Kaiserslautern
Neue Orgel für Marienkirche ist genehmigt
Die Unterschriften, die die Verantwortlichen im großen Konferenzraum des gerade sanierten Pfarramtes, gleich gegenüber der Marienkirche, am Samstag leisteten, beenden die über zehnjährige Planungsphase. Beteiligt daran waren in all den verschiedenen Fragen bis hin zur Finanzierung der Orgelbauverein Pro Musica Sacra St. Maria, der zuständige Pfarrer Martin Olf und die beteiligten Kirchenmusiker, allen voran Regionalkantor Maximilian Rajczyk, und nicht zuletzt das Bistum Speyer. Nach zähen Verhandlungen, die sich vor allem in den vergangenen beiden Jahren ergaben, konnte sich schließlich die Lauterer Delegation mit ihrem favorisierten Modell durchsetzen, das zudem dem großzügigen Mäzen und Gönner des Projekts Erwin Roeder Reverenz erweist.
In 125 Jahren Kirchengeschichte ist es erst der zweite Neubau einer Orgel in der Marienkirche, bilanziert Pfarrer Olf und sieht in der räumlichen Gegenüberstellung von Klais-Orgel von 1904 und beauftragter Kuhn-Orgel im südlichen Seitenschiff auch eine stilistische Analogie: Die historische Klaisorgel gilt mir ihrer pneumatischen Traktur und ihrer spätromantischen Disposition als Denkmalorgel mit französischen Anklängen und ist entsprechend für bestimmte Monumentalwerke in sinfonischer Klangpracht der Romantik, des Impressionismus’ und der klassischen Moderne prädestiniert. Die neue Orgel der Schweizer Orgelbaufirma Kuhn ist dagegen geprägt von der süddeutschen barocken Orgeltradition und für den Orgelunterricht der Außenstelle des BKI (Bischöflich Kirchenmusikalisches Institut) und für Chorbegleitung ideal. Sie ist platziert am bisherigen Standort des Chors, kann durch den Einbau eines Schwellers auch dynamisch besser auf Begleitaufgaben abgestimmt werden und ist ein ideales Instrument für filigrane Strukturen wie barocke Fugen.
Ein Schmuckstück entsteht
Die derzeit laufenden Sanierungsarbeiten der Marienkirche mit Gesamtkosten von rund 3,4 Millionen Euro (davon rund 80 Prozent finanziert durchs Bistum) und einige Änderungen sollen zusammen mit den beiden Orgeln die Marienkirche nicht nur zu einem Oberzentrum der Kirchenmusik machen. Es entstünde im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten auch ein Schmuckstück, waren sich die Verantwortlichen am Samstag einig.
Die früheren Kirchenbänke weichen einer optisch ansprechenderen und hochwertigen Bestuhlung, die bei Aufführungen auch gedreht oder zum Aufführungsort hin ausgerichtet werden kann, führt Olf aus. Die Heizung bekommt mehr Auslässe, wird so effektiver sein, und die farbliche Wandgestaltung soll inspiriert von alten Plänen aber dennoch mit neuen farblichen Akzenten mehr Atmosphäre schaffen. Die Holzart steht mit Fichte fest, aber die farbliche Tönung der neuen Orgel wird in die noch zu erarbeitende farbliche Konzeption der Marienkirche eingepasst und darauf abgestimmt.
Über 700.000 Euro für sieben Tonnen
Das neue Instrument wird mit einem Gewicht von etwa sieben Tonnen den Boden stärker belasten, so dass aus statischen Gründen die neue Orgel auf Pfahlkonstruktionen ruht, um das enorme Gewicht aufzufangen. Diese Variante wurde vom Denkmalamt bestimmt, andere Lösungen wie Aufhängung an der Decke oder Befestigung zwischen den Säulen des Seitenschiffs wurden verworfen.
Die neue Chororgel hat einen Preis von 707.000 Euro, die größtenteils vom Spender Professor Roeder aufgebracht werden. Nach ihm soll die Orgel auch benannt werden. Das neue Instrument wird 22 Register haben, durch den klanglichen Akzent auf solche wie Flauto travers, Viola da Gamba oder Oboe (um nur einige zu nennen) entsteht ein durchsichtiger historischer Klang auf zwei Manualen und Pedal. Ihr Erbauer hat seit 1964 seinen Sitz am Zürichsee und gerade die neue Orgel des Ulmer Münsters gebaut.
Das ist der Plan
Die historische Klaisorgel wird derzeit teilweise zum Schutz vor Verunreinigung abgebaut. Zeitgleich wird die neue Chororgel in der Schweiz etwa ein Jahr lang in der dortigen Werkstatt aufgebaut und soll Ende des Sommer 2023 dort für die hiesigen Organisten anspielbar sein. Mit einer festlichen Einweihung nach Übertragung vom Zürichsee an die Lauter wird im Frühjahr 2024 gerechnet. Der Plan ist, dass beide Orgeln zeitgleich aufgebaut werden und so auch aufeinander eingestimmt werden können. Über die genaue Stimmung gibt es noch keine eindeutigen Vorstellungen.