Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Berufsfachschule an der Meisterschule in Gefahr

700 Schüler besuchen die Meisterschule, die Hälfte davon macht eine Ausbildung an der Berufsfachschule.
700 Schüler besuchen die Meisterschule, die Hälfte davon macht eine Ausbildung an der Berufsfachschule.

An der Meisterschule für Handwerker werden Jahr für Jahr junge Menschen zum Gesellen ausgebildet, zum Goldschmied oder Steinmetz beispielsweise. Doch trotz Fachkräftemangels könnte dieses Modell bald Geschichte sein.

„Seitens der Landesregierung in Mainz gibt es offenbar Bestrebungen, das sehr gute bestehende System der dreijährigen Ausbildung an der Berufsfachschule herunterzufahren“, erläuterte Michael Kunte (Grüne) am Montag im Stadtrat. Dem Vernehmen nach sollten dort nur noch Berufe gelehrt werden, die im dualen System gar nicht mehr ausgebildet werden. Kunte sagte das in Vertretung von Grünen-Fraktionschef Tobias Wiesemann, der wegen des plötzlichen Todes seiner Mutter nicht an der Sitzung teilnehmen konnte. Kunte betonte, die Berufsfachschule stelle eine sehr gute Alternative zur betrieblichen Ausbildung dar, sei ein idealer Weg ins Handwerk. Der Wegfall wäre sehr schlecht und würde den Fachkräftemangel verschärfen. Einstimmig beschloss der Rat, eine Resolution an Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt auf den Weg zu bringen, um die Institution zu retten.

„Schule könnte um die Hälfte schrumpfen“

Schulleiter Steffen Hemmer will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber wenn es so kommt, wie die Kaiserslauterer Lokalpolitik befürchtet, könnte das die Meisterschule für Handwerker ins Wanken bringen, sagte er auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Rund 700 Schüler besuchen die Einrichtung auf dem Seß, sie werden von 90 Lehrkräften unterrichtet. „Wenn die sechs dreijährigen Ausbildungsgänge der Berufsfachschule wegfallen, würde die Schule um die Hälfte schrumpfen“, so Hemmer, der seit Februar 2020 an der Schule, die in der Trägerschaft des Bezirksverbandes ist, Regie führt.

Das Problem: Wir wissen noch nichts Genaues.“ Deshalb will er auch keine Schimpftiraden loslassen. Bedenken aber will er sehr wohl anmelden. Viele Schüler, die die Berufsfachschule besuchten, seien für eine normale Lehre, also eine duale Ausbildung, gar nicht geeignet. In der Berufsfachschule, wo Theorie und Praxis unter einem Dach stattfinden, es eigene Werkstätten gibt, könnten die jungen Leute pädagogisch ganz anders an die Hand genommen werden als in einem Betrieb. Da gebe es auch Sozialarbeiter. Das zahle sich in vielen Fällen aus, Partnerbetriebe, die die Auszubildenden durch Praktika kennenlernen, seien oftmals bereit, ihnen nach der Gesellenprüfung einen festen Arbeitsplatz anzubieten. Er habe den Verantwortlichen im Wirtschafts- und Bildungsministerium deshalb auch Gespräche mit Vertretern dieser Betriebe angeboten. Gerade Steinmetze oder Goldschmiede werden laut Hemmer kaum noch im Betrieb ausgebildet. Da besetze die Meisterschule eine Nische.

„Meist im Betrieb gescheitert“

Hemmer befürchtet, dass die Politik in Mainz davon ausgeht, die Handwerksbetriebe, die händeringend Nachwuchs suchen, könnten profitieren, wenn die Berufsfachschule ins Abseits gedrängt wird. In der Praxis werde das aber eher nicht funktionieren. „Wer zu uns kommt, ist meist im Betrieb gescheitert.“ Wer dort ein paar Mal zu spät komme, sei raus. In der Berufsfachschule würden die Azubis intensiv begleitet. Theorie und Praxis seien ganz eng aufeinander abgestimmt. „Wir können ganz anders wirken.“

Landtagsabgeordneter Andreas Rahm (SPD) versuchte, die Problematik herunterzuspielen. Es finde derzeit lediglich eine Überprüfung statt, ob es noch sinnvoll sei, in allen Sparten auszubilden. Derzeit werden an der Berufsfachschule Feinwerkmechaniker, Goldschmiede, Informationselektroniker, Maler, Metallbauer, Steinmetze und Tischler fit für den Beruf gemacht. Rahm sagte ganz offen, es gebe Befürchtungen, dass die Meisterschule den Betrieben Nachwuchs abzieht.

„Aus würde die Meisterschule massiv verändern“

Vertreter aller Fraktionen waren sich einig, dass die Berufsfachschule nicht geopfert werden darf. Brigitta Röthig-Wentz, FDP, argumentierte, es sei wichtig, zusätzlich überbetrieblich auszubilden. Lea Siegfried, Grüne, erinnerte daran, dass für die Fachschule erst neue Hallen gebaut wurden. Gabriele Wollenweber, Freie Wähler, befürchtete: „Ein Aus würde die Meisterschule massiv verändern.“ Was dort gelehrt werde, sei „sehr aktuell“. In der Resolution heißt es dazu, in der Berufsfachschule werde eine Ausbildung von unbestritten hoher Qualität und vor allem Vielseitigkeit geboten, Absolventen seien auf dem Arbeitsmarkt hervorragend vermittelbar. Zahlreiche Unternehmen der Region zählten auf den Nachwuchs. Da Menschen einen unterschiedlichen Zugang zum Lernen besitzen, sei es aus gesellschaftlicher Sicht wichtig, das Angebot daran anzupassen. „Es braucht eine breit aufgestellte Bildungslandschaft, um niemanden im Ausbildungsprozess zu verlieren.“

Anlass, die Berufsfachschule überhaupt auf den Prüfstand zu stellen, ist das Auslaufen einer Bundesverordnung im Jahr 2026.

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