waldbaden ist in Japan ein eigener Gesundheitszweig
Wobei im Wald noch eine Wirkung obendrauf komme, wie Reiser ergänzt: „Bäume senden Aromastoffe aus – die Terpene. Es ist nachgewiesen, dass ein Tag im Wald das Immunsystem so anregt, dass noch nach einer Woche ein erhöhter Gehalt an Killerzellen nachgewiesen werden kann.“ Von den Teilnehmern höre sie nur Positives, sagt Reiser: „Die sind total entspannt, genießen das total.“ In Japan werde Waldbaden schon seit Jahrzehnten betrieben, es gibt dort sogar einen entsprechenden Gesundheitszweig. Dass auch in Deutschland der Trend weiter Fuß fasse, zeige etwa der Heilwald mit altem Baumbestand auf Usedom.
Ihre Ausbildung hat Reiser bei der deutschen Akademie für Waldbaden und Gesundheit 2019 abgeschlossen. Schon vorher hatte sie sich bei der Akademie für gesundes Leben in Oberursel zur ganzheitlichen Gesundheitsberaterin ausbilden lassen. Der Weg zu ihrem Zertifikat mit mehreren Wochenendkursen sei durchaus intensiv gewesen. „Sie hat mich zurück zu meinen Wurzeln geführt. Ich habe die Natur neu für mich entdeckt – es passt zu mir.“
Termine fürs kommende Jahr stehen bereits
Während der Corona-Pandemie war es ihr aber erst einmal nicht möglich, Kurse anzubieten. 2022 stieß dann aber ihre Anfrage beim Japanischen Garten auf offene Ohren. Bei einem Probe-Waldbaden waren die Vorstandsmitglieder von Reisers Angebot überzeugt. Gab es anfangs nur Einzeltermine, findet seit 2023 Waldbaden von April bis Oktober regelmäßig an jedem dritten Mittwoch statt. Später im Jahr werde es zu kalt, erklärt Reiser, denn man bewege sich doch sehr langsam.
Für das kommende Jahr steht ihre Planung bereits: Ab April finden die Treffen an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr statt. Bis zu 14 Teilnehmer nimmt Reiser mit zum Waldbaden. Eine Anmeldung ist möglich über die Internetseite des Japanischen Gartens, aber auch eine spontane Teilnahme ist möglich, sofern noch Plätze frei sind. Im Preis von 18,50 Euro (ermäßigt 17,50 Euro, Mitglieder zwölf Euro) ist der Eintritt in den Japanischen Garten enthalten.
Die Serie
Mehr Sport, gesünderes Essen, ein paar Kilo abnehmen – die guten Vorsätze fürs neue Jahr sind nur allzu schnell wieder vergessen. In unserer Serie „Fit und gesund durchs Jahr“ geben Experten Tipps, wie man sich fit hält, beweglich und gesund bleibt und so manche alte Gewohnheit ändert – nicht nur zum Jahresanfang, sondern über das Jahr.