Kaiserslautern
Gaspreis der SWK steigt – wo stehen andere Anbieter?
Grund zur Freude ist eine Preissteigerung nie – jedenfalls nicht für den, der zahlt. Die Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) haben zum Januar ihren Gaspreis erhöht. Der Verbrauchspreis stieg laut Kundenanschreiben von 9,59 auf 10,85 Cent pro Kilowattstunde, der Grundpreis von 11,03 auf 11,90 Euro pro Monat im Tarif Online Privat.
Als Erläuterung ist im Schreiben dazu zuerst die Reduzierung der Gasspeicherumlage genannt und welche Ersparnis dies für den Durchschnittshaushalt bedeutet – wodurch sich einige Kunden etwas veralbert fühlten. Dann erst sind „andere Preisbestandteile“ aufgeführt: Zum Beispiel die Erhöhung des „CO2-Preises entsprechend der gesetzlichen Vorgaben“ sowie zum Jahreswechsel gestiegene Nutzungsentgelte und Energiepreise.
Doch wie setzt sich der Gaspreis für Endkunden überhaupt zusammen? Man kann die einzelnen Posten in drei Hauptbestandteile untergliedern: Erstens Energiebeschaffung und Vertrieb (rund 60 Prozent). Zweitens Netzentgelte und Messstellenbetrieb (rund 15 bis 20 Prozent) und drittens Steuern, Abgaben und Umlagen (rund 20 bis 30 Prozent).
Versorger müssen Preiserhöhungen erläutern
„Erhöht ein Versorger den Preis, ist er verpflichtet, dies zu erklären“, erläutert Max Müller, Referent Energiewirtschaft in der Verbraucherzentrale Mainz, die Transparenzpflicht. Aber es gibt eine Krux: „Um Vertriebs- und Beschaffungskosten zu erfahren – also: Wo kauft der Versorger für welchen Preis auf dem Weltmarkt Gas ein? –, muss ich die Bilanzen sehen. Diese fallen jedoch unter das Betriebsgeheimnis.“ Dazu gebe es eine Rechtsprechung. „Doch der Bundesgerichtshof geht gleichzeitig davon aus, dass die Versorger seriös sind und nicht lügen.“ Volle Transparenz sei jedoch eher die Ausnahme, weiß Müller aus Erfahrung.
SWK-Sprecherin Dorothea Schröder erläutert auf RHEINPFALZ-Nachfrage die Zusammensetzung des Gaspreises: „Die meisten Faktoren der Preisgestaltung – Steuern, Umlagen und Abgaben – sind vorgegeben und können somit nicht von den Energieversorgern beeinflusst werden.“ In Summe seien dies bei den SWK „Kostenbestandteile, die zu fast 50 Prozent den Endkundenpreis bestimmen“, nennt Schröder also einen höheren Anteil als der Durchschnitt der Versorger.
Dann führt sie weitere Faktoren aus allen drei Kategorien auf: „Alleine die Netznutzungsentgelte“ – zweite Kategorie – „sind zum Jahreswechsel um mehr als 25 Prozent gestiegen.“ Dazu kommen „steigende Kosten aus dem CO2-Preis“ – dritte Kategorie – „und ein Anstieg bei Beschaffungskosten“ – erste Kategorie. „Wir als Energieversorger haben auf diese Preisbestandteile also keinen Einfluss und profitieren hiervon auch nicht“, meint sie dazu.
SWK tragen als Grundversorger „hohes Rsisiko“
Zudem argumentiert sie, dass „der Anteil für Beschaffung und Vertrieb keine reine Gewinnmarge“ sei. Dazu komme, dass die SWK als kommunales Unternehmen Grundversorger sei, also alle mit Gas versorgen müssen, die keinen anderen Tarif haben. Und damit tragen sie ein hohes Risiko zum Beispiel bei Zahlungsausfällen.
Der gesetzlichen Informationspflicht sind die SWK laut Schröder fristgerecht nachgekommen, mit dem Schreiben „sechs Wochen vor Wirksamkeit der Preisanpassung“, damit habe für jeden Kunden ein Sonderkündigungsrecht gegolten.
Zum Gaspreis selbst erläutert sie, die SWK seien durch eine „vorausschauende Beschaffungsstrategie“ „von einem vergleichbar niedrigen Preisniveau aus der Krise hervorgegangen“. Tatsächlich ist der Gaspreis der Lauterer Stadtwerke auch nach der Erhöhung nicht überteuert. Die TWL (Technischen Werke Ludwigshafen) beispielsweise haben zwar die Preise gesenkt, sind aber mit einem Verbrauchspreis von 12,28 Cent immer noch teurer als die SWK.
Genaue Vergleichszahlen sind jedoch sehr schwer zu eruieren. Der Durchschnittspreis für Bestandskunden lag Ende 2025 laut Finanztipp bei 11,56 Cent pro Kilowattstunde – also deutlich über dem SWK-Preis –, doch darin sind rund ein Viertel der Kunden im teuren Grundversorgertarif. Der deutlich günstigere Durchschnittspreis von 9,27 Cent wiederum bezieht sich auf Neukunden. Im SWK-Tarif Online Privat zahlt ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden 174,65 Euro pro Monat. Bei den TWL sind es 204 Euro.
Auf Vergleichsportalen die Preise checken
Wer wissen will, ob es noch günstiger geht, „der kann auf einer der Vergleichsportale im Internet schauen“, rät Max Müller. Zum Beispiel bei Verivox, Finanztipp oder Check24 gibt man seinen aktuellen Verbrauch ein, und schon werden Alternativen angezeigt. Aber aufgepasst: Der angegebene Endpreis ist meist durch Neukundenrabatte, die nur im ersten Jahr gelten, vergünstigt. Dieser Bonus sollte herausgerechnet werden, um einen langfristigen Vergleich zu bekommen. Doch laut Müller sollte man sogar „jedes Jahr den eigenen Tarif über ein Preisportal prüfen“.
Um nicht auf einen unseriösen Anbieter hereinzufallen, rät Müller, „die Urteilsdatenbank auf der Seite der Verbraucherberatung aufzurufen und nach dem Anbieternamen zu suchen“. Er nimmt aber gleichzeitig die Angst vor einem Wechsel: „Gas oder Strom werden nicht abgedreht, wenn ein Vertrag endet und noch kein neuer besteht! Man wird dann automatisch vom lokalen Grundversorger beliefert“, in Kaiserslautern also von den SWK. Dies sei anders als bei Telekommunikation. „Bei Gas und Strom muss der physische Zähler abgeklemmt werden, damit die Belieferung endet.“