Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Als wär’s bei uns im Garten“: Wie eine Anwohnerin die Schüsse an Neujahr erlebt hat

Die Polizei befragte die Nachbarn und suchte mittels eines Phantombildes nach dem Täter.
Die Polizei befragte die Nachbarn und suchte mittels eines Phantombildes nach dem Täter.

Ein lautes Knallen und Hilferufe, ihr Partner ist als Zweiter bei dem Verletzten: Wie ist es, wenn hinter dem Haus ein Mensch angeschossen wird? Eine Anwohnerin berichtet.

Am 1. Januar sind in einem Waldstück zwischen Kaiserberg und Waschmühle in Kaiserslautern Schüsse gefallen. Ein Mann wird mehrmals getroffen und kommt verletzt ins Krankenhaus. Die Polizei sucht anschließend mit einem Hubschrauber und einem Phantombild nach dem Täter. Soweit die bloße Nachricht. Was andere über die Medien erfahren haben, hat Melanie König (Name von der Redaktion geändert) aus nächster Nähe mitbekommen – die Schüsse fielen direkt auf dem Weg hinter ihrem Haus.

„Ich war gerade dabei, den Biomüll wegzubringen, als Böller knallten. Zumindest hat es sich so angehört“, sagt die 33-Jährige. Zuerst habe sie gedacht, es handele sich um Feuerwerk, am Tag nach Silvester keine Seltenheit. Dann hörte sie plötzlich Hilferufe und Schmerzensschreie. „Es war, als wäre es direkt bei uns im Garten gewesen“, beschreibt sie die Situation. Ihr Partner habe sich seine Jacke geschnappt und sei zu dem Feldweg gelaufen, der hinter ihrem Haus und dem Garten verläuft. Sie selbst blieb drinnen bei ihrem Kind.

Polizeihubschrauber über dem Viertel

Hinter dem Haus sei Königs Freund auf einen verletzten Mann gestoßen, der gerade telefonierte. Ein anderer Mann sei kurz vor ihm eingetroffen, außerdem habe der Verletzte zwei Hunde dabei gehabt. Die Frage, ob er helfen könnte, hätten die beiden verneint, der Notruf sei bereits verständigt worden. „Zu ihm haben sie gesagt, der verletzte Mann hätte sich das Bein gebrochen“, sagt König.

Dass das so nicht ganz stimmte, merkte sie wenig später. „Plötzlich wurde es draußen richtig laut“, berichtet sie. Ein Polizeihubschrauber sei über das Haus und das ganze Gebiet geflogen. „Wir haben erst gedacht, dass wahrscheinlich ein Unfall auf der Autobahn passiert ist, die ja auch hier hinter uns verläuft“, sagt König. Kurz darauf habe sie ihr Kind schlafen gelegt, als es plötzlich an der Tür klingelte. Zwei Polizisten standen davor. König hat an ihrer Haustür eine Kamera, die auf ihrem Grundstück Besucher filmt. Die Beamten hätten wissen wollen, ob sie solches Kameramaterial auch von dem Bereich hinter ihrem Haus hätte, was allerdings nicht der Fall gewesen sei. „Als ich dann gefragt habe, worum es denn geht, haben sie mir gesagt, dass es dort eine Schießerei gegeben hätte“, sagt König. Was sie den Polizisten allerdings geben konnte, sei die Aufnahme ihres Partners gewesen, wie er das Haus verlassen hatte, um den Hilfeschreien auf den Grund zu gehen. So hätten die Beamten einen Anhaltspunkt für den Tatzeitpunkt bekommen.

Ihrem Sohn, der ebenfalls die Schreie gehört hatte, erzählte sie die Geschichte von dem Mann mit dem gebrochenen Bein. Dass die Polizei vor der Tür stand, hätte er zum Glück nicht mitbekommen. „Ich muss sagen, dass die Polizei gute Arbeit geleistet hat“, sagt König. Die Beamten hätten die Nachbarn informiert und sie beruhigt, dass trotz der Tat in ihrer unmittelbaren Nähe davon auszugehen sei, dass für die Nachbarschaft keine Gefahr bestünde. Der Wald hinter ihrem Haus sei durchsucht worden. Noch einige Tage später seien immer wieder Polizeistreifen durch die Straßen gefahren. Bei ihr hätten die Polizisten auch noch mal geklingelt, um nach Informationen zu fragen und mit einem Phantombild nach dem Täter zu suchen. Sie und ihr Freund hätten weder Opfer noch Täter gekannt.

Aufregung in der Nachbarschaft

Kurz nachdem die Polizisten das erste Mal aufgetaucht waren, seien in der Nachbarschaft die Telefone heißgelaufen, alle hätten das Bedürfnis gehabt, zu reden. Und trotz aller Beruhigung seitens der Polizei, ein mulmiges Gefühl sei geblieben. „Man hat schon Angst. Es ist ja eigentlich ein ruhiges Viertel und wir sind hier in Kaiserslautern. Wenn’s mal knallt, kennt man das eigentlich nur vom Betze“, berichtet König. Besonders schlimm sei es bei ihrem Sohn. Der Kindergarten, der ebenfalls in der Nähe des Tatorts liegt, muss einen solchen Vorfall dem Landesjugendamt melden, wie die Leiterin der Einrichtung bestätigte. Die Kinder seien sensibilisiert worden, damit sie wissen, dass es jetzt besonders wichtig ist, auf die Erzieherinnen zu hören. Dabei habe ihr Kind mitbekommen, dass es Schüsse waren, die den Mann verletzt hatten, so König.

„Wenn es dunkel ist, hat er jetzt Angst, allein zu sein“, sagt König. Vor ihrem Sohn will sie über den Vorfall gar nicht mehr sprechen. Sie selbst überlegt, an ihrem Haus weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und im Garten Hecken zu pflanzen, um von dem vorbeiführenden Weg noch besser abgeschirmt zu sein. Die Aufregung im Viertel habe sich mittlerweile etwas gelegt, es sei wieder ruhiger geworden. Wenn sie an den Vorfall denkt, könne sie es manchmal immer noch nicht glauben. „Es war wirklich wie im Film“, beschreibt sie die zurückliegenden Wochen.

x