Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kool Savas auf dem Betzenberg: Hip-Hop im Herzen der Pfalz

Seit den 1990er-Jahren gehört Rapper Kool Savas zu den festen Größen im deuschen Hip-Hop.
Seit den 1990er-Jahren gehört Rapper Kool Savas zu den festen Größen im deuschen Hip-Hop.

Er selbst nennt sich King of Rap: Seit den 1990er-Jahren gehört Rapper Kool Savas zu den festen Größen im deutschen Hip-Hop. Auch 25 Jahre später kann er seine Fans noch begeistern. Am Donnerstag war er in der Pfalz zu Gast und hat den Betzenberg brennen lassen.

In der Karlsberg-Fanhalle am Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern liegt am Donnerstag knisternde Erwartung in der Luft. Auf dem Betzenberg, auf dem eigentlich der Fußball und die Roten Teufel daheim sind, stehen an diesem Abend alle Zeichen auf Musik. Eine ungewohnte Kombination, die allerdings noch öfter vorkommen soll. Schließlich möchte die FCK-Gastronomie die Karlsberg-Fanhalle-Nord verstärkt zur Eventlocation mitten im Herz der Pfalz aufbauen. Dazu gehören neben diversen Party-Konzepten und Comedy Veranstaltungen auch ausgewählte Konzerte. Auftakt macht der selbst ernannte „King of Rap“: Kool Savas.

Der mittlerweile 49-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Savas Yurderi heißt, gehört zu den wohl einflussreichsten Künstlern im Deutsch-Rap und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Battle-Raps. Seit den 1990er-Jahren ist der Aachener mit türkischen Wurzeln schon musikalisch aktiv. Er verzeichnet fünf Nummer-1-Alben in Folge, Gold- und Platinauszeichnungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Mit monatlich rund zwei Millionen Hörern auf der Musikplattform Spotify hat Kool Savas eine große Fangemeinde.

Hip-Hop-Fans im roten Trikot

Einige von seinen Fans sind am Donnerstag ins Herz der Pfalz auf den Betzenberg gekommen. Viele davon auch stilecht im Trikot der Roten Teufel. Erst zwei Wochen vorher war der Künstler angekündigt gewesen. Ausverkauft ist die Veranstaltung deshalb nicht – die Stimmung ist trotzdem sehr gut. Das liegt mitunter an der intimen Atmosphäre der Fanhalle Nord. Umgeben von Graffitis und Bannern zu Ehren des 1. FC Kaiserslautern bietet der überschaubare Zuschauerraum perfekte Voraussetzungen für guten, alten Hip-Hop.

Bevor Kool Savas die Bühne stürmt, bekommen die Fans zunächst Musik vom Rapper CR7Z und Olli Banjo zu hören. Besonders Letzterer ist durch seine gemeinsamen Songs mit Kool Savas bekannt und kann die Menge mit seinem Auftritt überzeugen. Songs wie „Denkmal“ und „Deine Sprache“ werden laut mitgesungen. Und dann macht er sich natürlich noch beliebter, als er sagt: „Ich liebe Fußball und Traditionsvereine. Hier regiert der FCK, ich weiß euch zu schätzen.“ Belohnt wird er mit Applaus und lauten FCK-Fanrufen zwischen seinen Songs.

Ein aufwendiges Bühnenbild oder Spezialeffekte braucht es nicht. Die Texte und die Beats sprechen für sich. Das empfinden auch die Fans so. Man sieht Kopfnicken und erhobene Hände die im Takt mitwippen. Perfekte Aufwärmübungen für den eigentlich Höhepunkt des Abends.

Hip-Hop ohne Schnickschnack

Der ist natürlich der Auftritt von Kool Savas. Unterstützt wird er unter anderem von dem Produzent und DJ Eule. Jetzt wird es vor der Bühne richtig voll – und bei den sommerlichen Temperaturen auch richtig heiß. Auf der Bühne werden beim Auftritt des 49-Jährigen immer wieder kleinere Videosequenzen eingeblendet. Bis auf Rauchfontänen und Konfetti verzichtet aber auch der erfahrene Rapper größtenteils auf Spezialeffekte. Seinem Auftritt auf der Bühne tut das aber keinen Abbruch.

Sowohl alt bekannte Hits wie „Mona Lisa“, „Rhythmus meines Lebens“ und „Aura“ als auch neuere Songs wie „AMG“ werden vom Publikum textsicher mitgesungen. Dass die Fans sogar manchen Song sogar besser kennen als der Rapper selbst zeigt sich, als er einen Songeinstieg verpasst und ihm das Publikum die richtigen Worte vorrappt. Der kleine Fauxpas ist schnell vergessen.

Hip-Hop kann reifer werden

Kool Savas gibt sich bei seinem Auftritt sehr sympathisch. Verteilt Wasserflaschen im Publikum und scherzt immer wieder über seine Figur und sein Alter. Tatsächlich zeigt der Rapper, der gerade zu Beginn seiner Karriere unter anderem mit sehr anzüglichen Songtexten erfolgreich war, dass sich die Zeiten geändert haben. „Manche Songs könnt ihr euch Zuhause anhören. Aber auf meine Shows kommen auch jüngere Menschen. Ich spiele nichts mehr, das ich meinem Sohn nicht auch vorspielen würde“, sagt er und bekommt Applaus. Auch Deutscher Hip-Hop kann eben reifer werden.

Neben der Musik und Stimmung gab es aber auch eine kleine Randnotiz, die den Abend besonders schön gemacht hat: Über den ganzen Abend gibt es im Zuschauerraum kaum Handys, die zum Filmen oder Fotografieren in die Luft gehalten werden. Das fällt auch den Künstlern auf. „Ich finde es so schön, dass Kaiserslautern heute Abend Erinnerungen mitnehmen möchte und keine Videos. Danke dafür“, sagt Kool Savas, als er seine Show beendet.

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