Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Badebetrieb am Gelterswoog eingestellt

Still ruht der See.
Still ruht der See.

Am Gelterswoog ist der Sommer schon vorbei. Pächterin Victoria Butenko hat aufgrund der Wetterprognose den Betrieb für dieses Jahr eingestellt. Dafür muss sie Kritik einstecken. Auch der zuständige Dezernent Peter Kiefer war von dem Schritt, der nicht abgesprochen war, überrascht.

„Wir sind geschlossen bis 2022.“ Mit diesen Worten auf der Homepage des Gelterswoogs schaffte die Pächterin am Sonntag Fakten. Gegenüber der RHEINPFALZ warb sie um Verständnis: „Der Sommer war schrecklich, wir haben ein Minusgeschäft gemacht, mehr als zwei warme Wochenenden gab es nicht“, klagte sie. Am Samstag sei Betrieb gewesen, aber als sie die Wetterprognose gesehen habe, habe sie beschlossen, die Saison zu beenden und abzubauen. „Das Wasser hat 16 Grad. Ich kann nicht für 19 Euro die Stunde einen Bademeister beschäftigen, wenn nur 20 bis 25 Besucher kommen.“ Sie habe in Sonnenliegen und Schirme investiert – und dann sei es tagelang nicht wärmer als 18, 19 Grad gewesen. „Es war der schlechteste Sommer seit 2014, als ich am Gelterswoog angefangen habe.“ Der Mieter ihres Imbisses habe Mitte Juli gekündigt, weil er nichts verdiente. Dass jetzt geschimpft werde, sei ihr klar. Aber die Erwartungshaltung sei teilweise nicht in Ordnung. „Da kommen Leute, die wollen umsonst eingelassen werden mit der Begründung, sie wollten nur in der Sonne sitzen, aber nicht ins Wasser. So etwas geht nicht.“ Sie habe Unkosten, aber zu wenig Einnahmen. Zu Besucherzahlen insgesamt wollte sich Butenko nicht äußern.

Auf Einhaltung der Vertragsbedingungen pochen

Der Hohenecker Ortsvorsteher Alexander Rothmann (CDU) berichtet, es gebe immer wieder Kritik, die Öffnungszeiten seien nicht verlässlich, „fünf Euro Eintritt ist vielen zu teuer“. Wobei er für die fünf Euro zum Teil sogar Verständnis hat. „Frau Butenko geht auch ein Risiko ein, sie hat Betriebskosten, muss Personal einstellen.“ Das sei mit den kommunalen Freibädern nicht zu vergleichen. Wichtig ist Rothmann, dass der See künftig mit „mehr Herzblut und Engagement geführt wird“. Die Stadtverwaltung müsse auf die Einhaltung der Vertragsbedingungen pochen. Notfalls müsse ein neuer Pächter gefunden werden. „Was gar nicht passieren darf ist, den See als unbewachten Badeweiher laufen zu lassen.“ Diese Idee hatte OB Klaus Weichel vor Jahren schon einmal vorgebracht. Damals gab es einen Aufschrei. „Zu Recht. Das ist eine Horrorvorstellung, das Gelände würde im Nu verkommen“, befürchtet Rothmann, der auch an die vielen Vereine denkt, die am Gelterswoog Wassersport anbieten.

„Das ist eine Unverschämtheit“, kommentierte Jörg Kirsch, einer der Sprecher der Initiative „Rettet den Gelterswoog“, die vorzeitige Schließung. Die Stadt müsste da mehr hinterher sein, findet er. Peter Wirrer, der Betreiber des benachbarten Minigolfplatzes, der mit großem Engagement Live-Konzerte veranstaltet, kann nicht nachvollziehen, dass es am Gelterswoog nicht rund läuft. „Früher standen die Autos bis nach Hohenecken, der Badesee ist einer der schönsten in ganz Südwestdeutschland.“ Geklagt worden war zuletzt auch von Gästen, überall wuchere Unkraut, geduscht werden konnte nur mit kaltem Wasser.

Pachtzins in Höhe von 15.000 Euro zuletzt erlassen

Baudezernent Peter Kiefer berichtete am Mittwoch, er habe bereits ein Gespräch mit Victoria Butenko geführt. Er sei vom vorzeitigen Ende des Badebetriebs überrascht worden. Vertraglich vereinbart seien eine Öffnung vom 15. Mai bis 15. September und tägliche Öffnungszeiten von 9 bis 19 Uhr. Da sei der Pächterin aber zuletzt aus Wirtschaftlichkeitsgründen „freie Hand gelassen“ worden. „Frau Butenko hatte nicht zuletzt aufgrund der Pandemie aber auch aufgrund der kühlen Witterung über den gesamten Sommer große Schwierigkeiten, den Badebetrieb wirtschaftlich aufrecht zu halten. Hier liegt der Unterschied zu den kommunal betriebenen Bädern, die einen Badebetrieb in erster Linie eben nicht aufgrund von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen führen“, erklärte Kiefer. Der Pachtvertrag mit Butenko ist nach Angaben Kiefers im Jahr 2019 um fünf Jahre verlängert worden und läuft zum 31. Oktober 2023 aus. Der Pachtzins beträgt 15.000 Euro. Er soll in jeder Saison in das Pachtobjekt investiert werden, erläuterte der Beigeordnete. Aufgrund von Corona sei der Pächterin der Pachtzins erlassen worden. Davor habe Butenko in das Strandbad regelmäßig investiert und bauliche Verbesserungen vorgenommen. Kiefer kündigte für Oktober intensive Gespräche mit der Strandbad-Chefin an. „Mit Sicherheit werden für die folgende Saison klare Absprachen über den Betrieb geführt werden müssen.“

Die beiden städtisch geführten Freibäder, die Waschmühle und das Warmfreibad, schließen am 19. September.

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