Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel So hat FCK-Zehnkämpfer Aaron Strupp die deutschen Meisterschaften erlebt

Zehnkämpfer Aaron Strupp kommt bei den deutschen Meisterschaften über 1,88 Meter. Bei 1,91 ist Schluss. Er weiß: Da geht mehr.
Zehnkämpfer Aaron Strupp kommt bei den deutschen Meisterschaften über 1,88 Meter. Bei 1,91 ist Schluss. Er weiß: Da geht mehr.

Aaron Strupp, Zehnkämpfer des 1. FC Kaiserslautern, stellt bei den deutschen Meisterschaften zwei neue Bestleistungen auf. Doch in den technischen Disziplinen hapert es.

Bei seinem zweiten Versuch über 1,91 Meter nimmt Aaron Strupp viel Anlauf. Doch es hilft nichts, der Zehnkämpfer im Trikot des 1. FC Kaiserslautern reißt die Latte. Er geht zu seiner Trainerin Liliana Hofer in die Kurve des Heinz-Steyer-Stadions in Dresden, um sich zu besprechen. Die Höhe sollte für Strupp machbar sein, schließlich kommt er vom Hochsprung, bevor sich der Athlet entschied, zum Mehrkampf zu wechseln. Doch auch beim dritten Mal klappt es nicht, 1,88 Meter stehen in der Ergebnisliste – im Hochsprung sammelt er so 696 Punkte. „Die technischen Disziplinen waren dieses Mal nicht so wirklich perfekt“, sagt die Trainerin im RHEINPFALZ-Gespräch. (Den Liveblog zur DM gibt es hier zum Nachlesen)

Genauso hätte auch das Wetter an den beiden Wettkampftagen der deutschen Meisterschaften besser sein können. „Nasse Klamotten, immer hin und her“, sagt Hofer, „für eine einzelne Disziplin ist es schon nicht optimal. Für zehn Disziplinen ist es noch schwerer. Aber es sind starke Männer.“ Dennoch: Beim Weitsprung müssen die Zehnkämpfer aufpassen, auf dem Absprungbrett nicht auszurutschen. Heftige Regenschauer wechseln sich in der sächsischen Landeshauptstadt mit Nieselregen ab, plötzlich scheint die Sonne, zwischen Vor- und Nachmittag sind die Temperaturunterschiede groß. „Konstant fünf Grad mehr wären mir lieber“, sagt Strupp und lacht. Im Weitsprung kommt er auf 6,47 Meter – Saisonbestleistung. Aber doch ein bisschen hinter der persönlichen Bestweite zurück.

Immer an die eigene Bestleistung herankommen

Denn das ist das Ziel eines Zehnkämpfers: In möglichst jeder Disziplin an die eigene Bestleistung herankommen. „Aaron hat noch viel Potenzial“, sagt die Trainerin über ihren Schützling. Vor drei Jahren hat Strupp mit dem Zehnkampf begonnen, dort, wo die „Könige der Athleten“ gesucht werden. „Er hat schon in vielen Dingen große Schritte nach vorne gemacht“, sagt Hofer, „es geht darum, Automatismen zu entwickeln, die Technik zu verfeinern.“ Beim Kugelstoßen kommt Strupp mit 11,50 Meter an seine Bestleistung heran, zur Konkurrenz fehlt aber einiges heran. „Diskus klappt auch es auch noch nicht so gut“, analysiert Hofer. 31,04 Meter stehen zu Buche – hier sortiert sich Strupp am Ende des Feldes ein.

Im Kugelstoßen fehlt Aaron Strupp einiges zur Spitze.
Im Kugelstoßen fehlt Aaron Strupp einiges zur Spitze.

Zum Vergleich: Leo Neugebauer bringt die Scheibe auf 52,52 Meter. Der Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen von Paris im vergangenen Sommer nutzt die deutschen Meisterschaften, um sich auf die WM in Tokio im September vorzubereiten. Der deutsche Rekordhalter mit 8836 Punkten tritt in sechs der zehn Disziplinen an. „Sich die großen Namen mal anzuschauen, ist schon interessant“, sagt Strupp. Bei drei Disziplinen ist auch Niklas Kaul aus Saulheim bei Mainz am Start, der Weltmeister von 2019 in Doha will sich ebenfalls für Japan in Form bringen. Der FCK-Athlet sieht aber auch, wie schnell ein Zehnkampf vorbei sein kann: Tim Eitel, Favorit auf den nationalen Meistertitel, legt im Hochsprung bei seiner Einstiegshöhe von 1,85 Metern einen „salto nullo“ hin. Nach drei Fehlversuchen ist raus – und zwar komplett.

Im Sprint neue Bestleistungen

Ein solches Missgeschick passiert Aaron Strupp nicht. Im Gegenteil: Zum Beginn der beiden Wettkampftage schafft er es jeweils, seine persönliche Bestzeit zu unterbieten. Über 100 Meter läuft er 11,58 Sekunden, über 110 Meter Hürden glatte 16 Sekunden. „Die Beine sind gut“, sagt Strupp. Das beweist er auch zum Abschluss über 1500 Meter, die für die meisten Zehnkämpfer nach neun kraftraubenden Disziplinen die reinste Qual sind. „In der letzten Runde kann man immer noch ein bisschen was rausholen“, sagt er nach seinem Schlussspurt. Fünf Sekunden über persönlicher Bestzeit kommt er als Zweiter ins Ziel – und macht sich mit seinen Kollegen auf die Ehrenrunde. „Es war schon cool“, sagt Strupp über die Stimmung unter den mehreren Tausend Zuschauern, „das ist wirklich ein ganz anderes Gefühl als bei den normalen Wettkämpfen.“ Athlet und Coach sind mit dem Ausflug nach Dresden zufrieden.

6800 Punkte traut seine Trainerin ihm in absehbarer Zeit zu. Bei der deutschen Meisterschaft in Dresden sammelt der FCK-Zehnkämpfer 6519 Punkt. Er wird 17. von 18 Athleten, die in die Wertung kommen. Auch, weil es an diesem Tagen bei den technischen Disziplinen hapert. Als er beim Hochsprung ausgeschieden ist, setzt er sich unter einen Sonnenschirm. Tim Nowack, der neue deutsche Meister, steigt bei 1,94 Meter überhaupt erst in den Wettkampf ein. Bei 1,97 Meter klatscht Strupp mit, um den Konkurrenten anzufeuern. Er weiß: diese Höhen hat er auch drauf.

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