Kaiserslautern
Das sind die Wünsche für Kaiserslautern: Wie Prominente die Stadt sehen
Ralf Leßmeister, Landrat des Kreises Kaiserslautern:
Kaiserslautern kann mit Stolz auf 750 Jahre Stadtgeschichte blicken – auf eine wechselvolle, aber stets von Tatkraft, Zusammenhalt und Innovationsgeist geprägte Entwicklung. Heute steht die Barbarossastadt als lebendiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, als Heimat vieler engagierter Menschen und als kultureller Mittelpunkt der Region sehr gut da. Besonders prägend ist der unerschütterliche Geist der Bürgerinnen und Bürger – jener Lautrer Geist, der auf dem Betzenberg ebenso zu spüren ist wie in unserem Landkreis und in vielen Betrieben und Vereinen.
Für die Zukunft wünsche ich Kaiserslautern, dass dieser Gemeinschaftssinn weiterhin Motor für Wachstum und Lebensqualität bleibt. Möge die Stadt ihren Platz als Zentrum von Bildung, Innovation und Kultur weiter ausbauen – und möge vor allem der 1. FC Kaiserslautern mit seiner einzigartigen Strahlkraft in absehbarer Zeit wieder erstklassig spielen: sportlich, aber vor allem im Herzen seiner Fans. Denn wie die Stadt selbst steht auch der FCK für Leidenschaft, Tradition und den festen Glauben daran, dass man gemeinsam Großes erreichen kann.
Dorothee Wüst, Präsidentin der evangelischen Kirche der Pfalz:
Ich lebe nun seit über 30 Jahren in und um Kaiserslautern und finde nach wie vor, dass es eine Stadt mit einer hohen Lebensqualität ist. Wir bieten guten Fußball und gutes Theater, leckeres Essen und heimelige Cafés, eine sehenswerte Pfalzgalerie und den Kulturort Kammgarn, mit der Stiftskirche eine der ältesten Kirchen der Pfalz und mit der RPTU einen exzellenten Ort der Wissenschaft. Ganz zu schweigen von dem wunderbaren Wald rings um uns her. Es lässt sich gut leben hier – egal, was andere sagen.
Andere sagen anderes. Und das finde ich schade. Kaiserslautern ist besser als sein Ruf. Deswegen wünsche ich mir deutlich mehr Selbstbewusstsein und Zutrauen in die Zukunft dieser Stadt. In der es natürlich viel zu tun gibt. Der zunehmende Leerstand in der Innenstadt, die vielen Baustellen, manch finstere Ecke, die Schlichtwohnungen. Das alles trägt nicht zur Lebensqualität bei. Aber es lässt sich ändern. Man muss es nur wollen, daran glauben und gemeinsam auf den Weg bringen. Mit Ideen, Kreativität und Engagement. Und das können wir, wir Lautrer.
Werner Thiel, RPTU-Vizepräsident für Forschung und Innovation:
Ein ehemaliger Oberbürgermeister hat Kaiserslautern vor einigen Jahren als prosperierende Westpfalzmetropole bezeichnet. Prosperierend und Westpfalz stimmen auf jeden Fall; wenn man den Begriff Metropole nur an der Einwohnerzahl festmacht, wäre da vielleicht noch Luft nach oben. Aber Spaß beiseite: In jedem Fall ist Kaiserslautern eine Stadt, in der es sich sehr gut leben und arbeiten lässt, und forschen sowieso. Der Strukturwandel der 1980er und ’90er Jahre hat auch Kaiserslautern getroffen. Wichtige Arbeitgeber sind weggebrochen. Es kamen danach aber auch viele neue Arbeitgeber in ein High-Tech-Umfeld, das von Uni, der Hochschule, den Instituten und innovativen Unternehmen geprägt wird. Selbstverständlich ist das zahlenmäßig nicht mit großen Ballungsräumen zu vergleichen, bezogen auf die Einwohnerzahl ist das, was hier entwickelt wurde, sehr beachtenswert. Das gilt meiner Meinung nach auch für das kulturelle Angebot. Schwierig sind sicher die finanziellen Probleme der Stadt. Da würde ich mir dringend eine Lösung wünschen. Ein weiterer Wunsch wäre, dass die positiven Seiten der Entwicklung mehr Beachtung in der Bevölkerung finden und dass die Lautrer genauso hinter ihrer Stadt stehen, wie hinter dem FCK.
Kai Landes, Vorstandsvorsitzender der Zukunftsregion Westpfalz und der Sparkasse Kaiserslautern:
Im Jahr 2026 feiert Kaiserslautern ein bedeutendes Jubiläum: 750 Jahre seit der Gründung der Stadt. Für die Sparkasse Kaiserslautern ist dieses Jubiläum ein Anlass, die enge Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen zu reflektieren. Als regionaler Partner spielt die Sparkasse seit vielen Jahren eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt.
Aus meiner Sicht steht Kaiserslautern heute stärker denn je da. Die Stadt hat sich seit vielen Jahren als Innovations- und Bildungsstandort etabliert – von der Universität und der Hochschule über die Forschungslandschaft bis hin zu den kreativen Unternehmen, die hier wachsen. Die lebendige Kulturszene und das sportliche Engagement schaffen ein Umfeld, in dem Ideen gedeihen und Gemeinschaft gelebt wird.
Auch die umgebende Natur ist ein unverzichtbarer Schatz: Der Pfälzerwald mit seiner riesigen Auswahl an Wanderwegen, die Gartenschau und der Japanische Garten sind zwei Kleinode im Stadtgebiet und bieten Erholung, Inspiration und Lebensqualität. Sie verbinden die Stadt mit ihrer Region und machen Kaiserslautern zu einem attraktiven Ort zum Wohnen, Arbeiten und Entspannen.
Für die Zukunft wünsche ich der Stadt Kaiserslautern weiterhin eine starke Gemeinschaft, die zusammenhält und Verantwortung übernimmt. Die anstehenden Investitionen in nachhaltige Infrastruktur, digitale Vernetzung und den Ausbau von Wohnraum bilden die Basis für ein zukunftsfähiges Wachstum. Kaiserslautern soll zu einem Vorreiter für grüne Mobilität, digitale Bildung und soziale Teilhabe werden. Ich wünsche der Stadt, dass sie ihre Stärken weiter ausbaut, neue Impulse setzt und dabei stets das Wohl ihrer Menschen in den Mittelpunkt stellt. Gemeinsam können wir ein prosperierendes, lebens- und liebenswertes Kaiserslautern schaffen – für die heutige Generation und für die kommenden Jahrzehnte.
Janina Geib, Chefärztin an der Klinik für Psychosomatik im Westpfalz-Klinikum:
Kaiserslautern ist für mich eine Stadt mit Herz, Vielfalt und großem Potenzial. Ich erlebe hier täglich, wie engagiert und offen die Menschen sind – sei es in der Nachbarschaft, in Vereinen oder im Gesundheitswesen. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt: Sie ist moderner, bunter und lebenswerter geworden, ohne dabei ihre Bodenständigkeit zu verlieren.
Für die Zukunft wünsche ich Kaiserslautern, dass wir diesen Weg weitergehen: mit Mut zu Innovation, aber auch mit einem wachen Blick für die Bedürfnisse aller Generationen. Besonders am Herzen liegt mir, dass wir psychische Gesundheit noch mehr enttabuisieren und als Teil unseres Alltags verstehen. Ich wünsche mir, dass Kaiserslautern ein Ort bleibt, an dem Vielfalt, Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung großgeschrieben werden – und an dem jeder Mensch die Chance bekommt, sich wohlzufühlen und zu wachsen. Auf die nächsten 750 Jahre voller Lebensfreude, Offenheit und Gemeinschaft!
Roland Frölich, Schulleiter des Hohenstaufen-Gymnasiums:
Die Stadt Kaiserslautern hat sich in ihrer 750-jährigen Geschichte immer wieder neu erfunden, sich erfolgreich weiterentwickelt und auch schwierige Umbrüche bewältigt. Sicht- und spürbare Zeichen sind zum Beispiel der PRE-Park, die Wissenschaftsmeile in der direkten Nachbarschaft der RPTU und die zahlreichen erfolgreichen Ausgründungen. Hierauf, aber auch auf die wunderbaren kulturellen Einrichtungen wie unser Pfalztheater oder die Kammgarn können wir Kaiserslauterer stolz sein. Und doch wünsche ich mir für unsere Stadt langfristige Konzepte, die sie noch lebenswerter und insbesondere zukunftsfähig machen. Es braucht eine Vision auch auf Stadtebene, die den Klimawandel und dessen Bewältigung und zugleich die Bedürfnisse der Wirtschaft und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger im Blick hat. Hierzu sind sicherlich größere finanzielle Freiräume und Möglichkeiten seitens des Landes und des Bundes notwendig, um gute Ideen auch realisieren zu können. Aber ich wünschte mir auch noch mehr Mut bei den EntscheidungsträgerInnen, auch in Zeiten knapper Kassen Undenkbares zu denken, gemeinsam und lösungsorientiert Konzepte zu entwickeln und diese im besten Falle dann auch zu realisieren.
Jan Deubig, Vorstand der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK):
Meine Heimatstadt Kaiserslautern, ich bin ein echtes „Lautrer Atsche“, muss sich beileibe nicht verstecken. Sie steht deutlich besser da, als sie vor Ort manchmal gesehen wird. Da hilft zuweilen ein Blick von außen, wo ich regelmäßig feststelle, dass Kaiserslautern aufgrund der Einflüsse und Prägung der Universität, der Hochschule, der Institute und der langen und starken amerikanischen Präsenz deutlich größer, internationaler, offener und zentralörtlicher wirkt als andere Städte, die sogar mehr Einwohner haben. Man spürt, dass Kaiserslautern schon immer an wichtigen Verkehrswegen lag, und dass daher der schnelle und rege Austausch mit der Region und anderen Zentren möglich war und gelebt wurde.
Gleichzeitig profitieren wir unglaublich vom angrenzenden Pfälzerwald im Süden und der Vielfalt der Lautertals und des Nordpfälzer Berglands im Norden. Unsere Heimat ist landschaftlich wunderschön. Vielleicht haben wir verlernt, dies auch zu schätzen. Hinzu kommt, dass Kaiserslautern sowohl räumlich als auch zwischenmenschlich kurze Wege hat. Man ist schnell dort, wo man hin möchte und trifft immer Menschen, die man kennt, zu denen man Bezüge hat, und die einem auch helfen können. Nicht vergessen darf man, dass die Stadt in den letzten Dekaden Beachtliches geleistet hat, um Strukturwandel und Konversion zu bewältigen. Da haben wir vieles erreicht, was andere noch vor sich haben.
Insofern wünsche ich der Stadt und ihren Bürgern, dass sie im Jubiläumsjahr 2026 stolz auf ihre Heimatstadt sind, das Schöne sehen und schätzen, den positiven Geist des WM-Jahres 2006 wiederfinden und gemeinsam feiern. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Kaiserslautern trotz aller Sorgen und Unsicherheiten daran arbeitet, die gewachsenen Strukturen zu erhalten, das Liebens- und Lebenswerte der Stadt zu pflegen und vor allem in den Erhalt und die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren.
Anita Schöbel, Leiterin des Fraunhofer ITWM:
Nach mehreren Jahren in Göttingen bin ich 2019 sehr gerne und voller Überzeugung nach Kaiserslautern zurückgekommen. Kaiserslautern hat viel zu bieten – ein tolles Stadtleben, eine großartige Auswahl an Restaurants, viele Freizeitmöglichkeiten in der Natur und natürlich eine starke Forschungslandschaft mit der RPTU Kaiserslautern-Landau, der Hochschule Kaiserslautern, den großen Forschungsgesellschaften Fraunhofer, Max-Planck und Leibniz sowie dem DFKI und dem Ifos. Wir arbeiten alle freundschaftlich zusammen, was ein einmaliges Umfeld zur Entwicklung von Technologien schafft und uns national und international in der Wissenschaft hohe Anerkennung bringt.
Im Fraunhofer ITWM feiern wir selbst auch ein kleines Jubiläum im Jahr 2026: Gemeinsam mit dem Fraunhofer IESE freuen wir uns über 30 Jahre Fraunhofer in Kaiserslautern. Wir sind damit Teil einer starken Wissenschaftsgemeinschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist und die viele attraktive Arbeitsplätze für die Region geschaffen hat. Und das nicht nur für Forscherinnen und Forscher, sondern auch für Menschen in administrativen oder technischen Berufen.
Für die Zukunft wünsche ich der Stadt mehr Selbstbewusstsein! Wir können und sollten auf unsere Stadt stolz sein. Und: Weiter so!
Artur Stark, Gastronom (Twenty One):
Ich sehe in Kaiserslautern eine sympathische Stadt mit vielen liebenswürdigen Menschen, in der ich mich bisher immer wohlgefühlt habe.
Ich wünsche mir von den Stadtspitzen einen besseren Austausch mit den jeweiligen Branchen-Insidern zu deren innerstädtischen Problempunkten.
Für mich mit dem Restaurant Twenty One wünsche ich mir eine größtmögliche Transparenz, Kommunikation, Offenheit und eine überlegte Außendarstellung zur geplanten Sanierung des Rathauses, da dies existenziell bedeutsam für mich, meine Mitarbeiter und unser aller Zukunft sein wird.
Für das anstehende Stadtjubiläum mit dem WM-2006-Revival-Jahr wünsche ich den Mitbürgern tolle Events und mir ein Treffen mit meinen ehemaligen Fifa-WM-OK-Kollegen. Und natürlich wäre es genial, 2026 mal wieder einen Aufstieg feiern zu können mit unserem FCK.
Paul Wieschemann, Rechtsanwalt:
Eines gleich vorweg: Ich bin sehr stolz darauf, waschechter Lautrer zu sein. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in einer Stadt, in der ich auch geboren und aufgewachsen bin. Ich finde es sehr schade, dass Kaiserslautern teilweise so negativ wahrgenommen wird. Dabei haben wir so viele „Goodies“ wie die tolle Lage direkt am Pfälzerwald mit den damit verbundenen touristischen Möglichkeiten. Gleichzeitig liegen wir verkehrstechnisch zentral in Europa mit einer Uni, die für Innovation, Forschung und ein junges internationales Umfeld sorgt. Familien können hier immer noch zu moderaten Lebenshaltungskosten wohnen. Und selbstredend unseren FCK.
Andererseits mache ich mir große Sorgen wegen der unzureichenden Finanzausstattung der Stadt. Es darf einfach nicht sein, dass Kaiserslautern per Gesetz Leistungen erfüllen muss, die nicht vom Bund/Land ausgeglichen werden. So müssen die Löcher gestopft werden durch Beiträge der Bürgerinnen und Bürger, die noch Leistungsträger in unserer Gesellschaft sind. Das frustriert, führt zu einem schlechten Image und zu einer Abwärtsspirale, aus der man nur schwer wieder herauskommt. Das habe ich in meinem Job leider viel zu oft erlebt. Das ist auch mein Wunsch für das Jubiläumsjahr, dass es gelingt, aus Kaiserslautern wieder eine finanziell gut aufgestellte Stadt zu machen. Dann kommt alles andere, was wir für eine positive Stadtentwicklung brauchen, (fast) von selbst.
Petra und Katharina Prottung, Einzelhändlerinnen:
Kaiserslautern ist für uns vor allem eines: persönlich. Als Einzelhändler mit einem Damenmodegeschäft in der Innenstadt kennen wir fast alle unsere Kundinnen beim Namen. Das zeigt, wie eng die Verbundenheit hier ist und wie viel Vertrauen zwischen Handel und Kundschaft besteht. Dieses familiäre Gefühl macht das Einkaufen in Kaiserslautern besonders. Unsere eigenen Events werden mit viel Begeisterung angenommen, bringen neue Kundinnen in die Stadt und stärken den Zusammenhalt. Über Social Media erreichen wir inzwischen sogar Menschen aus anderen Städten – und holen sie gezielt nach Kaiserslautern.
Die Stadt ist ruhig, überschaubar und nicht hektisch wie eine Großstadt. Man begegnet sich auf Augenhöhe, jeder kennt jeden. Besonders schätzen wir die vielen inhabergeführten, individuellen Geschäfte. Es gibt nicht nur seelenlose Filialisten, sondern Läden mit Persönlichkeit, Leidenschaft und echter Beratung. Genau das macht die Innenstadt lebenswert und einzigartig – und das sollte man stärker betonen, statt immer nur alles negativ zu sehen.
Für die Zukunft wünschen wir uns weniger Leerstände, bezahlbare Parkgebühren, weniger Baustellen und mehr Parkmöglichkeiten. Wenn die verbliebenen Einzelhändler hier gezielt unterstützt werden, hat Kaiserslautern eine sehr gute Zukunft als persönliche, lebendige Innenstadt.

