Kaiserslautern Brust oder Keule?

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Ein Film voller Klischees, mit vorhersehbarer Handlung und trotzdem durchaus ein Kinovergnügen: „Im Rausch der Sterne“ von John Wells („Im August in Osage County“) erzählt keine Weltraummär, sondern ist ein stargespicktes Wohlfühlabenteuer aus der Welt der Meisterköche.

In der Adventszeit wird ja reichlich geschlemmt, und ohne Kochshows kommt das Fernsehen nach wie vor nicht aus, mag sich der Verleih gedacht haben, als er den Starttermin für „Im Rausch der Sterne“ gewählt hat. Im englischsprachigen Original heißt der Film kaum weniger glücklich „Burnt“, also „angebrannt“. Abgebrannt oder vielmehr ausgebrannt jedenfalls ist Filmheld Adam Jones, den Bradley Cooper mit großer Inbrunst als Bad Boy und Punkrocker der Gourmetbranche spielt. Die Handlung ist überschaubar: Adam war einst in einem Pariser Restaurant der Meister der Küche, hatte zwei Michelin-Sterne erkocht, dann folgte – Sex, Drugs (vor allem Alkohol) und Rock’n’Roll – der Absturz. Nun will er sich in neu erfinden, und in London einen dritten Stern ergattern. Dumm nur, dass der zu Jähzorn neigende Egomane und Kontrollfreak fast alle Weggefährten – gespielt von gestandenen Mimen wie Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“) oder Serienstar Matthew Rhys („The Americans“) – wie auch seine Frauen (Uma Thurman, Alicia Vikander) nachhaltig verprellt hat. Nur Hotelbesitzersohn Tony (Daniel Brühl), der schon lange in ihn verliebt ist, hält zu Adam. Und so taucht die Kohle fürs neue Restaurant auf. Und dank neuer Unterstützer wie der ideenreichen, alleinerziehenden Köchin Helene (Sienna Miller) lernt Adam, dass er erfolgreicher ist, wenn er anderen vertraut und sie nicht als Fußvolk demütigt. „Im Rausch der Sterne“ ist die altbekannte Geschichte einer Läuterung und funktioniert wie eine Mischung aus „Rocky III“ und Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“. Nahezu nichts an der klassisch fünfaktigen Handlung überrascht. Doch holen die Schauspieler auch dank des durch seine Arbeit an Serien wie „Emergeny Room“ oder „The West Wing“ adrenalinerprobten Regisseurs John Welles sozusagen die Kartoffeln aus dem Feuer. Bradley Cooper spielt, als wäre er Oscar-Kandidat in einem tiefgründigen Problemfilm – und ist damit um Längen besser als in jenen Rollen in „Silver Linings“ und „American Hustle“, für die er tatsächlich oscarnominiert war, was auch als hübsche Werbung fürs verpönte Genre der Boulevardkomödie durchgeht. Sienna Miller wiederum zeigt endlich, dass sie überhaupt schauspielern kann, wobei schon die burschikosere Frisur hilft. Und selbst Daniel Brühl fasziniert mit Understatement. Allerdings bekommt er im englischsprachigen Original einen so undefinierbaren Akzent verordnet (Portugiesisch?), dass ein Hauptvergnügen des Zuschauens darin besteht, die Herkunft seiner Figur zu erraten. Und das Kochen? „Im Rausch der Sterne“ ist ein Plädoyer für exzellentes Handwerk und exquisite regionale Zutaten. Für eine „ehrliche“ Küche mit Bodenhaftung also, auch wenn zwischen den Polen rauchende Pfanne und Molekularküche immerhin Bratschläuche als Kompromiss eingeführt werden. Regisseur John Wells hat das Beste aus einer doch recht faden Grundidee herausgeholt. Glaubhaft aber ist natürlich nichts, nicht nur, weil man Kino nicht riechen und schmecken kann.

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