Kaiserslautern
Viel Unterstützung und düstere Aussichten: Was wird aus der Kaiserslauterer Gartenschau?
Auf Einladung der CDU haben Experten und ein rund 30-köpfiges Publikum am Mittwoch im Rahmen der „Bremerhöfer Gespräche“ über die Zukunft der Gartenschau diskutiert. Dabei mangelte es im Beisein des emeritierten Professor Hans Stephan Wüst – ein Mitbegründer der Gartenschau –, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Lebenshilfe Westpfalz, Kerstin Kührt, sowie des Lebenshilfe-Ehrenpräsidenten Walfried Weber nicht an gut gemeinten Ratschlägen aus dem Plenum. Doch weder sie noch nostalgische Rückblicke konnten die Hoffnung auf einen Fortbestand der auf dem ehemaligen industriellen Areal der Kammgarn-Spinnerei und des Schlachthofs gelegenen grünen Oase wirklich nähren. Diese ging aus der ersten rheinland-pfälzischen Landesgartenschau im Jahr 2000 hervor.
Städtebaulich sei das Gelände zentraler Bestandteil der „grünen Schiene Lautertal“, sagte Ursula Düll, Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Kaiserslautern Stadt und Moderatorin der Veranstaltung, im Landgasthof Bremerhof. Das 1992 ins Leben gerufene Entwicklungsprojekt verbinde die Stadt über ein grünes Band mit dem Landkreis. Außerdem handele es sich um ein zentrales Wahrzeichen der Stadt, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor und ein Vorzeigeprojekt für Inklusion, betonte Düll.
Kührt: „Wir müssen die Reißleine ziehen“
Wüst warf zunächst einen nostalgischen Blick auf die Gründungsphase der Gartenschau in den 1990er Jahren. Es sei ein von der Volksbank gefördertes Erfolgsprojekt von Universität, Stadt und Landkreis gewesen. Bezogen auf die Gegenwart zeichnete Kührt ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Situation: Es tue weh, dass nach so langer Zeit, in der die Gartenschau von der Lebenshilfe geführt wird, der Gedanke an eine Insolvenzverschleppung aufkomme. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen die Reißleine ziehen“, sagte Kührt. Betrieben wird die Gartenschau von der Gemeinnützigen Integrationsgesellschaft Kaiserslautern mbH (iKL), Gesellschafter sind die Lebenshilfe Westpfalz und die Stadt Kaiserslautern. Sie zitierte im Verlauf ihres mit Zahlen gespickten Vortrags die Empfehlung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Dort heißt es: „Das wirtschaftliche Konzept der Gartenschau hat sich nicht bewährt. Der Betriebsteil Gartenschau hat zunehmend Verluste erwirtschaftet, die durch Überschüsse der anderen Betriebsteile gedeckt werden mussten. Diese Entwicklung wird sich weiter verschärfen und wird die Fortführung der Gesellschaft als Ganzes gefährden und damit die erfolgreich geführten übrigen Betriebsteile. Ohne stützende Maßnahmen für den Betriebsteil Gartenschau ist es betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, diesen Betriebsteil weiterzuführen.“
Wüst: „Unterstützung der Gartenschau ist eine Pflichtaufgabe“
Im Anschluss an Kührts insgesamt deprimierenden Ausführungen geriet Wüsts bilanzierendes Schlusswort zu einem Plädoyer für die Gartenschau. Sie sei ein Leuchtturmprojekt, denn ohne ihre Erfolge gäbe es keine weitere Landesgartenschau in Rheinland-Pfalz. Er selbst sei oft auf dem Gelände, so Wüst, der auch auf die Autokennzeichen der Besucher verwies. Daran zeige sich, wie viele Gäste es von weither durch diese Attraktion nach Kaiserslautern ziehe. Es sei somit ein Garten- und ein Menschenprojekt. Unter Beifall des Publikums lobte Wüst die Rolle der Lebenshilfe als Partner – auch in Bezug auf ihren Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigungen. Und an die Politik gewandt, rief er aus: „Die Unterstützung der Gartenschau ist eine Pflichtaufgabe und keine freiwillige Leistung!“ Ferner berichtete Wüst von seinen Gesprächen mit dem noch amtierenden Ministerpräsidenten Schweitzer und dessen designierten Nachfolger Schnieder in Mainz. Unterstützungszusagen habe es bislang aber noch nicht gegeben, Gordon Schnieder habe diesbezüglich auf die noch nicht abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen verwiesen.
Eine Anekdote steuerte abschließend Lebenshilfe-Ehrenpräsident Weber bei: Landeschef Schweitzer habe bei einem Besuch auf der Gartenschau einen auf dem Gelände tätigen Mitarbeiter gefragt, wer er denn sei und was er hier tue. Dessen Antwort sei gewesen: „Ich bin Andy, der schönste Gärtner – und was machst du so?“