Kaiserslautern
Leipziger Straße: Bau der Regenrückhaltebecken geht voran
Die Baustelle entlang der Hohenecker Straße fällt ins Auge: Ein Bauzaun hegt das Gebiet ein, die Zufahrt zur Leipziger Straße ist für Verkehr und Fußgänger deutlich sichtbar gesperrt. Mit gutem Grund. Denn derzeit laufen dort die Arbeiten an gleich drei Regenrückhaltebecken. Sie sind Teil des neuen Regenwasserkonzepts für die Leipziger Straße der Stadtentwässerung. Eines der Becken ist bereits entlang der Hohenecker Straße entstanden, zwei weitere sollen ein Stück weiter an der Leipziger Straße gebaut werden. Bagger und Kipplaster sind auf der Leipziger Straße unterwegs und transportieren tonnenweise Erde.
Das erste Regenrückhaltebecken entlang der Hohenecker Straße besteht aus einer Mulde, in der 1400 schwarze PVC-Boxen aufgestellt sind, sogenannte Speicherrigolen. Jede Box misst 60x60x60 Zentimeter, erklärt Eugen Wiesner, der zuständige Projektleiter bei der Stadtentwässerung. Die Boxen sind nach oben offen und miteinander verbunden. Damit sie nicht mit Erde verunreinigt werden, wird über ihnen eine Vliesschicht angebracht, durch die das Wasser versickern kann. Darüber kommen 30 Zentimeter Erde, die sogenannte belebte Bodenzone, wie Wiesner erklärt. Hierauf können künftig Gräser wachsen. Der Radweg, der derzeit der Baustelle weichen musste, soll um drei Meter versetzt wieder angelegt werden.
Begrünte Böschung geplant
Die Boxen sind bereits gesetzt, das Vlies angebracht. Gerade wird die Fläche mit Erde befüllt. Sie stammt von der Baustelle vor Ort, wurde jedoch zuvor gesiebt. Sickere das Wasser durch diese Bodenschicht, werde es dabei gereinigt, Schadstoffe könnten so herausgefiltert werden, erklärt Wiesner. Am Ende der Erdarbeiten soll hier eine Mulde entstehen, in der sich das Wasser maximal auf einer Höhe von 30 Zentimetern aufstauen soll, berichtet Woll. Die Böschung rund um die Mulde werde begrünt, so dass sich das Regenrückhaltebecken möglichst harmonisch in die Landschaft einfügen werde. Später werden nur einige schwarze Überläufe, die Inspektionsöffnungen, aus der Fläche herausschauen, über die das Wasser, sollte es sich höher stauen, direkt in die Becken einfließen könne.
Früher wäre ein solches Regenrückhaltebecken mit grobem Schotter verfüllt worden, schildert Jörg Woll, der Sachgebietsleiter für die generelle Entwässerungsplanung bei der Stadtentwässerung. Rund 300 Liter Regenwasser hätten so auf einen Kubikmeter zurückgehalten werden können, um nach und nach im Erdreich zu versickern. Die Speicherrigolen sind zu deutlich mehr Leistung im Stande: Sie haben ein Rückhaltevolumen von 900 Litern auf den Kubikmeter, sagt Wiesner.
Regenwasserkanal wird verlegt
Die Arbeiten an diesem Becken werden noch rund zwei Wochen dauern, danach geht es an den Ausbau der zwei Regenrückhaltebecken entlang der Leipziger Straße. Die Vorarbeiten sind schon gemacht. Hier soll ein anderes System zum Einsatz kommen, die beiden Becken sollen kaskadenartig angelegt werden und eine Tiefe von 1,5 bis drei Metern erhalten. Sie werden als offene Erdbecken gestaltet, bei denen weder Beton noch PVC-Speicherrigolen zum Einsatz kommen. Um die Becken werde sich eine steile Uferböschung befinden, die mit klimaresistenten Bäumen bepflanzt werden soll. Das werde in Zusammenarbeit mit dem Forst geschehen. Um die tiefen Becken abzusichern, werde ein Zaun darum errichtet, schildert Woll.
Bisher wird das Regenwasser, das auf der Leipziger und Hohenecker Straße anfällt, gemeinsam mit dem Schmutzwasser über den Mischwasserkanal in Richtung Innenstadt abgeführt, bevor es in die Kläranlage kommt. Das soll künftig nur noch in viel geringerem Ausmaß der Fall sein, erklärt Woll. In erster Linie soll das Regenwasser, das in den neuen Rückhaltebecken landen wird, ins Erdreich fließen. Die Versickerungseigenschaften des Bodens an dieser Stelle seien gut, sagt Woll.
Nicht mehr in die Kläranlage
Um das Regenwasser, das auf der Oberfläche anfällt, in die Rückhaltebecken zu bringen, wird in der Leipziger Straße ein neuer Kanal parallel zum bestehenden Mischwasserkanal verlegt. Die neue Lösung biete gleich mehrere Vorteile, zählt Woll auf: Der Mischwasserkanal werde entlastet, was zum Überflutungsschutz in der Innenstadt beitrage. Gleichzeitig müsse das Regenwasser nicht unnötigerweise durch die Kläranlage geleitet werden, sondern werde dem natürlichen Wasserkreislauf und dem Grundwasser zugeführt. In den Zeiten, in denen extrem viel Regenwasser anfalle, könne ein Teil davon ins städtische Kanalnetz geleitet werden, so Woll. Dies erfolge dann aber zeitlich verzögert.
Noch in diesem Monat beginnen auch außerhalb des abgesperrten Baustellenbereichs in der Leipziger Straße Vorarbeiten, die kurzzeitige halbseitige Sperrungen nach sich ziehen werden. Es werden Suchschlitze gegraben, um die verlegten Kabel zu kartographieren: „Wir wissen in etwa, wo sie sind, aber nicht, in welcher Tiefe sie liegen“, sagt Wiesner.