Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerbeteiligung zeigt es: Die Lauterer wollen Wasser in der Stadt

Es war ein Kommen und Gehen. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über die Planungen für die Theaterwiese zu informieren u
Es war ein Kommen und Gehen. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über die Planungen für die Theaterwiese zu informieren und ihre Meinung dazu zu sagen.

Die Aktion war ein Erfolg. Ganz viele Bürger sind am Samstag dem Aufruf von Oberbürgermeisterin Beate Kimmel gefolgt, sich mit Vorschlägen und Ideen an der künftigen Gestaltung des Areals neben dem Casimirschloss und der Theaterwiese zu beteiligen. Es war ein Kommen und Gehen. Es gab ganz viele Impulse. Und viele Fragen.

Wasser, Bäume, Biergarten: Das wollen die Kaiserslauterer im Herzen der City. Deutlich wurde das in vielen, vielen Gesprächen. Und anhand kleiner Klebebildchen, die die Bürger auf eine große Stellwand heften durften.

Tanja Herrmann ist da. Sie lebt seit 15 Jahren in Kaiserslautern, hat eine Führungsposition beim Bezirksverband Pfalz, liebt die Stadt. „Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, einen Platz zu gestalten, auf den sich jeder eingeladen fühlt.“ Leider scheiterten solche Projekte zu oft daran, dass sie „zerdiskutiert“ werden. Oder am Geld. Fritz Goebel, ein großer Anhänger von Wasser, hat eine Idee, wie sich das Vorhaben leichter umsetzen ließe. Er erinnert an den Bau des Hallenbades 1960. „Damals gab es einen Spendenaufruf an die Bürger. Es wurde eine Tombola organisiert“, erzählt Goebel.

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Spendenaufruf und Tombola

Das ist Musik in den Ohren von Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD). Sie kann sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die Geld in die Hand nehmen. „Ich glaube, dass da etwas über Sponsoring geht.“ Sie macht deutlich, dass sie bereit ist, für so ein Projekt mit den Verantwortlichen im Land zu streiten. „Es kann nicht sein, dass eine Stadt mit Zukunft sich gar nichts mehr erlauben kann“, sagt sie. Dass so viele sich am Samstag Zeit genommen haben, um sich über die Theaterwiese und das Projekt Lauter auszutauschen, findet sie klasse. „Wie sind zwar Großstadt, aber doch familiär genug, dass die Menschen hier zusammenkommen und mitdiskutieren. Das ist großartig. Ich freue mich wie Bolle.“

Warum sie die Bürgerbeteiligung unbedingt wollte, erklärt sie so: „Wir haben zwar einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates, aber mir war es ganz wichtig, zu erfahren, was die Menschen an dieser zentralen Stelle wirklich wollen.“ Nach dem, was sie gehört habe, werde ein „wassergespeister Erholungsort“ gewünscht. Dass offenbar die allermeisten Wasser wollen, ist für sie ein schönes Zeichen. „Das ist ein Stück Stadtidentität, wenn wir die Lauter wieder bringen.“

Irmgard Kompa geht das gar nicht weit genug. Sie hätte, angelehnt an die Historie, gerne einen Woog vor dem Pfalztheater. „Da könnten im Sommer die Kinder ihre Füße reinstrecken.“

Jörg Zimmermann weiß was geht

Gefragter Gesprächspartner der Bürger ist am Samstag Jörg Zimmermann, Vorstand der Stadtentwässerung. Er kann genau erklären, was geht – und was nicht. Aktuell sei geplant, die so genannte Kammgarnleitung anzuzapfen, um Wasser auf die Theaterwiese zu bringen. Seine Idee sei, bis zu 80 Liter in der Sekunde zu fördern. Und das Wasser in unterschiedlicher Breite über die Wiese fließen zu lassen, begleitet von Sitzsteinen. „Ähnlich wie auf der Gartenschau“, erläutert Zimmermann. Derzeit geht er davon aus, dass das Wasser auf einer Breite von 1,50 Meter fließen kann. Ein kleiner Wasserfall lasse sich einbauen. Man könne die Höhenunterschiede des Geländes nutzen, um die Fließgeschwindigkeit zu intensivieren. Wenn Wasser zu viel stehe, drohe Algenbildung. Zimmermann gibt zu bedenken: „Jede Sekunde, in der wir das Wasser hochpumpen, kostet Geld.“

Vereine könnten Kiosk betreiben

Es kristallisiert sich heraus, dass viele einen Biergarten auf dem heutigen Parkplatz neben dem Casimirschloss klasse fänden. Aber: Wer soll den betreiben, wird gefragt. „Angeregt wurde deshalb mehrfach eine Art Kioskbetrieb“, erzählt OB Kimmel. Womöglich ließen sich Vereine einbinden, schlägt sie vor. Und erfährt spontan viel Zustimmung.

Viel Freifläche, viel Grün, das steht für Marion Adam auf der Wunschliste für die Theaterwiese. Ein Biergarten müsse nicht unbedingt sein, „wir haben ausreichend Gastronomie in der Innenstadt“, findet sie. Sie schlägt Schulpatenschaften vor, um künftig das Areal sauber zu halten. Ehemann James, von Haus aus Planer, drängt auf viel Wasser und ein möglichst breites Lauter-Bett. Wobei er weiß, dass es gar nicht um Original-Lauterwasser geht. „Aber eine Rinne bringt nichts.“

Michael Vollmer ist überzeugt davon, dass die Stadt touristisch profitieren kann, wenn es vor dem Theater plätschert. Heike Zinßmeister ist generell ein Fan von Wasser: „Es kühlt die Stadt runter und ist ein Anziehungspunkt.“ Ehemann Walter sieht das genauso: „Ohne das Bächlein würde der Gartenschau etwas fehlen.“ Bäume, Wasser, ein Trinkwasserbrunnen und eine Toilette fänden Sabine Schneider und Andreas Christmann gut. Ihnen ist die Stadtmitte insgesamt zu versiegelt. „Da ist viel zu wenig Grün“, findet sie.

Petra Rödler, die seit Jahren mit ihrem Förderkreis Kaiserpfalz für die Rückkehr der Lauter streitet, ist begeistert von dem Andrang. Über 250 Leute sind vorbeigekommen, die Lauter liegt den Kaiserslautern am Herzen. Das ermutigt sie darauf zu hoffen, dass sich viele Spender, auch große Firmen, finden, die das Vorhaben unterstützen.

„Das kann sich die Stadt nicht leisten“

Aber es gibt es nicht nur Befürworter. Karin Graupeter hält nichts von Wasser vorm Theater. „Ich bin dagegen, das kann sich die Stadt nicht leisten. Wichtiger wäre es, mehr Geld für Bildung auszugeben. Wer ins Theater geht, setzt sich nicht vorher an den Fluss.“ Wasser oder nicht, ist für Architekt Michael Burghaus gar nicht so zentral. Er appelliert an die Verantwortlichen, unbedingt die Sichtachse vom Schillerplatz hoch zur Villa Jaenisch frei zu halten.

Mitmachen war angesagt: Wer wollte, durfte anhand von kleinen Klebebildchen kundtun, was die Zukunft bringen soll.
Mitmachen war angesagt: Wer wollte, durfte anhand von kleinen Klebebildchen kundtun, was die Zukunft bringen soll.
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