Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Meisterschule darf wieder im Elektroberuf ausbilden

In letzter Zeit Sorgenkind: die Meisterschule.
In letzter Zeit Sorgenkind: die Meisterschule.

Die Meisterschule für Handwerker (MHK) hat eine Sorge weniger: Sie darf wieder im Elektrobereich ausbilden. Nachdem der Beruf des Systemelektronikers 2021 ausgelaufen war, bekam sie nun die Genehmigung, Azubis zum Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik anzunehmen.

Als im Jahr 2021 das Aus für den Beruf Systemelektroniker kam, sah an der Meisterschule erstmal niemand Anlass zur Besorgnis. „Wir haben das für uns sogar positiv empfunden, denn wir hatten eh schon viel Automatisierungstechnik in unserem Lehrplan“, berichtet Jürgen Clos, Abteilungsleiter für den Elektrobereich, in Vertretung für den erkrankten Schulleiter Steffen Hemmer. So schien der Beruf des Elektronikers für Automatisierungs- und Systemtechnik die natürliche Nachfolge.

Doch der Plan, den Ausbildungsberuf einfach umzubenennen, ging nicht auf. „Das wurde uns verboten, weil er nicht in unserer Berufsfachschulverordnung steht.“ In der extra für die Meisterschule Kaiserslautern geschriebenen Landesverordnung sind sieben Ausbildungsberufe des Handwerks aufgelistet. „Und da die Liste eben den Systemelektroniker ausweist, hätten wir mit der Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik gegen die Verordnung verstoßen.“

Meisterschule steckte mit der Genehmigung im Dilemma fest

Der Idee, aus dem Dilemma durch eine Änderung der Verordnung herauszukommen, erteilte das Bildungsministerium ebenso eine Absage: „Das wollte man nicht, weil bereits eine Vereinheitlichung der Verordnungen geplant war.“ So soll statt jener für die Meisterschule Kaiserslautern und einer zweiten für drei weitere dreijährige Berufsfachschulen im Land ab 2026 nur noch eine Verordnung gelten.

Die 2021 begonnene Ausbildung darf beendet werden, aber 2022 durften keine neuen Elektro-Schüler aufgenommen werden. Als dann im Zuge der geplanten neuen Verordnung plötzlich der gesamte Berufsausbildungszweig der Meisterschule in Frage gestellt wurde – „Wir sollen keine Konkurrenz für Handwerksbetriebe sein“ –, nahm das Thema Fahrt auf. Von den Grünen in den Stadtrat und damit in die Öffentlichkeit getragen, schwoll eine Welle der Empörung an, die sich für den Erhalt der Berufsfachschule an der MHK einsetzte. Denn einerseits fängt die MHK Schüler auf, die für eine betriebliche Ausbildung nicht geeignet sind, andererseits bietet sie Berufe an, für die es in der Region keine Ausbildungsbetriebe gibt. „Aufgrund des öffentlichen Drucks und wohl auch, weil im Ministerium nicht bewusst war, was alles an unserer Elektroausbildung hängt – darunter dreieinhalb Lehrerstellen – haben wir nun die Genehmigung für den Beruf Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik bekommen“, berichtet Clos.

Nach Besuch in Mainz kam die Genehmigung

Nach dem Besuch einer Delegation der Schule in Mainz bei Vertretern des Bildungs- und Wirtschaftsministeriums flatterte der MHK am 1. März die entsprechende Verfügung ins Haus. „Damit ist die Kuh noch nicht vom Eis“, bleibt Clos angesichts des 2024 erwarteten Verordnungsentwurfs realistisch, doch er sieht die Chancen nicht nur für den Elektroberuf aufgrund der jetzigen Entscheidung gestiegen.

Allerdings ist die Schule nun in Zeitnot, da sie für die Elektroausbildung bisher nicht werben durfte. „Offiziell läuft die Bewerbungsfrist Ende Februar aus.“ Doch bis zum Ausbildungsbeginn im August können sich nun Schüler noch bewerben. „Wir schreiben auch alle Schulen im Umkreis an“, ist Clos optimistisch, noch genug Schüler für eine Klasse zu finden.

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