Kaiserslautern
RHEINPFALZ-Sprechstunde: Arzt warnt vor Depressionen
Jonas Fröhlich hatte noch nicht einmal Platz genommen, da klingelt bereits das erste Mal das Telefon in der Redaktion. Eine Dame aus Kaiserslautern beginnt die RHEINPFALZ-Sprechstunde mit der Frage, ob eine Coronainfektion noch gemeldet werden solle. Fröhlich bejaht. „Wenn medizinische Einrichtungen, wie zum Beispiel Krankenhäuser, Coronainfektionen feststellen, sind diese meldepflichtig“, so der Arzt.
Ein Anrufer aus Ramstein-Miesenbach leidet nach eigenen Angaben seit September unter dem Verlust des Geruchsinnes. Der 77-Jährige sei vier Mal geimpft, erkrankte danach zwar an Corona, doch die Infektion sei nicht der Grund dafür, erzählt der Anrufer. „Was kann ich tun?“, fragt er Fröhlich. Der Mediziner empfiehlt dem Anrufer, den Hausarzt aufzusuchen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt sei ebenso eine Alternative, sagt Fröhlich. „Es gibt viele Ursachen die für einen Verlust des Geruchsinnes sorgen, zum Beispiel Nasennebenhöhlenentzündungen, andere Viruserkrankungen, Polypen und bestimmte neurologische Erkrankungen. Für eine Nachwirkung von Corona ist das aber bereits zu lang“, meint der Arzt.
Ein Jahr „Impfpause“
Mit den Folgen einer Coronainfektion kämpft auch die nächste Anruferin. Die 83-Jährige aus Kaiserslautern berichtet von Müdigkeit und Gedächtnislücken, die sie zuvor nie gehabt habe. Ein Patentrezept hat Fröhlich nicht für die Dame und empfiehlt den Gang zur Long-Covid-Anlaufstelle im Westpfalz-Klinikum.
Zudem erkundigt sich die Dame nach einer weiteren Impfung. Vier Mal sei sie bereits gegen das Coronavirus geimpft worden. Ihr Sohn rate ihr zu einer weiteren, so die Kaiserslautererin. Derselben Meinung ist auch Fröhlich. „Aber erst zwölf Monate nach Ihrer letzten Impfung. Eine Impfung verringert die Schwere von Corona und mindert die Erscheinung“, sagt der Arzt. Es gebe nur seltene Immunerkrankungen, bei denen man sich häufiger impfen lassen sollte, fügt er an.
Ansteckungsgefahr senken
Wie mit einer aktuellen Coronaerkrankung umgegangen werden soll, erklärt der Mediziner einem Anrufer aus Otterbach. Sowohl dessen Mutter (87), als auch die Frau (59) des Mannes erkrankten erst vor kurzem am Virus. Während die Mutter „fast symptomfrei“ ist, wie der Mann sagt, klagt dessen Frau über zahlreiche Beschwerden wie Übelkeit, Bauch- und Halsschmerzen sowie Fieber.
Da keine Vorerkrankungen bestehen, empfiehlt Fröhlich die Behandlung der Symptome wie bei einer Erkältungskrankheit. „Sie sollten zudem aufpassen, dass Sie sich selbst nicht auch anstecken. Am besten tragen Sie eine Maske und haben geöffnete Fenster, wenn Sie sich im selben Raum wie Ihre Frau aufhalten“, rät Fröhlich. Das Zusammensein in Räumen mit geschlossenem Fenster sorge für eine erhöhte Ansteckungsgefahr, ergänzt er.
Vorsicht vor Depressionen
Generell rät der Mediziner zur Vorsicht. „Hände waschen und nicht mit mehreren Leuten aus einem Glas trinken kann bereits helfen, eine Infektion zu vermeiden“, so Fröhlich. Ins andere Extrem zu verfallen sei aber auch nicht richtig. Vom Abkapseln oder Abschotten hält er nicht viel. „Soziale Kontakte sind wichtig und die sollte man aus Angst auf keinen Fall vermeiden. Sonst könnten Depressionen entstehen“, warnt der Arzt.
Und wie verhält es sich mit sportlichen Aktivitäten nach Coronaerkrankungen? Dafür nennt Fröhlich keinen festen Zeitrahmen und vertraut auf die Selbsteinschätzung der Betroffenen. „Wenn die Erkrankung vorüber ist und man sich wieder gut fühlt, kann man mit dem Sport wieder langsam beginnen. Aber für das erste Mal nach der Erkrankung sollte man vielleicht bei 60 Prozent anfangen“, rät der Mediziner.