Kaiserslautern
Spatenstich der ZAK: Grünen-Ministerin fordert mehr Windkraft in Wäldern
Hier steht sie also, im Regen des Otterberger Staatsforsts, und sagt einen Satz, der aufhorchen lässt. „Die Akzeptanz für Windenergie im Wald“, betont Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen), „ist noch nicht am Ende.“ Noch lange nicht. Man müsse Flächen schaffen, investieren, bauen. All das, um das rheinland-pfälzische Ziel zu erreichen: Klimaneutralität bis 2040. Was die Mainzer Umweltministerin da fordert, auf dem schlammigen Weg im Osten von Kaiserslautern, darüber wird in der Pfalz seit Jahren gestritten. Ja, ganze Protestgruppen haben sich deswegen formiert. Die Politikerin der Grünen wirbt für mehr Windkraftanlagen – auf den Höhenzügen der Wälder. Und derer hat die Pfalz bekanntlich besonders viele. Ihr Biosphärenreservat ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Republik. Natürlich, so Eder, sei der Ausbau an Bedingungen geknüpft. „Verträglich, behutsam und schonend“ müsse er vorangehen. „Ohne viel roden und die Natur angreifen zu müssen“ – das sei ihr Versprechen.
Laut ZAK wird nichts außer „Stangenholz“ abgesägt
„Klimaschutz ist Waldschutz“, mit dieser Botschaft ist die Ministerin an diesem grauen Nachmittag in die Westpfalz gereist. Am Zaun ihres Firmengeländes setzt die Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK) den Spatenstich für ihr viertes Windrad – einen 170 Meter hohen Giganten, der jährlich 12,6 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren soll. So viel, wie 4200 Haushalte verbrauchen.
Ihre Windkraftvisionen äußert Eder nicht mal eben beiläufig, am Rande des Tagesgeschäfts. Die Adressaten sind zwei Landräte und der versammelte ZAK-Verwaltungsrat, sprich: politische Größen in und um Kaiserslautern. Höchste Zeit also, die Frage zu stellen: Wie „verträglich, behutsam und schonend“ ist eigentlich die Errichtung der neuen Anlage im Staatsforst?
Als Chef der ZAK hat Jan Deubig die Aufsicht über das 13-Millionen-Projekt. Windenergie im Wald? „Emotionales Thema“, sagt der Vorstand gleich zu Beginn des RHEINPFALZ-Gesprächs. Durch die Öffentlichkeit geisterten oft Horrorbilder, so Deubig: von einem mit Rotorblättern übersäten Pfälzerwald. Um solche Auswüchse gehe es in der Diskussion aber ja gar nicht. Straßen, Stromleitungen, Infrastruktur – unabhängig vom Bau müsse das alles erst vorhanden sein, sagt er. Wie hier bei der ZAK, mit ihren asphaltierten Zufahrten. „Unten in den Kurven werden bloß zwei Bankette aufgeschüttet“, betont Deubig. Eine Waldrodung, wie so mancher befürchtet, werde dafür keineswegs vollzogen. Genauso wenig für die zwei benötigten Baukräne – sie sollen auf dem erschlossenen ZAK-Areal stehen. Lediglich „Stangenholz“ mache man auf rund 2800 Quadratmetern platt, kündigt der Vorstand an. Eine Fläche, nicht einmal halb so groß wie ein Fußballfeld.
Abstand zu Naturschutzgebiet muss eingehalten werden
„Kein Stamm dort ist breiter als mein Oberarm“, mahnt Deubig. Und ja, Windkraftanlagen seien „per se keine Schönheiten, Kraftwerke aber auch nicht“. Was wäre die Alternative, fragt er. „Wenn wir hier nicht bauen, wo dann?“
1,1 Hektar, rund 75 Prozent davon Betriebsgelände, der Rest gepachtet vom Forstamt Otterberg – auf diesem Fleck soll das Windrad bald stehen, ein Vestas EnVentus V 162. Natürlich hätte es die ZAK gerne komplett auf ihrem Grundstück gebaut. Doch da sind eben die vorgeschriebenen Abstände: zur A63, wegen Lärm und Schattenwurf, zu Firmengebäuden – und zur Mehlinger Heide, klar, dem benachbarten Naturschutzgebiet. Wenn Deubig über die Anlage spricht, wie an diesem Nachmittag, dann redet er von „minimalen Eingriffen“ in die Umgebung. Es würden keine „Schutzgüter“ gefährdet, sagt der ZAK-Chef. Weder Tier- und Pflanzenarten noch Wasser, Böden, die biologische Vielfalt. Als Beleg dafür kann der Prüf- und Genehmigungsprozess des Landes dienen. Nach Antragstellung im Oktober 2024 war das Projekt binnen fünf Monaten bewilligt – „ohne kritische Zwischentöne“, so Deubig. Von einer „Rekordzeit“ ist im Staatswald die Rede. Die Kosten von 13 Millionen Euro will die ZAK übrigens allein aus eigener Kasse stemmen, heißt es. Keinesfalls über die Abfallgebühren.
Mit der Windkraft in den Wäldern dürfe es ja gerne so laufen wie hier, lobt Katrin Eder, als sie zum Spatenstich schreitet. Ohne grobe Einschnitte zulasten der Natur. „Der Wald wird durch den Klimawandel geschädigt“, sagt die Ministerin. Mehr Windräder im Forst, das sei deshalb: mehr Wald- und Klimaschutz. Dass sie mit dieser Forderung auch auf heftige Widerstände trifft in der Pfalz – seit Jahren kein Geheimnis.
