Kaiserslautern Eine Band, die befreit
Die kalten Temperaturen schlagen langsam aufs Gemüt. Höchste Eisenbahn für ein wenig Singer-Songwriter-Pop, bei dem man die Seele baumeln lassen kann. Und der kam am Samstag aus Berlin in den Cotton Club angetuckert. „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ lautet der Titel des zweiten Albums von Die Höchste Eisenbahn. Und wieder rattert die Band so schwungvoll wie eine Lokomotive durch sonnige Traum-Landschaften.
Lässig, leicht, ein wenig verrückt und das Herz auf der Zunge: So lässt sich die Berliner Popband wohl am besten beschreiben. Anders als ein Hochgeschwindigkeitszug nehmen sich die Songwriter Moritz Krämer, Sänger und Regisseur aus der Schweiz und Gewinner der 2011er „TV Noir Rakete“, und Francesco Wilking, der sich mit seiner Band Tele einen Namen in der deutschsprachigen Musikszene erspielt hat, alle Zeit der Welt, um ihrem Publikum eine schöne Fahrt zu bescheren. Auf dem Weg dahin gibt es poetische, sarkastische und dichte Popmusik, die live gespielt noch weiter von der Route abweicht als auf ihrer schneidigen zweiten Platte „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“. Dass sie als Musiker zusammenpassen haben Francesco Wilking und Moritz Krämer zum Glück schnell gemerkt. Ursprünglich war nur ein gemeinsamer Auftritt geplant. Daraus entstand 2011 ein ganzes Band-Projekt, dem Wilking den Namen Die Höchste Eisenbahn gab, einfach weil ihm das Bild einer „auf Stelzen fahrenden Eisenbahn“ so gut gefiel. Seine Musik beschreibt das Duo eher als „einen Film, der abwechselnd auf Zeitlupe und Double speed abgespielt wird, und die Filmrolle selbst hat zu lange in der Sonne gelegen“. Ein ziemlich treffender Vergleich – das merkt man, wenn man die Jungs live erlebt. Hier wird frei nach Schnauze musiziert, mit filmreifen Texten, aber ohne festes Skript und alles mit ordentlich Sonneneinstrahlung. Es geht um die kleinen Alltagssorgen des eigenen Ichs, um gescheiterte Beziehungskisten und freudige Momente, aber auch um eine ordentliche Prise Weltschmerz. Und das mit einem Sound, der geradezu prädestiniert ist für lange Autofahrten. Hinter recht simplen Titeln wie „Isi“, „Blume“ und „Stern“ verbergen sich nachdenklich-positive Geschichten. Das Tempo bleibt geschmeidig. Melodien, die auf Anhieb zugänglich sind und im Ohr bleiben. Dazwischen Texte, die mehr Inhalt offenbaren als erwartet: „Die Berge fallen ins Meer, Sonne, Mond und Sterne hinterher. Wenn wir uns so lange nicht seh’n, bleiben die Uhren am Hauptbahnhof steh’n“. Kurz: Musik zum Gute-Laune-haben-müssen und zum Vorwärts-kommen-wollen. Stillstehen ist nicht, hier schwingt die jugendliche Rastlosigkeit in jeder Zeile mit. Neben lässiger Leichtigkeit zeigen die Singer-Songwriter auch ihre durchgeknallt-verrückte Seite, gewöhnlich in den Pausen zwischen den Songs. Die kauzige Erscheinung von Francesco Wilking mit roter Kappe, Siebentagebart und Brille sowie der langhaarige Moritz Krämer erzählen gerne mal wirre und schier endlos ausufernde Geschichten über fliegende Smarties am Himmel, über Inseln, die in Wirklichkeit Wale sind, und über Wilkings potenzielle Rap-Karriere. Sie quatschen auf gut Deutsch einen Schmarrn zusammen, der doch irgendwie unterhält und beweist, wie gut die beiden tatsächlich aufeinander eingespielt ist. Sie wechseln sich nicht nur reibungslos an den Instrumenten ab, sie beenden auch die spontan konzipierten Hirngespinste des Anderen. Der infantile Humor der Jungs gehört genauso zum Charme der Band, wie das aus Neonröhren zusammengesetzte Deko-Glücksrad im Hintergrund. Nein, bei dieser Formation mangelt es nicht an Fuß-Gewippe und guter Laune. Eine Band, die befreit, Glückseligkeit versprüht und auf eine Reise durch instrumental-hingeträumte Landschaften und Lebensgeschichten mitnimmt.