Kaiserslautern Aufregung auf dem Podium und im Publikum

Seit der 1980 von Elfie Donnelly initiierten Kinderhörspiel-Serie „Eene meene Hexerei“ ist deren Hauptfigur Bibi Blocksberg Kult. So wundert es nicht, dass das Ramsteiner Haus des Bürgers mit seinen 730 Plätzen ausverkauft war. Und man zuvor in Hamburg und Köln sogar nach Angaben des Kölner Cocomico-Theaters auf seiner Tournee jeweils sogar über 2000 Besucher begeistern konnte – ähnlich wie am Mittwoch in Ramstein.
Zum damals 35-jährigen Jubiläum dieser Kultserie startete 2015 das Gastspiel-Tournee-Theater Cocomico seine dreijährige Reise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das von Marcel Gödde getextete Bühnenmusical mit der Vertonung durch Martin de Vries ist betitelt „Hexen, Hexen, überall“ und hat mit bereits über 300 Aufführungen die Marke von einer Million Zuschauern geknackt. Wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat der musikalische Stilmix aus Pop, Rock und jazzigen Stilelementen, der zudem mit Bläsern und Percussion instrumentiert und ideenreich variiert ist. Weiter ist das variable Bühnenbild zu loben, das den örtlichen Bühnenverhältnissen mit aufklappbaren und somit erweiterungsfähigen Teilen angepasst werden kann. Und ebenso stimmten die schauspielerischen und stimmlichen Leistungen. Auch das inhaltliche Rahmenkonzept mit durchaus erkennbaren, schlüssigen pädagogischen Aspekten spricht für sich. Dass dann die eingeblendete Musik von digitalen Tonträgern kommt, die Tontechniker versuchen, Gesangspartien und Instrumentalklang am Mischpult zu kombinieren, befremdet und wurde mit der aufwendigen Inszenierung begründet. Bei dieser sind allerdings gerade mal acht Darsteller auf der Bühne, manche sogar wie Judith Loeffen und Alicia Wagner in Doppelrollen. Im Hinblick auf die hohe Zuschauerresonanz ist der Verzicht auf Live-Musik schwer nachvollziehbar. So wiesen die 12 Tenöre in der Fruchthalle kürzlich nach, dass ein Trio als Minimalbesetzung immer irgendwo Platz findet. Zurück zur Handlung des Musicals, bei der der bevorstehende Welthexentag – am Mittwoch exklusiv in Ramstein – totale Aufregung auf Podium und im Publikum auslöste. Alle Jubeljahre nur und jetzt ausgerechnet hier. Bibi (Sonja Grenz) und Schubia (Annette Jeschonowski) sind als Junghexen völlig aus dem Häuschen. Wie im richtigen Leben, wird die Vorfreude auf den Hexenwahn der Walpurgisnacht durch die älteren Generationen getrübt: Die freuen sich anstelle von mystischen Orgien eher auf Schönheitswettbewerbe, althexische Kreistänze und Vorträge über Kräuterkunde. Und Bibis Mutter Barbara erinnert sogar noch zuerst erledigte Hausaufgaben und Hausarbeit. Schließlich kommt sogar noch eine Altersgrenze ins Spiel, wo doch Hexen unsterblich sind. Absurd! Und in Gestalt des örtlichen Bürgermeisters (gespielt von Markus Müritz) kommt der nächste Spielverderber auf die Bühne: Wer will schon die Verantwortung für einen Hexensabbat übernehmen? Das lockt schließlich noch die Sensationsreporterin Karla Kolumna (Judith Loeffen) aus der Redaktion und Reserve – sie wittert ihre Chance für eine Sensationsstory. Das alles steht für ein turbulentes, dynamisches und vor allem sehr unterhaltsames Bühnenspektakel, das mit den mitreißenden Melodien und Rhythmen zum Mitmachen einlädt. Die vielen in den Korridoren und vor der Bühne mittanzenden Kinder gaben sich gerne dieser Verlockung hin.