Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel Nach der Wahl: Norbert Herhammer will Vertrauen gewinnen

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Glücklicher Sieger: Norbert Herhammer (Zweiter von rechts) hat am Wahlabend noch im Kaiserslauterer Rathaus mit Parteikollegen gefeiert. Hier freuen sich Lukasz Pietzarek, Ursula Düll und Anja Pfeiffer mit ihm.

Norbert Herhammer zieht das erste Mal in den Landtag ein. Der CDUler hat den Wahlkreis 45 für sich entschieden. Mit ihm hat sich Redakteurin Pola Schlipf unterhalten.

Herr Herhammer, wie haben Sie am Wahlabend noch gefeiert?
Ich war noch in Kaiserslautern im Rathaus und habe Kollegen und einige Mitbewerber getroffen. Dann gab es ein Interview und danach saßen wir noch ein bisschen im Fraktionszimmer zusammen und haben analysiert und angestoßen. Die letzte Aktion gestern Abend war, Dankesaufkleber auf die Plakate zu kleben. Um 2 Uhr bin ich, glaube ich, im Bett gewesen, was fast normal für mich ist. Ich bin ein Kurzschläfer.

In der Tat, denn heute Morgen ging es für Sie ja schon um kurz vor 8 Uhr wieder in der Schule los. Was sagen Sie denn zu den 26 Prozent, die Sie erreicht haben: ein zufriedenstellendes Ergebnis?
Da blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge drauf. Ich bin natürlich froh, dass es am Schluss 0,2 Prozent plus für mich waren und nicht minus, aber ich muss mir kritisch die Frage stellen: Woran hat es gelegen? 26 Prozent für sich genommen ist erst einmal wenig, aber das lag an dem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Kandidaten. Auch das etwas stärkere Abschneiden der Freien Wähler in unserem Wahlkreis hat eine Rolle gespielt. Insofern macht mich das Ergebnis nachdenklich. Jeder Einzelne der drei stärksten Bewerber (Dennis Matheis (SPD) holte 25,8 Prozent, Dirk Bisanz (AfD) 25,1 Prozent, Anm. d. Red.) sieht sich einer großen Mehrheit gegen ihn gegenüber und kann kaum für sich in Anspruch nehmen, das Vertrauen der Wähler gewonnen zu haben. Das spricht für eine große Verunsicherung in der Wählerschaft.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
Es ist klar, wohin die Reise gehen muss: Vertrauensbildung auf allen Ebenen ist angesagt. Politik muss eben irgendwann auch mal sichtbare Ergebnisse liefern.

Sie hatten am Sonntagabend gesagt, der Wahlkreis 45 (Kaiserslautern II) sei für die CDU ein schwieriger Beritt. Inwiefern?
Der Wahlkreis 45 ist ja jetzt neu zusammengestellt worden, die VG Lambrecht ist dazugekommen. Den restlichen Teil hatten wir in der Vergangenheit nie gewinnen können. Insofern ist es schon ein historisches Ergebnis, dass wir den Wahlkreis diesmal, wenn auch knapp, für uns entscheiden konnten.

Dass es so knapp zwischen dem CDU-, SPD- und AfD-Kandidaten werden würde, war nicht zu erwarten, oder?
Es war schon zu erwarten, dass es knapp wird. Es gibt aber die Wahlkreisstimmenprognose für den Gewinn des Direktmandats und die besagte, dass ich gewinnen könnte – aber sie trifft natürlich keine Aussage darüber, mit wie viel Vorsprung. Für die SPD ging es schon vorher etwas nach unten, die große Unbekannte war die AfD. Schon in Baden-Württemberg wie jetzt auch in Rheinland-Pfalz hat die Arbeiterschaft komplett das Lager gewechselt und AfD gewählt. Das ist eine Wählergruppe, die für uns oft nicht erreichbar ist.

Warum ist sie nicht erreichbar?
Das kann ich nicht so richtig beantworten. Die CDU ist keine klassische Arbeiterpartei oder sie wird zumindest nicht als solche identifiziert.

Wie erklären Sie sich, dass die AfD gerade in der VG Otterbach-Otterberg, in der auch Sie leben, so stark ist?
Da kann ich mich im Prinzip nur wiederholen: Es spielen mehrere Effekte eine Rolle und greifen ineinander. Es herrscht einerseits Unzufriedenheit mit der Ampelregierung in Rheinland-Pfalz – die FDP ist ja gar nicht mehr in den Landtag gewählt worden, was ich sehr bedauere –, aber es spielt auch die Ergebnislosigkeit der Politik auf Bundesebene eine Rolle. Dann kommen noch externe Ereignisse hinzu, wie die Höhe der Spritpreise. Die Leute sind unzufrieden und dann wird nicht unterschieden, ob es um Themen geht, die auf Bundes- oder Landesebene entschieden werden können.

Die Wahlbeteiligung lag im WK 45 bei 70,8 Prozent (2021: 64,7 Prozent), was erfreulich ist. Worauf führen Sie es zurück, dass mehr Leute von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben?
Ich denke, das war die Zuspitzung am Ende, die Polarisierung zwischen Schwarz und Rot. Ich bin allerdings ein bisschen überrascht: Ich hatte zwar eine Zunahme erwartet, aber keine so große.

Jetzt geht’s in den Landtag, die CDU ist stärkste Kraft im Land. Eine Koalition kann eigentlich nur mit der SPD gebildet werden. Was wünschen Sie sich für die Koalitionsverhandlungen?
Ich würde zwei Themen in den Vordergrund stellen. Das eine hat mit meinem beruflichen Hintergrund als Lehrer zu tun. Ich hätte sehr gerne, dass die CDU das Bildungsministerium bekommt. Das zweite Thema, eines der wichtigsten für mich, ist, wie wir mit den Kommunen umgehen. Wenn wir da nicht umsteuern, befürchte ich einen schweren Schaden für die Demokratie. Die Kommunen pfeifen finanziell aus dem letzten Loch. Der Anteil am Kreishaushalt im Landkreis Kaiserslautern für freiwillige Ausgaben liegt bei nicht einmal einem halben Prozent. Die Kommunen sind so dazu gezwungen, sich strukturell zu verschulden, um ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen.

Wie könnte die Lösung aussehen?
Ich würde gerne wegkommen von der Förderbürokratie. Wir brauchen Vertrauen in die Kommunen.

Die CDU wird einen Teil des Kabinetts stellen. In welcher Funktion werden Sie nach Mainz fahren?
Ich selbst bin ja frisch gewählter Abgeordneter und stelle mich erst einmal hinten an. Ich kenne meine Themen, aber was die Funktionen angeht, lasse ich alles erst einmal auf mich zukommen.

Beruflich wechseln Sie aus dem Klassenzimmer in den Plenarsaal. Was bedeutet das mitten im Schuljahr für Sie und Ihre Schüler?
Es wird ja noch ein bisschen dauern, bis es richtig losgeht. Aber bis zum 18. Mai, der konstituierenden Sitzung in Mainz, werde ich mich zwischendurch immer mal wieder freistellen lassen müssen.

Zum Beispiel am Dienstag, wenn sich die neu gewählte CDU-Fraktion das erste Mal in der Landeshauptstadt zum Kennenlernen trifft.
Genau. Was meine Klassen angeht: Ich hatte in diesem Schuljahr drei Kurse in der 13. Jahrgangsstufe. Aber das Abitur ist abgeschlossen und deshalb fällt das jetzt alles ohnehin weg. Meine achte und zehnte Klasse, die ich in Mathematik unterrichte, werden von Kollegen übernommen. Da stünde nach diesem Schuljahr sowieso ein Lehrerwechsel an, der findet einfach etwas früher statt. Nur für den 12er-Kurs lässt es sich leider nicht vermeiden, dass da, ein gutes halbes Jahr vor dem Abitur, ein Bruch entsteht. Aber ich vertraue auf meine Kollegen.

Ein anderer Bereich macht mir mehr Sorgen, und das ist der Erasmusbereich. Da habe ich in den vergangenen Jahren mit Kollegen zusammen wirklich etwas Großes aufgebaut. Für den organisatorischen Unterbau, um den ich mich gekümmert habe, muss ich noch jemanden finden.

Der Wahlkampf ist vorbei, die Osterferien stehen vor der Tür – worauf freuen Sie sich jetzt erst einmal am meisten?
Mmh, gute Frage. Ich freue mich, dass ich mich in den Ferien mal ganz ohne den Druck eines zweiten Jobs – die Schule (lacht) – auf meine parlamentarischen Tätigkeiten vorbereiten kann. Ich freue mich aber auch, mal wieder ein Buch in die Hand nehmen und es lesen zu können. In den letzten Wochen war ich hauptsächlich mit Social Media beschäftigt. Und ich freue mich natürlich auch, mich mit Freunden verabreden zu können.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Was wollen Sie am Ende der Legislaturperiode in fünf Jahren erreicht haben?
Das kann ich Ihnen ganz genau sagen. Ich möchte erreichen, dass die Wähler sagen: „Das hat er besser gemacht, als wir gedacht haben.“ Sie sollen feststellen, dass die Politik nicht nur Versprechungen macht, sondern dass konkret Dinge umgesetzt werden, die man sehen kann.

Ein Thema, an dem ich auf jeden Fall dranbleiben werde, ist die Suche nach einem Lebensmittelgeschäft für den Betzenberg. Da habe ich einen möglichen Betreiber gefunden, alle Akteure wären bereit. Das einzige, was noch im Weg steht, ist das Ladenöffnungsgesetz. Da plädiere ich deshalb für eine Lockerung.

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