Kaiserslautern
Ominöses Brummen: An weiteren Orten in Stadt und Landkreis zu hören
Heilpraktikerin Bettine Friedewald-Wagner wandte sich verzweifelt an die RHEINPFALZ, weil sie nicht zur Ruhe kommt: Nachts hält ein tieffrequentes, an- und abschwellendes Brummen samt Vibration sie vom Schlafen ab, ebenso wie ihren Mann und Nachbarn. Von den von ihre vermuteten möglichen Ursachen hat sich bisher keine bestätigt. Die Stadtwerke haben in mehreren Einsätzen die Strom-, Wasser- und Gasversorgung ausgeschlossen und gehen noch im Umfeld der Fernwärme nach.
Noch ein Fall in der Rudolf-Breitscheid-Straße
Doch nicht nur in dem Haus zwischen Jäger- und Ziegelstraße brummt es. Auch Carmen Beyer aus der Rudolf-Breitscheid-Straße 16, also weiter Richtung Bahnhof, kennt das Problem und meldet sich auf den RHEINPFALZ-Aufruf. „Noch vor ein paar Jahren war unter mir eine Bäckerei, deren Lagerraum sich unter meinem Schlafzimmer befand. Der Motor der Abluftanlage der Bäckerei hing direkt unter meinem Schlafzimmer“, schildert sie. Die Lüftungsanlage war für das Café in der Bäckerei, als Rauchen zulässig war. „Als ich neu in diese Wohnung darüber zog, hörte ich oft auch morgens ab 5.30 Uhr einen Brummton, der mich regelrecht aus meinem Bett katapultierte. Mal mehr, mal weniger, mal nicht. Ein leiser Brummton, und ein Vibrieren.“ Es vergingen einige teils schlaflose Nächte, bis Beyer endlich zusammen mit dem Hausmeister die Bäckereiräume besichtigen konnte. Die angeblich seit einiger Zeit nicht mehr genutzte Abluftanlage wurde für den unangenehmen Brummton ausfindig gemacht. „Deren Schalter befand sich direkt neben einem Lichtschalter und so war die Anlage unabsichtlich durch leichte Berührung in Gang gesetzt worden, um auch ohne volle Leistung zu laufen“, berichtet sie. „Niemand bemerkte das. Ich legte dann einen dicken Klebestreifen über den Schalter. Mittlerweile ist die Anlage wegen einer anderen Nutzung wohl auch vollständig entfernt worden.“
Nachdem sie dieses Brummen abgestellt hatte, wurde sie in den Sommermonaten durch einen Mieter eine Etage höher gestört, „der die ganze Nacht durch sein Klimagerät durchlaufen lässt“, was sie als unangenehm wahrnehme. Auf ihr Bitten, stelle er es abends „manchmal ab, manchmal auch nicht“. Diese niederfrequenten Töne beschreibt sie als sehr unangenehm.
Seit ein paar Wochen nun vernehme sie nachts ein Rauschen. Diese Störquelle sei weiter weg und für sie nicht so schlimm. „Aber vielleicht ist es jenes Geräusch, das die Bewohner des besagten Hauses hören?“, vermutet sie und hofft, dass die Störquelle bald gefunden wird.
Sie weist darauf hin, dass es oft unbedacht einfache Dinge sein können, die „diese extrem unangenehmen, leisen Töne freisetzen“. Sie rät den Bewohnern, in allen angrenzenden Wohnungen auf irgendein Lüftungsgerät nachzuforschen. „Vielleicht auch von einem Aquarium die Pumpe, einem Kühlschrank, der direkt an der Wand steht oder ähnliches. Unbedingt dranbleiben! Man findet sonst keine Ruhe.“
Fehlen Bäume als Lärmschlucker?
Auch aus dem Uniwohngebiet meldeten sich Brummton-Geplagte. „Wir wohnen in der Kettelerstraße; auch ich werde nachts regelmäßig durch ein Geräusch wach“, berichtet Rosita Durst. Es beginne meistens zwischen 3 und 4 Uhr und halte ununterbrochen bis zum Morgen an. „Ich empfinde es als ein Rauschen.“ Als mögliche Ursache hat sie die Heizung oder Lüftung der Aco-Guss GmbH, den Media-Markt oder Wasgau-Markt in Verdacht. „Allerdings kommen auch die verschiedenen Gerätschaften auf und an den Gebäuden der Uni in Betracht, da diese auch tagsüber sehr laut sind.“ Eine weitere Vermutung: „Vielleicht werden durch das Abholzen der vielen Bäume rings um Kaiserslautern die Geräusche nicht mehr geschluckt und kommen ganz woanders her. Fragen über Fragen!“
Auch in Trippstadt brummt es nachts
Seit rund einem Jahr passiert es einer Trippstadterin „oft, nicht immer“, dass es „dröhnt“, sobald sie sich ins Bett lege. „Es ist nicht herauszufinden, wo das Brummen herkommt. Sind es Heizungspumpen, Fernsehgeräte?“, fragt sie sich. Sobald sie aufstehe und ans Fenster gehe, höre sie nichts mehr; kaum liege sie wieder, starte das Brummen. „Manchmal als Dauerton, manchmal mit Unterbrechungen, wie ein gleichmäßiges Klopfen“, beschreibt sie es. Sie dachte schon an ein vollaufgedrehtes Radio, „aber nachts um 3 Uhr? Zumal man draußen nichts hört“, ist sie ratlos.
Die Windräder im Kapiteltal im Visier
Eine andere Vermutung hat Martina Wermter: Sie geht „felsenfest davon aus, dass dieses Brummen von der Windkraftanlage auf der Mülldeponie kommt“. Sie habe bis vor einem halben Jahr noch gegenüber dem Friedhof im vierten Stock gewohnt. „Das Brummen hat mich Tag und Nacht begleitet, wobei es nachts lauter war.“ Zuerst dachte sie, das Geräusch komme von den Verkehrsbetrieben der SWK. Dann vermutete sie Funk-Masten auf den Dächern. „Bis ich auf die Windkraftanlage gekommen bin. Je nachdem, in welche Richtung die Rotoren ausgerichtet sind, ist der Lärm lauter oder leiser.“ Man höre dann das Rotieren der Flügel. „Es war teilweise nicht mehr auszuhalten, sodass ich nur noch mit Ohropax schlafen konnte“, beschreibt sie die Zeit.
Zweimal sei sogar ein Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamts aus Neustadt bei ihr gewesen, „aber beide Male lag die Messung unterhalb des Grenzwertes“. Mittlerweile ist sie ausgezogen ans andere Ende der Stadt. Leider nehme sie seit zirka zwei Wochen den Lärm wieder vermehrt war. „Es wäre schön, wenn mal jemand der Sache auf die Spur gehen könnte. Die Mieter aus diesem Artikel sprechen mir aus der Seele. Dieser Lärm kann wirklich krank machen.“ Sie ist fest davon überzeugt, dass dies auch die Ursache der Betroffenen aus der Rudolf-Breitscheid-Straße ist.
Dansenberg ist nicht verschont vom Brummen
Auch in Dansenberg hält ein undefinierbarer Ton Menschen vom Schlafen ab. „Seit vielen Monaten höre ich in der Nacht, meist ab 3 Uhr, einen dunklen Brummton“, schreibt Josefine Hattingen. Es höre sich wie ein laufendes Baugerät an. „Der Versuch, alle Elektrogeräte vom Strom zu nehmen, hat keine Lösung ergeben.“ Sehr oft könne sie wegen des Brummtons nicht schlafen.
Das Geräusch mit Ortungsgeräten lokalisieren
Der Sache mithilfe von Technik auf den Grund zu gehen, schlägt Robert Schröder vor. „Um das Brummgeräusch zu lokalisieren, könnte zum Beispiel KL-digital einige Messstationen, hier also für Schall , realisieren“, ist seine Idee. Vielleicht könnte dies auch eine interessante Projektarbeit an einer Schule sein, überlegt er.
Mit „Raspberry Pis“, Kleinst-Computern von der Größe einer Kreditkarte, sei so etwas zu realisieren. „Wenn die Rechner über WLan auch eine exakte Zeit erhalten, kann mithilfe der ermittelten Daten die Quelle des Brummens ermittelt werden.“ Die Geräte seien günstig und haben „eine universelle Schnittstelle, mit der man ohne großen finanziellen Einsatz ein weites Spektrum an Möglichkeiten hat“, zudem sei die Software offen und gratis, bringt er als Argument für diese Variante an.
Solche Schallortungsverfahren seien vom Prinzip her schon alt und „wurden im Ersten Weltkrieg von britischen Soldaten – Physiker im Zivilleben – eingesetzt, um die Lage von Geschützstellungen herauszufinden“.
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