Kaiserslautern
Nach tödlichem Messerangriff: Polizeipräsident plant umgehende Schritte
Da unten liegen sie, auf den grauen Pflastersteinen. Frische Rosen, in Gelb und Rot. Sie verdecken die übrigen Spuren. Die Flecken von getrocknetem Blut, das hier vergossen worden ist: neben der Bushaltestelle, dem Tatort in der Fruchthallstraße. Nach dem Messerangriff am Samstagabend in der Nähe des Fackelbrunnens ist eines der beiden Opfer, ein 22 Jahre alter Mann, inzwischen gestorben. Im Krankenhaus erlag er am späten Montagnachmittag seinen Stichwunden, teilte die Polizei dienstags mit – und bestätigte damit vertrauliche RHEINPFALZ-Informationen vom Vortag. Ermittelt wird jetzt wegen des Verdachts des Totschlags. Tatverdächtig ist nach Angaben der Behörden ein 18-jähriger Syrer, er sitzt bereits in Untersuchungshaft. Als sich die Tragödie am Morgen herumgesprochen hatte, die Nachricht dieses sinnfreien Tods, legten Unbekannte zum Gedenken ein paar Blumen nieder. An jener Stelle, wo den jungen Menschen das Messer traf, das ihn am Ende das Leben kosten sollte.
„Mit großer Bestürzung und Trauer müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass trotz aller Anstrengungen der letzten Monate ein brutales Tötungsdelikt am helllichten Tag in unserer Innenstadt verübt wurde“, wird Hans Kästner am Dienstagnachmittag in einer Pressemeldung zitiert, der Leiter des Polizeipräsidiums Westpfalz. Sein aufrichtiger Dank gelte den Ersthelfern, sagt er, für „Menschlichkeit und Zivilcourage“.
18-jähriger Verdächtiger nicht einschlägig vorbestraft
Nahe dem Fackelbrunnen, an einem Busstopp der Neuen Stadtmitte, war am frühen Samstagabend ein Treffen unter drei Personen eskaliert. Der mutmaßliche Täter, 18, geriet mit zwei syrischen Landsmännern in einen Streit – warum, ist weiterhin unklar. Dem 22-Jährigen soll er im Zuge der Auseinandersetzung ein Messer in den Rücken gestoßen, dann dessen jüngerem Begleiter, 20, in die Brust gestochen haben – beide mussten vor Ort reanimiert werden. Wie die Polizei vermeldete, schwebt das zweite Opfer noch in Lebensgefahr. Von „sehr ernsten“ Verletzungen war die Rede.
Auf eine erneute RHEINPFALZ-Anfrage am Dienstagmittag erklärt die Staatsanwaltschaft, dass der 18-jährige Beschuldigte nicht einschlägig vorbestraft ist. Zum Aufenthaltsstatus der drei im Raum Kaiserslautern lebenden Männer kann die Behörde vorerst keine Angaben machen – weil er noch nicht recherchiert worden sei. „Die Ermittlungen sind in einem frühen Stadium“, begründet Udo Gehring, der Leitende Oberstaatsanwalt.
Als Reaktion auf die tödliche Tat, die zweite blutige Messerattacke im Zentrum innerhalb von vier Monaten, lässt Polizeipräsident Kästner jedenfalls drei Schritte ankündigen: eine stärkere Präsenz der Beamten in der City, forcierte Streifen mit dem städtischen Ordnungsamt – und verschärfte Kontrollen in Bussen und Bahnen, gerade mit Blick auf das Messertrageverbot. „Ein solches Verbrechen berührt die Grundfesten unseres Zusammenlebens sowie das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zutiefst“, sagt Kästner am Dienstag. Montags bereits hatte sich Manfred Schulz (CDU) zur Sache geäußert, der Lautrer Ordnungsdezernent. Und für ein wachsendes Auftreten der Sicherheitskräfte geworben. „Wir müssen mehr Präsenz auf die Straße bringen“, räumte er ein – um kurz darauf bekanntzugeben, bald vertiefende Gespräche mit der Polizei zu führen. Laut der Mitteilung, die das Präsidium Westpfalz am Dienstag gegen 16 Uhr verschickt hat, zeigt sich Kästner von den jüngsten Vorkommnissen in der Stadt erschüttert. Gerade jetzt, vom Tod des 22-Jährigen.
„Innenstadt ist kein Brennpunkt“, betont Kästner
„Trotz verstärkter Streifenpräsenz, aber auch erfolgreicher Ermittlungsverfahren ist es nicht gelungen, diese schreckliche Tat zu verhindern“, so der Polizeichef. „Das zeigt uns, dass absolute Sicherheit nicht garantiert werden kann.“
Im Januar 2024 hatte Kästner sein Amt als Polizeipräsident angetreten, damals mit einem Versprechen. Alles in seiner Macht stehende werde er tun, um das beschädigte Sicherheitsgefühl der Menschen in Lautern zu verbessern. Es zu festigen, sagte er. Das Präsidium schnürte daraufhin ein dickes Aktionspaket – getragen von sichtbaren und verdeckten Maßnahmen. Als einer von Kästners größten Erfolgen bisher dürfte die Soko „Willy“ gelten, ein Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität im Frühjahr 2025. Nur: Auf den Straßen der Innenstadt – gerade um Mall, Rathaus und Fackelbrunnen – kam es später wiederholt zu Übergriffen, gewalttätigen Attacken und ja, auch zu schweren Verletzungen. Dennoch, Kästner legt sich fest: Der Lautrer Stadtkern sei „kein Ort mit überdurchschnittlicher Kriminalität“, betont er. Die Statistiken würden belegen, dass das Zentrum „kein Brennpunkt, sondern ein Ort der Begegnung und des Miteinanders ist“, so der Präsident.
Am Dienstag am Fackelbrunnen waren es offenbar einige, die das Miteinander beschworen haben. Sie legten Rosen ab am Unglücksort, für einen Menschen, der nur 22 Jahre alt wurde.