Kaiserslautern Mut zum Genremix wird belohnt
Die Zusammenstellung der verschiedenen Genres des Pfälzischen Abends in Schwedelbach war, in einem Wort, mutig! Die Ortsgemeinde hatte am vergangenen Samstag zu einem Konzertabend in das Bürgerhaus eingeladen, und alle Plätze im Saal waren besetzt.
„Wir mussten sogar Kartenbestellungen ablehnen“, berichtete Schwedelbachs Ortsbürgermeister Dieter Hirsch nicht ohne Stolz in Bezug auf den Pfälzer Abend, der am Samstag im Bürgerhaus stattfand. Er war es auch, der das Programm dafür zusammengestellt und die Künstler verpflichtet hatte: Gitarrist Leon Kappa, Pianistin Jessica Riemer, Sänger Michael Bissinger und den Chor der Rammelsbacher Wackepicker. Doch bevor es zu den musikalischen Darbietungen kam, trafen sich die Schwedelbacher zum Schnitzelessen, das im Eintrittspreis von 15 Euro enthalten war; mittendrin Dieter Hirsch. Er begrüßte die Gäste, sorgte dafür, dass sie einen Platz bekamen, und nach dem Essen war er sich auch nicht zu schade, beim Abräumen des Geschirrs zu helfen. Auch danach lehnte er sich nicht zurück und lauschte nur noch der Musik. Als guter Gastgeber übernahm er die Anmoderation der Künstler und mit dem ersten brachte er einen Pörrbacher auf die Bühne, der sich als hervorragender „Opener“, also Eröffner des Abends entpuppte. Michael Bissinger sang Lieder „uff Pälzisch un Deitsch aus de Palz un drumrum“. Mit Gretel, der „Frau vom Cousin vom Feldschütz in Mackebach“, porträtierte er eine Dame, die Mann nicht unbedingt zur Ehefrau haben möchte. Begleitet von seiner Gitarre entführte er die Zuhörer zum „Dannstadter Gutzelstand“, wobei er das Pfälzische auch mal in die englische Sprache übersetzte. Mit dem Lied „Wenn de Pälzer de Blues krieht“ unternahm er einen Abstecher in das Blues-Genre, um danach, angeregt von Joachim Ringelnatz, über „den Sauerampfer an der Bachbahn“ zu singen. Unerwartet harmonisch fügte sich der klassische Part an Bissingers Vortrag an. Mit Mozarts Sonate in B-Dur gelang der mehrfach preisgekrönten Pianistin Jessica Riemer ein heiterer Übergang in die ernste Musik. Da es sich um einen Pfälzer Abend handelte, spielte die junge Künstlerin eine Eigenkomposition mit dem Titel „Vogelgesang im Pfälzer Wald“. Wer genau zuhörte, konnte in den Tremoli die Vögel zwitschern hören. Der Minutenwalzer von Chopin leitete über zu dem Ragtime „Fliegende Finger“, und die konnten die Gäste über die Tastatur des Klaviers fliegen sehen. Mit viel Applaus wurde danach der Gitarrenvirtuose Leon Kappa empfangen, der eine gehörige Portion andalusisches Feuer in den Pfälzer Abend brachte. Auf höchstem Niveau improvisierte er Stücke wie „Malagena“ oder „Aranjuez“ gerade so, „wie der Leon so gelaunt ist“, wie er sagte. Dass er auch Rumba und Boogie perfekt beherrscht, demonstrierte er ebenfalls eindrucksvoll. Als Zugabe spielte Kappa noch meisterhaft „Erinnerungen an Alhambra“, ein Stück für klassische Gitarre, das von dem Interpreten eine hohe technische Versiertheit verlangt. Der Abend endete mit den Rammelsbacher Wackepickern, die mit viel Schmiss und Temperament Chorgesang vom italienischen Schlager bis zu russischer Musik vortrugen. Und einer war besonders zufrieden: Dieter Hirsch freute sich darüber, dass erstmals in seiner 17-jährigen Amtszeit das Publikum zu 90 Prozent aus Schwedelbachern und Pörrbachern bestand. Ein schöner Erfolg an einem restlos gelungenen Abend. |pbü