Kaiserslautern
TU Kaiserslautern: Bei Impfaktion werden die Höchstmengen bislang nicht abgerufen
Der Ansturm am Donnerstagvormittag war nicht gerade riesig. Warteschlangen gab es in der Sporthalle kaum. Vielleicht lag es am regnerischen Wetter. Am Mittwoch – Tag 1 – wurden 465 Freiwillige geimpft. Also 160 weniger, als möglich, denn eigentlich können täglich 625 Personen geimpft werden. „Für heute hatten wir 260 Anmeldungen“, zählte Birgit Munz, Leiterin der Abteilung Z für „Zentrale Angelegenheiten“ der TU. „Wir hatten natürlich mehr erwartet“, gesteht sie.
„Insgesamt haben wir bisher knapp 1400 Anmeldungen“, sagt Universitätskanzler Stefan Lorenz. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr Leute melden würden. Denn es bringt ja nichts, so eine Aktion so kurzfristig aus dem Boden zu stampfen und dann kommt niemand.“ Erst vergangene Woche kündigte die Landesregierung die umfassende Impfkampagne an und stellte 5000 Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty für die Kaiserslauterer Universität zur Verfügung. Organisiert wird die Aktion vom Deutschen Roten Kreuz (DRK).
Uni-Kanzler hofft auf möglichst viele Impflinge
Für viele bleibt der Name des Impfstoffs ein ausschlaggebender Faktor, weiß DRK-Krankenschwester und freiwillige Helferin während der TU-Impf-Woche, Renate Stöber: „Viele sagen: ,Ich lasse mich nur von diesem Impfstoff impfen!' Es ist nun mal viel schlecht geredet worden über die anderen Impfstoffe und das ist bedauerlich.“ Deshalb bemüht sie sich um eine sachliche Aufklärung vor Ort über Impfstoffe wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson. Ihr Sohn, Benjamin Stöber, Leiter des mobilen Impfteams „5.1. KL“ des DRK-Landesverbands, hat die Impfaktion an der Uni in wenigen Tagen auf die Beine gestellt. „Selbst wenn wir nur 200 Menschen täglich impfen können, sind es 200, die geschützt sein werden. Und es zählt jeder und jede einzelne.“
Uni-Kanzler Lorenz lobt die Sonderinitiative der Landesregierung als „Beitrag zur Solidarität“ und hofft, dass für die Studierenden dadurch „ein gewisses Maß an Normalität für das kommende Wintersemester“ möglich ist. „Denn die Studierenden hatten bislang starke Einschränkungen in ihrem Studienverlauf hinnehmen müssen.“ So wie der 25-jährige TU-Student Abdelrahman Mohamed aus Ägypten. „Natürlich möchte ich geschützt sein vor dem Virus. Das ist der Hauptgrund, warum ich heute hier bin. Aber ich möchte auch endlich wieder verreisen und meine Familie in Ägypten besuchen können, die ich so lange nicht mehr gesehen habe.“ Und auch Isabell Duttenhöfer ist froh, durch die Impfung den ersten Schritt in die richtige Richtung zu erhalten. Sie ruft alle dazu auf: „Jetzt sollten wir das Ganze wirklich in Angriff nehmen und dieses Angebot nutzen. Denn nur so können wir die Infektionen vielleicht irgendwann stoppen.“
Ärzte warnen vor Delta-Variante und einer vierten Welle
Ob es jedoch wirklich zu einer „Normalität“ kommen kann, bleibt fraglich, angesichts der immer wieder prognostizierten vierten Welle und der Delta-Variante des Coronavirus. Die Impfärzte vor Ort appellieren deshalb an freiwillige Impfkandidaten. „Wir müssten mittlerweile alle so schlau sein, um zu wissen, wie wichtig es ist“, sagt Thomas Saalfrank, Facharzt für Orthopädie und Chirotherapie. „Und es ist verdammt wichtig. Wir müssen bis zum Herbst 84 Prozent der Bevölkerung durchimpfen. Denn die Delta-Variante ist ansteckender und ungefähr drei bis vier Mal intensiver als die Alpha-Variante.“ Klare Worte findet auch Klaus Rodrian, Facharzt für Innere Medizin: „Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch diejenigen, die sich aus verschiedensten Gründen nicht impfen lassen wollen – ohne jetzt eine moralische Diskussion zu starten.“
Sollten die Impfkapazitäten der TU bis zum 14. Juli nicht vollständig ausgeschöpft werden, gehen die übrig gebliebenen Impfdosen an die Landesimpfzentren. „Verfallen wird also nichts“, betont Birgit Munz. Weitaus wünschenswerter sei jedoch, dass mehr junge Menschen den Luxus eines frei zur Verfügung stehenden Impfstoffs vor Ort nutzen.

