Landtagswahl
Grünen-Kandidat Paul Bunjes: „Trotz anderer Meinung zusammen das Fahrrad reparieren“
Paul Bunjes ist niemand, der auffällt. Niemand der laut ist. Niemand, der im Rampenlicht stehen muss. Der 31-jährige Pulli- und T-Shirt-Träger arbeitet lieber ruhig, sachorientiert. Das heißt nicht, dass er seinen Standpunkt nicht beharrlich verteidigt, dass er sich nicht durchsetzen kann. Zwar hat er den Einzug ins Landesparlament vor fünf Jahren verpasst. Aber im Mai 2022 wurde er ins Landesvorstandsduo der Grünen gewählt. Und 2024 bestätigt. Überzeugen kann er also.
Und das macht er am liebsten mit Argumenten. Da scheut er auch keine Auseinandersetzung – solange sie sachlich bleibt. Das beweist er seit 2019 im Stadtrat. Schon zuvor war er nicht nur politisch aktiv, sondern auch ambitioniert: 2017, mit gerade mal 22 Jahren, kandidierte er bereits für den Bundestag. An Selbstsicherheit mangelt es dem gelernten Landwirt, der demnächst sein ruhendes Studium in ökologischer Landwirtschaft in Kassel-Witzenhausen mit dem Bachelor abschließen will, nicht.
„Ich bin sicher drin“, sagt Bunjes diesmal entspannt
2021 verpasste er auf Listenplatz 12 knapp den Einzug in den Landtag. Nun schicken ihn die Grünen für den Wahlkreis 44 erneut ins Rennen, diesmal auf Platz 6. „Ich bin sicher drin“, sagt er entspannt über seine Chancen. Denn seine Partei müsste stark gegenüber den Umfragen verlieren, damit er wieder den Einzug verfehlt: Bei den laut Umfragen derzeit zehn Prozent hätten die Grünen elf Sitze. „Ein zweistelliges Ergebnis wäre gut“, lautet seine bescheidene Hoffnung fürs landesweite Abschneiden seiner Partei. Doch schon vor der Wahl kann er sich in Mainz eingewöhnen: Auf den letzten Metern ist er noch nachgerückt. Den Landesvorsitz gibt er im Mai beim Parteitag ab, denn laut Grünen-Satzung schließen sich Landtagsmandat und Vorsitz aus.
Inhaltlich hat sich der 31-Jährige, der in Mannheim geboren und seit dem vierten Lebensjahr in Kaiserslautern aufgewachsen ist, zwei große Themen vorgenommen: Erstens das ureigene grüne Ziel „Schutz von Umwelt und Klima“, zweitens den „Zusammenhalt unserer Gesellschaft“. Den will er mit mehr Begegnungen schaffen: „Die Menschen müssen ins Gespräch kommen, zum Beispiel in der Fahrradwerkstatt, einem Stadtteilcafé, der Kiezkneipe, einem Repaircafé“, schwebt ihm vor. Beim „Ausleihen eines Schlagbohrers“ würden Gespräche entstehen, die „durchaus konfliktreich sein können, aber aus der Blase heraushelfen und die verlernte Diskussionskultur wiederbeleben. Wir müssen dem Gefühl der kollektiven Ohnmacht etwas entgegensetzen.“ Die Stärke einer vielfältigen Gesellschaft sei gerade, eine andere Meinung auszuhalten und trotzdem zusammen ein Fahrrad reparieren zu können. Doch es gibt für Bunjes auch eine Grenze: Bei „menschenverachtenden, offen diskriminierenden Äußerungen“ ende die Toleranz.
„Billard mit Bunjes“ oder „Pizza mit Paul“
Bunjes erkennt durchaus an, dass Menschen ernstzunehmende Ängste haben, wie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder vor Kriminalität. „Wenn dann Migration als Grund genannt wird, muss man die falsche Verknüpfung aufbrechen, man muss erklären und aufklären.“ Und so will er auch jetzt mit den Leuten locker ins Gespräch kommen, „zum Beispiel bei Veranstaltungen wie ,Billard mit Bunjes’ oder ,Pizza mit Paul’“.
Auch dem Thema Wohnen will sich Bunjes, der in seiner Freizeit gerne kocht, liest, Fahrrad fährt und mit Freunden loszieht, als Landtagsabgeordneter widmen. Um vor allem für weniger Betuchte Wohnraum zu schaffen, sollte es mehr städtische Wohnungsbaugesellschaften geben. Mit Gesetzen und Förderkulissen könnte das Land Rahmenbedingungen schaffen und Anreize bieten, „zum Beispiel mit Umnutzungs- und Umbauprämien von Gewerbe zu Wohnen oder mit Nachverdichtung“.
Um solche Dinge zu finanzieren, müsste das Geld anders verteilt werden, lautet seine Maxime: „Statt neue Straßen zu bauen, vor allem Umgehungsstraße, sollten lieber die vorhandenen schlechten saniert werden.“ Bei der viel kritisierten Bahn sieht er immerhin schon Fortschritte – „den Regionalexpress nach Mainz, die Reaktivierung der Zellertalbahn, die Akkuhybridzüge nach Kusel“ –, und das Deutschland-Ticket habe gezeigt, dass Angebot auch Nachfrage schafft. Eine weitere Alternative seien mehr Car-Sharing-Angebote. „In der Stadt Kaiserslautern braucht man kein eigenes Auto.“
Info
Der Wahlkreis 44 umfasst die kreisfreie Stadt Kaiserslautern ohne die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie ohne die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt.