Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Café Bold in Kaiserslautern: Von Rhabarberkuchen und sozialen Medien

Dagmar und Hans-Werner Bold führen das Café Bold mit Leidenschaft. 95 Prozent ihres Angebots seien selbst produziert.
Dagmar und Hans-Werner Bold führen das Café Bold mit Leidenschaft. 95 Prozent ihres Angebots seien selbst produziert.

Es gehört zu den alteingesessenen Institutionen in Kaiserslautern, das Café Bold in der Mannheimer Straße. Obwohl ein traditioneller Familienbetrieb, geht es doch mit der Zeit.

Sein beruflicher Weg war für Hans-Werner Bold vorbestimmt. Nachdem er „immer schon“ in der elterlichen Bäckerei geholfen hatte, machte er zwar Abitur am Rittersberg-Gymnasium, begann dann aber eine Lehre zum Bäcker. Die Tradition hatte bereits sein Großvater begründet. Der stammte von der Sickinger Höhe, eröffnete in den 1930er Jahren ein Café in Landstuhl. Dessen Sohn übernahm rund 40 Jahre später. Und 1980 übersiedelte das Café nach Kaiserslautern – in die Mannheimer Straße. 2009 dann übernahm Hans-Werner Bold den Betrieb von seinem Vater. Der Senior mit seinen 85 Jahren hilft aber immer noch in der Backstube mit.

Dagmar Bold, die Frau des Chefs, ist ebenfalls am Wochenende hinter der Ladentheke und im Café anzutreffen. Sie arbeitet als Steuerfachangestellte, bringt ihre Kenntnisse speziell auf diesem Gebiet mit ein. Und Tochter Vivien, die Hotelkauffrau gelernt hat, hilft ebenfalls mit und hat den Online-Auftritt des Traditionsunternehmens übernommen. „Ohne die Unterstützung der ganzen Familie können sie einen solchen Betrieb nicht stemmen“, ist der 57-jährige Chef überzeugt.

„Nische gesucht und einen Namen erarbeitet“

Bereits nach drei Jahren konnte Bold damals seinen Meister machen. Außerdem absolvierte er Seminare in Frankreich und der Schweiz. „Die Patisserie interessierte mich“, sagt er lakonisch. So verwundert es nicht, dass neben Kuchen auch Torten aus dem Hause Bold sehr gefragt sind. „Wir haben uns eine Nische gesucht und einen Namen erarbeitet“, betont Bold. 95 Prozent ihres Angebots seien selbst produziert. Weißbrot, verschiedene Brötchen und Baguette ebenso wie Kaffeestückchen, Hefeteig und eine große Auswahl an Kuchen und Torten. Je nach Saison gibt es zurzeit beispielsweise Erdbeer- und Kirschkuchen oder -torten, Rhabarberkuchen war sehr gefragt, Kirschpolster wird sehnsüchtig erwartet.

Frisches Obst erhält der Bäckermeister zweimal die Woche von einem lokalen Händler. Er legt überhaupt viel Wert auf regionalen Einkauf und regionale Zusammenarbeit. „Das Mehl bekommen wir von der Getreidemühle Sties aus Rieschweiler-Mühlbach, den Tee vom Teehaus Rai in der Steinstraße, den Kaffee von einer Rösterei aus Karlsruhe und den Wein aus der Vorderpfalz“, zählt Dagmar Bold ein paar Beispiele auf. „Wir bleiben so gut es geht in Kaiserslautern, auch was die Handwerker anbelangt“, betont sie.

Soziale Medien enorm wichtig

Dafür kommen die Kunden beileibe nicht nur aus Kaiserslautern, sondern aus einem weiten Umkreis, um in der Mannheimer Straße Kuchen und Torten zu kaufen. Zugute kommt dem Café, dass es vier Parkplätze vor der Tür hat.

Die Renner sind nach Angaben von Bold Rahm- und Streuselkuchen, doch auch kleine Törtchen und Desserts würden gerne gekauft. Was es aktuell gibt, postet der Chef jede Woche auf Facebook und Instagram. Die sozialen Medien seien auch in seiner Branche enorm wichtig heute. Beispielsweise habe er viele Amerikaner dadurch als Kunden gewonnen.

Für Bestellungen laufe der Erstkontakt meist online, dann brauche es aber das persönliche Gespräch, um Details zu besprechen. Torten werden nicht nur für Hochzeiten, sondern auch für Taufen, Geburtstage oder sonstige Feste individuell hergestellt. Solche Sonderanfertigungen müssen mindestens zwei Wochen vorher bestellt werden, bei ausgefallenen Wünschen oder in der Hochzeitshochsaison müssen es gar vier Wochen sein.

Drei Festangestellte in Café und Produktion

Rund 30 verschiedene Kuchen stehen am Wochenende in der Theke des Cafés. Wenn etwas alle ist, wird eben nachproduziert. Das geht nicht immer, weswegen es schon mal sein kann, dass sonntags um 15 Uhr die Torten ausverkauft sind, berichtet Dagmar Bold. Doch die Kunden wüssten dies – und die handwerkliche Produktion zu schätzen.

„Wir machen heute das zu zweit, was früher vier Leute getan haben“, spricht der Bäckermeister die Personalfrage an. Außer der Familie arbeiten noch drei Festangestellte in Café und Produktion, außerdem gibt es zwei Aushilfen. Schon lange hatte der Betrieb Montag und Dienstag geschlossen, seit der Corona-Pandemie ist auch der Mittwoch hinzugekommen.

Von Anfang an gab es sowohl Bäckerei als auch Café in der Mannheimer Straße 88. 30 Personen finden darin Platz, früher wurde auch der Wintergarten bewirtschaftet – das ist vorbei. Weil es an Personal fehlt, werden auch keine kleinen Gerichte mehr angeboten. Doch die meisten Gäste kommen sowieso, um Kaffee und Kuchen zu genießen oder zu frühstücken. Die Kunden reichten von jung bis alt, es kämen sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen und Familien, berichtet die Chefin. Stark zurückgegangen sei die Anzahl der Beerdigungskaffees: „Früher hatten wir ein paar jede Woche, heute ist das nicht mehr so üblich“, haben die beiden beobachtet.

Auf der Karte stehen neben Kaffee- und Teespezialitäten auch Erfrischungs- und ein paar alkoholische Getränke. Bis 12 Uhr gibt es Frühstück. Vier verschiedene Arten stehen auf der Liste. Und wer mag, kann sich auch Rühr- oder Spiegeleier zubereiten lassen. Die werden ebenso wie das Frühstück und belegte Brötchen stets frisch zubereitet. An den Verkaufsraum schließt sich eine Küche an, in der die Mitarbeiterinnen das übernehmen. Hans-Werner Bold ist voll des Lobes über seine Angestellten. Das seien gelernte Kräfte, die schon viele Jahre da seien.

Osterhasen und Weihnachtsmänner

Über den Hof geht es zur Backstube, ein Stockwerk höher ist die Konditorei, jene Abteilung, in der die Torten et cetera entstehen. Auch Osterhasen und Weihnachtsmänner werden hier noch aus Schokolade gegossen. „Das muss man lernen, dazu braucht man Erfahrung“, versichert Bold. Natürlich darf auch Weihnachtsgebäck nicht fehlen.

„Wir haben keinen Sonn- und Feiertag frei“, schildert Bold. Montag ist der einzige Tag, an dem das Ehepaar gemeinsam zu Hause ist – und dann wichtige Termine erledigt. Er sei froh, dass der Laden mittlerweile auch mittwochs geschlossen sei. „Da kann ich mit der Produktion schon mal anfangen.“ Noch sind der 57-Jährige und seine Frau mit Begeisterung bei der Sache: „Wir machen so lange, wie wir können“, sagt sie. Und er ergänzt: „Oder wir Spaß daran haben.“

Info

Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 8 bis 16 Uhr.

Die Serie

Cafés sind viel mehr als nur ein gastronomischer Betrieb, um eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen zu sich zu nehmen. In Cafés trafen sich die Boheme, die Literaten und Flaneure. Heute sind sie beliebter Treffpunkt nicht nur älterer Damen, sondern auch junger Leute und Familien. Auch in Kaiserslautern gibt es viele Cafés. Zuletzt hat DIE RHEINPFALZ das Mommy’s vorgestellt

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