erfenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Reiner Kiefhaber hört als Ortsvorsteher auf

Eine seiner letzten Amtshandlungen: Reiner Kiefhaber unterwegs im Maienweg, der nach jahrelangem Hickack endlich keine Schotterp
Eine seiner letzten Amtshandlungen: Reiner Kiefhaber unterwegs im Maienweg, der nach jahrelangem Hickack endlich keine Schotterpiste mehr ist.

Es ist ein Rückzug mit Ansage: Nachdem er vor kurzem erst sein Stadtratsmandat für die SPD niedergelegt hat, hängt Reiner Kiefhaber jetzt seinen Posten als Ortsvorsteher von Erfenbach an den Nagel. Leicht gefallen ist ihm dieser Schritt nicht. „Ich habe das immer gerne gemacht, war mit Herzblut bei der Sache“, sagt der 59-Jährige.

Reiner Kiefhaber brauchte keine Bürgersprechstunde. Er war immer ansprechbar, hat mit den Bürgern gefühlt auf allen Kanälen kommuniziert. Auch für die Redaktion der RHEINPFALZ war er immer erreichbar, hat prompt zurückgerufen, wenn es mal Fragen gab. Ein Kümmerer im besten Sinne, ein Politiker, der sich über Gebühr engagiert hat. Am Schlimmsten war es, als die Straße zwischen Siegelbach und Erfenbach Anfang des Jahres gesperrt wurde. „Da haben mich 250 Leute kontaktiert.“ Die einen wollten, dass der Schleichweg am Schwimmbad offiziell ausgeschildert wird, um keine Umwege fahren zu müssen, andere machten einfach nur ihrem Ärger Luft. Und Kiefhaber irgendwie meist mittendrin. Auch als der Wertstoffhof zu Beginn der Pandemie zum Corona-Testzentrum umfunktioniert wurde, war Kiefhaber es, der bei der Verwaltung im Rathaus Druck machte, immer nach Wegen suchte, die Belastung für die Bewohner Erfenbachs möglichst auf niedrigem Niveau zu halten.

Die Bürokratie hat ihn manchmal etwas genervt

„Die Bürokratie hat mich manchmal etwas mürbe gemacht, aber ich hatte immer Spaß bei der Arbeit.“ Die berufliche Veränderung lasse ihm nicht mehr die Zeit, die so ein Amt verlange. Kiefhaber erzählt, er sei bei dem Unternehmen Gebrüder Pfeiffer zum Gruppenleiter für die Ersatzteilbeschaffung aufgestiegen. Sein Arbeitgeber habe ihm alle die Jahre – er war über zwölf Jahre lang Ortsvorsteher – viele Freiheiten gelassen für sein ehrenamtliches Engagement. Jetzt wolle er etwas zurückgeben, die berufliche Veränderung erfordere seinen vollen Einsatz und werde viel Zeit in Anspruch nehmen. „Zeit, die mir fehlt, meine politischen Aufgaben mit der Sorgfalt wahrzunehmen, die dem Amt gebührt.“

Die Vorbereitung auf die Stadtratssitzungen sei aufwendiger geworden, sagt Kiefhaber. „Und ich habe schon den Anspruch, alle Vorlagen gelesen zu haben, wenn ich abstimme.“ Die Atmosphäre im Rat hat ihn zuletzt befremdet. „Ich hatte manchmal das Gefühl, dass es dem ein oder anderen in erster Linie darum geht, den Oberbürgermeister zu diffamieren. Alles, was in der Vergangenheit gut war, durfte auf einmal nicht mehr gut sein.“ Das habe aber definitiv nichts mit seiner Entscheidung zum Rückzug zu tun.

Sogar bei Nachbarschaftsstreitigkeiten geholfen

Der Höhepunkt seiner Amtszeit sei auf jeden Fall die 875-Jahr-Feier gewesen. Dass der Ort zusammenhält, viele aktive Vereine hat, zahlreiche Veranstaltungen bietet, eine gute Busanbindung hat, darauf ist er stolz. Womit Kiefhaber hadert: Die Ortsdurchfahrt ist für Laster noch immer nicht gesperrt, durchgehend Tempo 30 in der Jahnstraße konnte er nicht durchsetzen. Das war ein Kampf gegen Windmühlen. Schade sei, dass immer noch viele, die gerne nach Erfenbach ziehen würden, keinen Bauplatz finden, weil einfach nichts auf dem Markt ist. Da hoffe er auf Bauland auf dem Kirchberg. Worauf er nach wie vor drängt: „Der Wertstoffhof sollte von Stadt und Landkreis gemeinsam betrieben werden.“ Es sei Unsinn, dass Rodenbacher abgewiesen werden. Was Kiefhaber aufgefallen ist: Die Leute sind anspruchsvoller geworden, kritischer. Er habe immer versucht, zu helfen, sogar bei Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Eines steht für ihn fest: „Mir wird garantiert nicht langweilig.“ Er werde sich weiterhin im Ort engagieren. Vielleicht bleibt ihm ein bisschen mehr Zeit für sein Hobby, das Motorradfahren. Fast jedes Wochenende setzt er sich auf seine Maschine, fährt im Schnitt 100 Kilometer, gerne in den Hunsrück oder an die Mosel, den Bau der Hochmoselbrücke verfolgte er vor Ort. Mit Sicherheit werde er häufiger auf Dienstreisen gehen, vermutlich vor allem in den arabischen Raum. Das reizt ihn, in der Welt unterwegs war er dienstlich schon öfter, vor allem in den USA und in China. Wobei er kein Typ sei für richtig lange Aufenthalte in der Ferne. „Ich habe immer Heimweh.“

Neuwahlen im kommeden jahr

Bis zu den Neuwahlen im kommenden Jahr wird Kiefhabers Stellvertreter Paul-Peter Götz (FWG) vorläufig alle Aufgaben des Ortsvorstehers wahrnehmen. Ob Kiefhaber im Ruhestand noch einmal auf die politische Bühne zurückkehrt? Abwarten.

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