Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Einwanderer Solomon Tsehaye hat sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut

Solomon Tsehaye hat 2014 Eritrea verlassen.
Solomon Tsehaye hat 2014 Eritrea verlassen.

Solomon Tsehaye aus Eritrea lebt seit elf Jahren in Deutschland. Er ist voll integriert. Wie er seine neue Heimat erlebt.

Mutter, Bruder, Onkel und Tante haben bereits in Deutschland gewohnt, als Solomon Tsehaye im Juni 2014 mit einem Drei-Monat-Visum ankam. Mit Mitte 20 habe er in seiner Heimat als Krankenpfleger gearbeitet, schildert Tsehaye. Aber eigentlich fühlte er sich als Künstler und tat alles dafür, dass er dieser Berufung nachgehen konnte. Das Filmemachen ebenso wie die englische Sprache hatte er sich mit dem Handy selbst beigebracht. Dass er als Künstler in Eritrea keine freie Meinung ausdrücken konnte und ausschließlich Propagandafilme machen sollte, passte nicht in sein Konzept.

Aus Eritrea habe er anfangs ohne Plan einfach nur weggewollt, sagt Tsehaye. Bis zu seiner Anerkennung als Asylbewerber habe er autodidaktisch Deutsch gelernt, später bei Deutschkursen an der Hochschule andere Migranten und auch einen Professor kennengelernt, der Musiker ist. So kam es zum Kontakt zu der internationalen Band Shaian, über die er später einen Dokumentarfilm drehte. Als Regisseur hat der engagierte Künstler inzwischen mehr als 70 Musikvideos und zwölf Spielfilme produziert.

Keine Fremdenfeindlichkeit erlebt

Solomon Tsehaye ist in Deutschland angekommen. Als Christ sei die hiesige Religion für ihn kein Problem, erklärt Tsehaye. Manches sei dennoch anders für ihn. So entgehe ihm beispielsweise nicht, dass Fremde hier oft nicht willkommen sind. Selbst hat er dies aber nie erlebt. Gerne erinnert er sich noch an den Augenblick, als der damalige Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) ihm im Juli 2021 die deutsche Staatsangehörigkeit bestätigte: „Das war ein Supermoment.“

Seine Ehefrau, eine Juristin, war zwei Jahre vorher ebenfalls in der Pfalz gelandet. Tsehaye hat heute eine Festanstellung als Multimedia-Producer in einer Firma und ist daneben als freiberuflicher Filmemacher Autor, Regisseur, Kameramann sowie Producer im Bereich Multimedia-Arbeiten tätig. Seit dem vergangenen Jahr engagiert er sich außerdem im Migrationsbeirat der Stadt für Leute aus Eritrea, damit diese sich im Umgang mit den Behörden zurechtfinden. Tsehaye hat inzwischen Verwandte, die in Deutschland geboren sind.

Anderes Temperament und andere Temperaturen

„Eritrea ist ein sehr schönes Land, in dem Menschen verschiedener Glaubensrichtungen harmonisch zusammenleben“, betont er. Allerdings sei die hiesige Kultur etwas anders: für ihn als Künstler das Wichtigste. Kino und Theater gehören für das Ehepaar längst zum Alltag. Weitere Unterschiede? Eritreer seien eher wie die Italiener, nämlich laut und umarmend, Deutsche dagegen seien gefühlt etwas verschlossener, stellt Tsehaye fest. Und dann natürlich das Wetter. In Eritrea sei es das ganze Jahr über sonnig und warm. Seine Ehefrau liebe allerdings sogar den Schnee.

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