Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „K in Lautern“: Leerstände bis Jahresende deutlich reduzieren

 Bei der Nachvermietung freier Flächen denkt man im „K in Lautern“ auch über unkonventionelle Lösungen nach: Escape Rooms oder B
Bei der Nachvermietung freier Flächen denkt man im »K in Lautern« auch über unkonventionelle Lösungen nach: Escape Rooms oder Bouldern in der Mall.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind im Einkaufszentrum „K in Lautern“ zu spüren. 18 Leerstände gibt es zurzeit. Bis Jahresende soll sich das ändern. ECE-Centermanagerin Sabine Friedrich spricht über erste Neueröffnungen, kreative Ideen und Wünsche für das Umfeld der Mall.

Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Einzelhandel fürchten einige Kaiserslauterer, das „K in Lautern“ könnte die Krise nicht überleben. Können Sie den Menschen die Angst nehmen, Frau Friedrich?
Ja, die kann ich den Menschen nehmen. Natürlich haben die gesetzlichen Regelungen wie der Lockdown den Einzelhandel die Pandemie sehr spüren lassen. Ohne Frage haben einige Konzepte nicht überlebt. Man muss aber auch sagen, das hat nicht unbedingt etwas mit Kaiserslautern zu tun: Bonita oder Klier, das sind bundesweite Insolvenzen.

Ich habe in den vergangenen Monaten aber auch gesehen, dass neue Konzepte entstehen, die in der Krise eine Chance sehen. Seit Beginn der Pandemie sind wir in Gesprächen mit Interessenten, die aber mit jedem Lockdown wieder ins Stocken geraten sind. Wer einen neuen Shop eröffnet, der möchte das natürlich nicht in einer Zeit machen, in der ein weiterer Lockdown droht. Trotzdem planen wir mit zwei Neueröffnungen im August. Und im vergangenen Monat hat im Food-Court bereits ein neuer Laden mit dem Namen Food Porn eröffnet. Dort gibt es Burger und Taccos.

Vergangene Woche waren im Essens-Bereich im Obergeschoss aber noch einige Läden dunkel und leer. Wie viele Leerstände haben Sie dort?
Zurzeit haben wir zwei Leerstände. Andere Mieter haben den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen, weil die Angst besteht, dass man der Gastronomie wieder einen Riegel vorschiebt oder man nicht uneingeschränkt öffnen darf. Wir wollen jetzt aber insgesamt in den Normalbetrieb kommen. Diese Prozesse dauern ein bisschen, weil viele Unternehmen ihre Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen müssen. Ab 1. August wollen wir aber mit allen Geschäften wieder zu den üblichen Öffnungszeiten von 9.30 bis 20 Uhr bereit stehen.

Sie haben zwei Neueröffnungen angesprochen: Um welchen Läden geht es?
Im Untergeschoss wird Waffelwerk eröffnen, dort werden frische Waffeln mit unterschiedlichen Toppings angeboten. Die zweite Neueröffnung darf ich erst Anfang August bekannt geben.

Im Dezember standen 15 Ladenflächen leer, wie viele sind dazugekommen?
Momentan haben wir 18 Leerstände.

Douglas plant, die Filiale im Einkaufszentrum aufzugeben. Wissen Sie von weiteren Schließungen, die folgen?
Nein, da ist uns nichts bekannt. Man muss aber auch sagen, Insolvenzen kommen oftmals überraschend. Was sich in den kommenden Monaten entwickeln wird, können wir noch nicht sagen. Wir führen aber präventiv Gespräche mit unseren Mietern, um einen Verlauf absehen zu können. In einer Pandemie muss man einfach viel Verständnis füreinander aufbringen. Wir haben Mieter auch mit entsprechenden Mietreduzierungen unterstützt.

Welche Angebote sollen denn neu ins „K in Lautern“ einziehen?
Wir sind aktuell sehr textillastig, daher gibt es Gespräche mit einigen Gastronomiekonzepten, die hier einziehen sollen. Daneben geht es um Hartwaren wie Haushaltsartikel, gerade im Untergeschoss. Zudem diskutieren wir über die Zusammenlegung von Shops, um marktgerechte Flächen anbieten zu können. Ein Elektronikmarkt ist weiterhin denkbar. Aber wir haben auch andere Branchen angesprochen: Blumengeschäfte, Gesundheitswesen, Dienstleistungen. Zudem diskutieren wir Konzepte aus dem Bereich Freizeit, zum Beispiel Escape Rooms oder verrücktere Themen wie Bouldern in der Mall. Die Pandemie bringt es mit sich, mal ganz andere Wege einzuschlagen.

Weggefallen sind beispielsweise das Schuhgeschäft Dielmann oder der Friseur Klier. Sind da Eins-zu-eins-Nachbesetzungen denkbar?
Ja, auf jeden Fall. Wir sind in intensiven Gesprächen, um diese Lücken zu füllen.

Sprechen Sie mit Anbietern aus der Innenstadt, die in die Mall umziehen sollen?
Für uns ist die Wechselwirkung mit der Innenstadt sehr wichtig. Das K in Lautern hat alleine nicht die Strahlkraft, wie das gemeinsam mit der Innenstadt der Fall ist. Deswegen ist es für uns sehr wichtig, dass auch die Leerstände in der Innenstadt qualitativ und zeitnah gefüllt werden.

Wie sieht denn Ihr Zeitplan aus? Bis wann wollen Sie die freien Flächen wieder vermietet haben?
Wenn es keine erneuten Einschränkungen gibt, gehen wir von einer deutlichen Reduzierung der freien Flächen bis zum Ende des Jahres aus. Das heißt, dann sind vielleicht noch acht Leerstände übrig, die wir dann im ersten oder zweiten Quartal 2022 in Angriff nehmen. Kommt es aber zu einem weiteren Lockdown, wird das nicht gelingen.

Apropos Lockdown: Wie ist der Betrieb denn nach den Schließungen im Frühjahr wieder angelaufen? Vor der Pandemie kamen im Schnitt 25.000 Besucher am Tag. Wie sieht das momentan aus?
Nach dem Ende des Lockdowns im März hatten wir hervorragende Zahlen. Die Kunden haben sich nach Normalität gesehnt, auch die Mitarbeiter in den Stores. Das hat sich dann aber wieder schnell normalisiert wegen der Bundesnotbremse, durch die wir wieder Einschränkungen hatten. Zurzeit sind wir nicht auf einem Vor-Corona-Niveau, aber wir sind auch weit weg von dem, was wir während Click&Meet hatten. Wir liegen etwa 15 Prozent unter den Zahlen von 2019. Bei den Menschen ist eine Verunsicherung festzustellen, auch wegen der Diskussion über die Delta-Variante. Wobei wir im Einkaufszentrum einen sehr guten Luftwechsel haben, die Kontaktflächen werden ständig gereinigt, es herrscht Maskenpflicht und Abstandsgebot und es gibt Desinfektionsspender.

Aktuell wird diskutiert, wie man die Innenstadt nach der Corona-Pandemie beleben kann: Was würden Sie sich wünschen?
Da geht es um Schlagworte, die bei uns bisher schon galten: sauber, sicher, hell. Das heißt, es muss immer für Sauberkeit gesorgt werden, die Mülleimer werden regelmäßig geleert und wir haben einen Sicherheitsdienst im Haus. Das ist wichtig für ein Shopping-Center, aber genauso für die Innenstadt. Daneben braucht es ausreichend Sitzmöglichkeiten, Ruhezonen, eine gewisse Begrünung: Dinge, die für die Aufenthaltsqualität wichtig sind.

Gerade in den Abendstunden gibt es Menschen, die den Bereich um Mall, Rathaus und Theater meiden, weil sie sich unwohl fühlen. Wünschen Sie sich mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt?
Das wünschen wir uns absolut. Wir sind in intensiven Gesprächen mit Polizei, Ordnungsamt und der Stadt, weil wir uns eine deutliche Verbesserung der Situation wünschen. Daran wollen wir mitarbeiten, beispielsweise indem wir auf unserem Grundstück gestalterisch tätig werden. Aber ich kann da noch so viel Dekoration und Pflanzen anbringen: Wenn ich um 20 Uhr schließe, kann ich nur beten, dass es am nächsten Tag noch da ist. Man muss sich einfach Gedanken machen, wo man Alternativen schafft für das Klientel, das sich zurzeit dort aufhält. Das ist dann aber in der Tat eine Aufgabe der Stadt.

Neben der Pandemie befürchten Einzelhändler auch negative Auswirkungen durch die Ansiedlung des Amazon-Logistikzentrums. Teilen Sie diese Sorge?
Online-Shopping ist ja nicht erst seit der Krise ein Thema, aber die Pandemie hat das beschleunigt. Das kann man nicht zurückdrehen. Es ist an uns, sich anzupassen und den stationären Handel mit dem Online-Shoppen zu verbinden. Aber der Mensch sucht nach wie vor Stätten der Begegnung. Und das sind die Innenstädte.

ECE-Centermanagerin Sabine Friedrich.
ECE-Centermanagerin Sabine Friedrich.
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