KAISERSLAUTERN
Corona-Lockerungen: Was merkt der Tourismus?
Noch sei die Nachfrage nach Übernachtungen sehr verhalten, sagt Sybille Lauterbach, die Inhaberin des Art Hotels gegenüber der Fruchthalle. Im April waren es fünf, im Mai gerade mal zehn Prozent der Buchungen im Vergleich zum Vorjahr. „Überleben kann man davon nicht, auch wenn wir versucht haben, Kosten zurückzufahren. Lustig ist das nicht.“ Mit einer Tendenz nach oben habe der Juni begonnen. An zwei Tagen elf von 23 Zimmer zu belegen, sei super. Was fehlt, seien Geschäftsreisende. Das liege daran, dass Unternehmen zurückhaltend seien und Mitarbeiter nicht reisen ließen.
Für September liegt Sybille Lauterbach eine Anfrage der Technischen Universität vor. Was sie sehr getroffen hat, sind Stornierungen von Fernstudierenden, die regelmäßig zu Präsenztagen nach Kaiserslautern gekommen seien. Vom Rettungspakt der Bundesregierung verspricht sich Sybille Lauterbach als „extrem betroffener Wirtschaftsbetrieb“ eine Förderung. Sie erinnert daran, dass sich die Hotellerie in Kaiserslautern zwischenzeitlich um zwei Häuser am Messeplatz und im PRE-Park zusammen mit 300 Zimmern auf insgesamt 900 Zimmer erhöht hat.
„Kaiserslautern ist kein typischer Standort für Tourismus.“ Das sei eher die Vorderpfalz, bedauert die Betreiberin des Art Hotels. Touristisch werde Kaiserslautern nicht wahrgenommen, gleichwohl man von hier aus schnell in der Vorderpfalz oder in Frankreich sei. Dass Sybille Lauterbach dennoch an Kaiserslautern als gastfreundlicher Stadt mit Freizeitaktivitäten etwas liegt, zeigt, dass das Art Hotel zum Kreis von neun Hotels in Kaiserslautern gehört, die sich zusammengetan und speziell für Kaiserslauterer ein Wochenendangebot erarbeitet haben.
„Ein super Angebot“, verweist Sybille Lauterbach auf eine Übernachtung im Doppelzimmer inklusive Frühstück, ein Drei-Gang-Abendessen in einem teilnehmenden Restaurant, die Teilnahme an einem historischen Stadtrundgang, einen Cocktail im Twenty-One und einen Besuch im Japanischen Garten oder eine geführte Wanderung zum Humbergturm.
Auszeit vor der Haustür kommt an
„Aus Lautrer Liebe“ ist das Angebot überschrieben, das von der Tourist Information mit einem Flyer beworben wird und für die Wochenenden 4. und 5. Juli sowie 1. und 2. August jeweils bis acht Tage vor Anreise buchbar ist. Für Julia Bickmann, die Leiterin der Tourist Information Kaiserslautern, ein Schmankerl, das Bewohner von Kaiserslautern und des Landkreises eine Auszeit vor der eigenen Haustür ermöglichen soll. „Ein besonderes Wochenende zu einem attraktiven Preis von 95 Euro pro Person.“ Für das erste Wochenende lägen bereits 15 Buchungen für zwei Personen vor, freut sich die Tourismus-Chefin.
Da viele Bürger es trotz der Lockerung von Reisewarnungen vorziehen werden, im eigenen Land zu bleiben, sieht Julia Bickmann eine Chance, die Westpfalz mit Kaiserslautern als Mittelpunkt über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus als Ausgangspunkt für Aktivitäten in der Natur zu vermarkten. „Wir wollen auf den Freizeittourismus setzen und dafür verstärkt in Nordrhein-Westfalen werben.“ Eine Strategie, hinter der Oberbürgermeister Klaus Weichel stehe, freut sich Julia Bickmann, Kaiserslautern und seine Region mit viel Natur und Wald, Wander- und Freizeitmöglichkeiten zu bewerben.
„Bei uns gibt es einiges zu entdecken“, verweist sie auf Prädikatswanderwege, die Pfalzgalerie und die Gartenschau, Hotellerie und Gastronomie, Ausflüge an die Weinstraße und ins nahe gelegene Frankreich. Touristen Erlebnisse in Stadt und Natur zu bieten, dazu sei Kaiserslautern wie geschaffen. Für das Vorhaben soll in Kürze in Printmedien und sozialen Medien geworben werden.
Campingplatz belebt sich ab Fronleichnam
Von einer verhaltenen Nachfrage von Campern spricht auch Friedrich Hofschuster, der Pächter des Campingplatzes am Gelterswoog. Hygienevorschriften erlaubten ihm, die Sanitäranlagen erst ab dem 10. Juni zu öffnen. Das bedeute für ihn, dass er Zeltplätze erst ab diesem Zeitpunkt vergeben dürfe. Das treffe nicht für Inhaber von Wohnwagen und Wohnmobilen zu, da diese über eigenen sanitären Anlagen verfügten. Ab Fronleichnam sei auch der Campingplatz wieder mehr belebt, freut sich der Pächter.
Anfragen für Juli und August liegen ihm vor. Doch hingen diese von der weiteren Entwicklung ab. Da Friedrich Hofschuster mit seinen beiden Angestellten, die er trotz Schließung des Campingplatzes über fast drei Monate nicht in Kurzarbeit geschickt hat, Renovierungen vorgezogen hat, kann sich der Campingplatz am Gelterswoog mit seiner kleinen Gastronomie, die auch bei Wanderern beliebt ist, sehen lassen. Hofschuster: „Wir sind gerichtet und warten auf Gäste.“