Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Alpaka als Wachhund für Känguru, Rentier und Co

Erwin Schablowski und sein Enkel Luca im Gehege am Fuße Erlenbachs mit einem weißen Känguru.
Erwin Schablowski und sein Enkel Luca im Gehege am Fuße Erlenbachs mit einem weißen Känguru.

Kuh Johanna oder Elchkuh Natalie: Wenn ausgebüxte Tiere narkotisiert werden müssen, ist Erwin Schablowski noch immer ein gefragter Mann. Dafür schlägt er sich Nächte um die Ohren, liegt oft tagelang auf der Lauer. Und auch sein eigener Tierbestand fordert den 84-Jährigen nach wie vor heraus. Besonders im Winter.

Seit über 30 Jahren findet sich am Fuße von Erlenbach eine kleine Arche mit Tieren, die nun nicht unbedingt zu den heimischen Westpfälzer Arten gezählt werden. Zumindest nicht, was Rentier oder Känguru angeht, um nur zwei der dort lebenden Arten zu nennen. Das Areal, es gehört Erwin Schablowski, einem Schlosser, der über drei Jahrzehnte nachts in der RHEINPFALZ-Druckerei beschäftigt war, erst in Kaiserslautern und nach deren Schließung im Druckzentrum in Ludwigshafen.

„Ich bin schon über 24 Jahre daheim“, blickt er zurück und erzählt, dass er sich das Areal bei Erlenbach eigentlich für seine Schäferhunde zugelegt hatte, Schafe hätten den Aufwuchs klein halten sollen. Zu den Schafen gesellten sich Alpakas, Esel, Ponys, Sittiche, Pfaue, Rentiere, Kängurus, Sikahirsche, Mufflons, Emus und noch ein paar mehr.

Erwin Schablowski waren Interessierte immer willkommen, auch brachte er regelmäßig große Behindertengruppen mit seinen Tieren zusammen, oder aber er lud am Nikolaustag eins der Rentiere auf und fuhr damit in die Stadt zu den Kindern.

Durch seine Einsätze deutschlandweit bekannt

Wirklich bekannt wurde der Tierfreund aber durch andere Tiere: Die Kuh Yvonne etwa, die wochenlang durch Bayern und Deutschlands Medienlandschaft geisterte. Die Kuh war ausgebüxt, und Erwin Schablowski, ein anerkannter Tierfänger mit Narkosegewehr, war ihr auf den Fersen. Wenige Jahre später hielt ihn Kuh Johanna auf Trab. Doch Schablowski war nicht nur auf der Suche nach entlaufenen Kühen. Im Raum Kusel lag er nächtelang auf der Lauer, weil dem Tierpark Potzberg die Elchkuh Natalie entwischt war. Sie zeigte sich unkooperativ und wollte einfach nicht mehr heim.

Wie viele derartige Einsätze er in den zurückliegenden Jahrzehnten hatte? Schablowski weiß es nicht mehr. Gefragt ist der Tierfänger bis heute. Gerade war er wieder bei Ingolstadt auf der Suche nach einem entlaufenen Bullen unterwegs. War in Augsburg und jüngst auch in Neunkirchen. Dort war ein Schwein ausgebüxt und trieb sein Unwesen. Mensch und Tier vor Schlimmerem zu bewahren, das ist dabei immer noch sein Antrieb, sich winterkalte Tage und Nächte um die Ohren zu schlagen.

Im Winter ist die Arbeit mit den Tieren besonders hart

Auch seine kleine Arche treibt ihn immer noch an. „Das ist mein Leben“, entgegnet er allen, die ihn fragen, warum er sich diese Arbeit aufhalst. Klar, gerade jetzt im Winter ist es schon arg hart: Das Wasser friert ein und Schablowski muss seinen Tieren das Wasser eimerweise ranschleppen. Da merkt er schon die 84 Jahre, ist er ehrlich. Und genau deshalb hat er in den vergangenen Jahren auch den Tierbestand ziemlich abgebaut. Die Herde Alpakas hat er bis auf ein großes schwarzes Alpaka verkauft. „Das ist mein Wachhund“, erzählt er, dass mit dem Burschen nicht gut Kirschen essen ist.

Doch der Fuchs weiß offensichtlich, mit ihm umzugehen, denn der holt sich auf dem Gelände immer wieder junge Kälber, wenn es bei den leuchtend roten Sikahirschen Nachwuchs gibt. Von dieser Herde hat sich Schablowski bis heute nicht getrennt – sie müssen das Gelände offen halten. Seine Rentiere hat er auch noch und seine Bennett-Kängurus, die laufen und springen ebenfalls noch herum. Auch ein weißes ist darunter. „Das weiße Känguru im Zoo ist mit Sicherheit vom Fuchs oder Habicht geholt worden“, kommt er auf die Dramatik im Siegelbacher Zoo zu sprechen. Dort war ein junges weißes Känguru spurlos verschwunden.

Zuhause wird ein mutterloses Känguru aufgezogen

Zuhause in seiner Wohnung päppelt Schablowski derzeit ein mutterloses junges Känguru auf. Sehr zur Freude seines achtjährigen Enkels. Trotzdem: Sobald das Wetter wieder freundlicher wird, kommt das Jungtier zurück in die Herde. Aber es wird wohl nicht verkauft, das hat er dem Enkel versprochen. Ansonsten verkauft Schablowski schon Kängurus und auch Damwild. Muss ja sein, sagt er. „Wird ja sonst viel zu viel!“

Was ihn ein bisschen betrübt, ist die Tatsache, dass viele den Anblick der Tiere sehr genießen, aber niemand ihn bei seiner Arbeit unterstützen wolle. „Ich habe schon so oft versucht, jemanden zu finden, der es vielleicht ja mal weitermacht“, bedauert er, dass bislang niemand wollte.

August 2016: Mit diesem Pfeil hat der Erlenbacher Tierfänger Erwin Schablowski Kuh Johanna betäubt.
August 2016: Mit diesem Pfeil hat der Erlenbacher Tierfänger Erwin Schablowski Kuh Johanna betäubt.
Nach der wochenlangen Flucht ist Kuh Johanna in Emmelshausen auf einem Gnadenhof untergekommen.
Nach der wochenlangen Flucht ist Kuh Johanna in Emmelshausen auf einem Gnadenhof untergekommen.
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