Kaiserslautern
Bei „Aktive Ladies“ sind Frauen beim Training unter sich
Im Kraftzirkel ist eine weißhaarige Dame konzentriert beim Training. Um die Ecke schwitzt eine Frau auf dem Ergometer, eine weitere quält sich bei Sit-ups auf der Matte. „Aktive Ladies“ existiert mittlerweile seit acht Jahren. Vor rund einem Jahr erfolgte der Umzug in die Zollamtstraße. Das Fitnessstudio ist Heimat für sportliche Frauen und solche, die es werden wollen.
Weshalb wird ein Studio rein für Frauen benötigt? Für Chefin Susanne Franz ist die Antwort klar: „Wir bieten Frauen eine Chance, die von der Nationalität her nicht in ein gemischtes Studio dürfen. Hier können sie ihr Kopftuch ausziehen, fühlen sich freier, wohler. Es stört einfach nichts und man kann intensiver trainieren.“ Ältere Frauen sind eine weitere Zielgruppe. Sie finden Franz zufolge im Studio den geeigneten Rahmen, um gezielt Problemzonen angehen zu können. Wer der Meinung ist, nur weil Frauen unter sich bleiben, gebe es keine Konkurrenz, der täuscht sich: „Natürlich wird auch hier verglichen und sich gegenseitig angestachelt.“
Gelenkschonend trainieren
Für Trudel Marscheider geht es allerdings nicht um den Gewichtsverlust oder um eine Bikini-Figur. Die 83-Jährige ist die älteste der „Aktiven Ladies“ und weiß: „Was Besseres gibt es nicht. Ich bin jetzt acht Jahre dabei und genieße es sehr hier.“ Gezieltes Krafttraining sei ihr Ding. Vor einem halben Jahr hat sie erfahren, wie wichtig regelmäßige Bewegung auch im Sinne der Prävention ist: „Im Januar bin ich gefallen: Oberschenkelhalsbruch. Nach drei Wochen war ich wieder da. Hier ist es ruhiger als in der Reha-Einrichtung, die ich zunächst besucht habe. Ich will die Geräte richtig benutzen, deshalb ist mir die persönliche Betreuung durch Susanne wichtig.“ Zweimal die Woche dreht sie ihre Runden im Kraftzirkel, um alle großen Muskelgruppen zu bewegen.
Das zu ziehende oder zu stemmende Gewicht kann an den einzelnen Geräten passend zu Tagesverfassung und Trainingsanspruch eingestellt werden. „Unsere Geräte sind gelenkschonend ausgerichtet. Das ist für Frauen wichtig, schließlich haben wir von Natur aus ein weicheres Bindegewebe und weichere Sehnen“, erklärt Susanne Franz, die nicht nur verschiedene Trainer-Lizenzen hat, sondern auch Präventions- und Reha-Sporttrainerin ist. „Ich helfe gerne Menschen dabei, wieder fit zu werden. Weniger den Jungen, mehr den Älteren. Es gibt viele Leute mit Arthrose, Rheuma, Krebs, mentalen und psychischen Problemen. Da ist Sport und Bewegung eine tolle Sache.“
Wunsch nach mehr Anerkennung
Schwangerschaft und Geburt stellen Anforderungen an den weiblichen Körper, die spezielle Antworten erfordern: „Nicht jede Frau, gerade kurz nach der Geburt, sollte direkt wieder ins Functional Training gehen. Da empfehle ich lieber einen Rückbildungskurs mit dem Schwerpunkt auf Bauch, Beine und Po, um das strapazierte Gewebe wieder schonend aufzubauen.“
Gemeinsam mit Therapiehündin Sally, einer zweijährigen Briard-Hündin, begleitet sie die Frauen in Kursen – gerne auch draußen. „Von der Zollamtstraße sind wir schnell Richtung Betze oder Bremerhof gelaufen.“ Einige Kursangebote verlegt sie auch in den Volkspark oder den Stadtpark. „Nach dem Arbeitstag im Büro die Möglichkeit zu haben, draußen zu trainieren – von dieser Idee waren meine Kursteilnehmerinnen ganz begeistert.“
Mehr als nur schaukeln
Den Lieblingssport von Susanne Franz kann sie allerdings nicht nach draußen verlegen. „Aerial Yoga“, sagt sie und strahlt. Bei dieser besonderen Spielart des Yoga hängen die Trainierenden kopfüber in bunte Tücher gewickelt von der Decke. „Das ist was Spezielles. Man braucht schon auch ein bisschen Kraft, das ist nicht nur drinliegen und schaukeln, wie sich das so manche vorstellt. Die Trainingsstimmung ist sehr besonders. Die Leute sind voll da. Wenn sie nicht da sind, fallen sie aus dem Tuch raus.“
Grundsätzlich stellt Franz fest: „Frauenfitness wird immer noch ein bisschen belächelt von den Männern. Da kommen dann so Sprüche wie: ,Gehst du wieder hüpfen?’ Das ist einfach nicht angebracht. Wenn ich schaue, wie lange es gedauert hat, bis der Frauenfußball anerkannt wurde. Bei uns geht es nicht ums Hüpfen, wir wollen ernsthaft trainieren.“ Insofern wünscht sie sich schlicht „mehr Anerkennung für Frauenfitness“.
Fit und gesund durchs Jahr
Mehr Sport, gesünderes Essen, ein paar Kilo abnehmen – die guten Vorsätze fürs neue Jahr sind nur allzu schnell wieder vergessen. In unserer Serie „Fit und gesund durchs Jahr“ geben Experten Tipps, wie man sich fit hält, beweglich und gesund bleibt und so manche alte Gewohnheit ändert – nicht nur zum Jahresanfang, sondern über das Jahr.
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