Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jasmin Awan von den Freien Wählern: „Machen ist mein Lieblingswort“

„Wir müssen schauen, dass wir Innovationsland bleiben, sonst sind wir nicht zukunftsfähig“, sagt Jasmin Awan. Sie arbeitet im Fr
»Wir müssen schauen, dass wir Innovationsland bleiben, sonst sind wir nicht zukunftsfähig«, sagt Jasmin Awan. Sie arbeitet im Fraunhofer IESE.

Jung, ehrgeizig und gleich mit mehreren Studienabschlüssen: Jasmin Awan aus Kaiserslautern möchte im Wahlkreis 45 für die Freien Wähler in den Landtag einziehen.

Sie ist so etwas wie eine Senkrechtstarterin: Jasmin Awan. Vor zwei Jahren erst brachte sie ihre Parteifreundin Silke Wiedmann auf die Idee, sich den Freien Wählern (FW) anzuschließen. Und wenn die am 22. März die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, könnte es für die 32-Jährige sogar klappen mit dem Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag. Sie steht auf Listenplatz 6. Für die FW habe sie sich entschieden, „weil mir Freiheit besonders wichtig ist und ich mich hier nicht einer Ideologie unterordnen muss“. Ihre Partei sei anders, weil sie von der Basis komme – „wir stellen viele Bürgermeister und Ortsvorsteher“ – und deshalb die Bedürfnisse der Bürger besser kenne. Dass sie nach so kurzer Zeit dort steht, wo sie steht, sei typisch für sie: „Wenn ich was tue, dann will ich etwas bewegen und vorne mit dabei sein.“

„Machen ist mein Lieblingswort“, sagt Awan, ledig, keine Kinder. Es wirkt nicht aufgesetzt. Die junge Frau hat schon einiges geschafft. Ihr Bachelorstudium International Business Management hat sie in Deutschland, Frankreich und der Schweiz absolviert mit einem Auslandssemester in Südafrika, den Master hat sie an der RPTU gemacht und berufsbegleitend noch einen Master in Organisationsentwicklung angehängt. Sie arbeitet am Fraunhofer IESE in der Unternehmenskommunikation und dem Technologiemarketing, ist für Fachkräftgewinnung zuständig. Seit 2022 ist sie zudem Beauftragte für Chancengleichheit.

„Ich bin ein bisschen ruhelos“

Als Landtagsabgeordnete würde sie gerne das Ehrenamt stärken. Sie war schon früh ehrenamtlich aktiv, im Jugendrotkreuz, während ihrer Schulzeit am Hohenstaufen-Gymnasium half sie bei der Hausaufgabenbetreuung, später absolvierte sie eine Ausbildung als Rettungssanitäterin, fuhr Einsätze. „Ich bin ein bisschen ruhelos“, gesteht sie. „Und neugierig.“ Deshalb habe sie schon bei der Weinlese geholfen und eine Kuh gemolken. Sie netzwerke gerne. „Weil man dadurch ganz viel lernt.“ Von ihrem Mentor Joachim Streit, dem Spitzenkandidaten der Freien Wähler, habe sie gelernt: „Man muss auf Menschen zugehen und ihnen dienen wollen.“ Ein Gesellschaftsjahr für alle würde sie gut finden. „Das könnte sogar eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel sein. Wir könnten in Rheinland-Pfalz ein Pilotprojekt starten“, so Awan.

Thematisch sind Awan drei Schwerpunkte wichtig: Bildung, Wirtschaft sowie Gesundheit und Pflege. Die Uni- und Forschungslandschaft vor Ort kennt sie. Sie weiter zu stärken, sei immens wichtig. „Wir müssen schauen, dass wir Innovationsland bleiben, sonst sind wir nicht zukunftsfähig. In Kaiserslautern haben wir erhebliche Potenziale, von denen auch der Mittelstand profitiert.“ Wichtig sei es, die Gründerszene zu bewahren und zu fördern. „Unternehmensgründungen müssen leicht und finanzierbar sein.“ Wobei sie weiß: „Das Handwerk dürfen wir daneben nicht länger vernachlässigen.“ Der Zugang zur Bildung beginnt für sie schon in den Kitas. „Wir fordern ein verpflichtendes Vorschuljahr, damit alle Kinder auf einem Level sind, wenn sie eingeschult werden.“ Zudem müsse dringend Sprachförderung parallel zum Unterricht kommen, „damit Chancengleichheit herrscht und es wieder besser läuft an den Schulen“. Klar gehe es da auch um Kinder mit Migrationshintergrund, sagt Awan, deren Vater aus Pakistan stammt.

„Nicht nur auf den Numerus clausus schielen“

Eine verlässliche Gesundheitsversorgung propagieren die FW. Awan sagt: „Es soll kein Krankenhaus mehr geschlossen werden müssen. Und wir brauchen dringend eine Ausweitung der Medizinstudienplätze in Rheinland-Pfalz und zum Beispiel eine Landarztquote, um dem Ärztenotstand begegnen zu können.“ Bei der Auswahl der Medizinstudenten nur auf den Numerus clausus zu schielen, hält Awan für falsch. „Wenn jemand eine Leidenschaft für den Beruf hat, dann zählt das mehr als ein Abitur mit 1,0.“

In ihrer Freizeit wandert Awan leidenschaftlich gerne, sie schwärmt von der Karlstalschlucht und der Schneckennudel-Tour bei Bad Dürkheim. „Bei der Tourismusförderung ist noch viel Luft nach oben, der Pfälzerwald ist einzigartig und unsere Hüttenkultur ist einmalig, da geht mehr.“

Zur Sache: Der Wahlkreis 45

Der Wahlkreis 45 umfasst die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt sowie die Verbandsgemeinden Enkenbach- Alsenborn, Otterbach-Otterberg und Lambrecht.

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