Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel ACC weiht Schwesterwerk in Frankreich ein – mit pfälzischer Beteiligung

Blick in die Halle kurz vor der Einweihungsfeier.
Blick in die Halle kurz vor der Einweihungsfeier.

644 Meter lang, 34 Meter hoch – und doch die „kleine Schwester“ des in Kaiserslautern geplanten Batteriezellwerks: Am Dienstag ist in Nordfrankreich die erste Fertigungsanlage der Automotive Cells Company, ACC, eingeweiht worden. Gleich mehrere Pfälzer waren mit dabei.

Die Gegend um Lille dürfte vielen Deutschen nur aus dem Film „Willkommen bei den Sch'tis“ bekannt sein. In der Komödie wird die Region Pas-de-Calais zunächst als besonders trist und hinterwäldlerisch dargestellt – da dürften manche Vorderpfälzer Parallelen zur Westpfalz sehen ... Jedenfalls ist in genau dieser Ecke Frankreichs die erste Produktionsstätte von ACC eingeweiht worden, die künftig 2,4 Millionen Batteriemodule produzieren wird (allein Block 1).

Den Weg ins von Kaiserslautern aus fast 500 Kilometer entfernte Werk hatte unter anderem Wirtschaftsförderer Stefan Weiler auf sich genommen, der nach der Feierstunde von „der vollen Industriewucht“ sprach und auf die anwesenden Vorstandsvorsitzenden von ACC, TotalEnergies/Saft, Mercedes-Benz und Stellantis anspielte.

Auch im Umfeld profitieren

Wirtschaftsförderer Weiler zeigte sich von der schieren Größe des Projekts beeindruckt – das Werk in Kaiserslautern wird übrigens 700 Meter lang, dafür nicht ganz so hoch. „Das war ein beeindruckender Termin“, sagte Weiler nach einer Tour durch die Produktionshalle. Für Kaiserslautern hofft er, dass die Region von dem Werk auch im Umfeld profitiert, etwa bei Zulieferer-Betrieben. In zwei Jahren treffe man sich dann in Kaiserslautern, blickte er in die nicht allzu ferne Zukunft. Dass das Werk in der Westpfalz 2025 seine Produktion beginnt, könne ein Vorteil sein: „Da kann man jetzt gut voneinander lernen. Etliche Probleme werden dann bei ACC in Kaiserslautern nicht mehr gelöst werden müssen.“

Aus der Pfalz angereist war auch der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD). Hinsichtlich der Kaiserslauterer ACC-Fabrik sagte er, dass das Land alles daran setze, „den Start von ACC so gut wie möglich zu begleiten“. Finanziell, aber auch bei den notwendigen Genehmigungen. Es gebe regelmäßige Besprechungen des Ministeriums mit ACC auf Arbeitsebene und mit dem Minister: „Wir sind stets im Dialog.“ In Sachen Wohnungsmangel – der wird von ACC-Verantwortlichen immer wieder angesprochen –, müssten Stadt, Land und private Investoren zusammenarbeiten.

„Passende Wohnungen zu finden ist wichtig und deswegen auch ein Teil unserer Fachkräftestrategie“, betonte Schweitzer. Gerade für Auszubildende sei es oft schwierig, sich eine Wohnung leisten zu können. Auch er rechnet damit, dass sich um das ACC-Werk ein Ökosystem von Betrieben und Start-ups entwickelt, dafür sei die Rheinland-Pfälzische Technische Universität wichtig. Das Batteriezellwerk könne ein Anziehungsfaktor werden. Schweitzer nannte als Stichwort die Wiederverwertung von Batteriezellen. Das Land wolle ACC zum Erfolg machen: „Das entscheidet über die Zukunft des Industriestandorts Rheinland-Pfalz.“

Langfristige Beschäftigungsperspektive

Noch ein Pfälzer, allerdings mit einem Arbeitsplatz in Berlin, war am Dienstag zur Einweihung der ACC-Fabrik im französischen Billy-Berclau gekommen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) verriet der RHEINPFALZ, dass er die Batteriezellfertigung in Kaiserslautern auch heute noch im Blick hat: „Als Wirtschaftsminister durfte ich das Projekt eng begleiten.“ Das Projekt sei außerordentlich wichtig für Kaiserslautern und biete eine langfristige Beschäftigungsperspektive für die Region. Jetzt sei es wichtig, zu zeigen, dass die neue Technologie in der Region ankommt und gemeinsam mit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität den Standort bekannt zu machen.

Wissing: „Kaiserslautern hat jetzt ein enormes Potenzial. Das ist eine Riesen-Chance, ein großer europäischer Standort im Bereich der Batteriefertigung und -forschung zu werden.“ Um die Batteriezellfertigung könne mit jungen, gut ausgebildeten Menschen ein Netzwerk von Gründern entstehen. Wissing: „Der Erfolg der gesamten Pfalz hängt sehr stark davon ab, dass gerade die Westpfalz ihr Potenzial ausschöpft.“ Den Zusammenschluss der Universitäten in Landau und Kaiserslautern würdigte er als richtigen Schritt: „Wenn das zusammengewachsen ist, wird die ganze Pfalz davon profitieren“, zeigt sich Wissing überzeugt.

Werke sollen voneinander lernen

Schon öfter in Frankreich war Peter Winternheimer, Chef von ACC in Deutschland und Werkleiter in Kaiserslautern: „Wir hatten hier seit Herbst schon einige Arbeitsmeetings, schließlich wollen wir voneinander lernen und gemeinsam in allen Werke möglichst optimal arbeiten.“ Konzernweit werde in den kommenden Jahren die Produktion von Batteriezellen und -modulen hochgefahren, in Billy-Berclau-Douvrin starte jetzt die erste Welle. Die Einweihung sei „der erste außergewöhnliche Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens“ – und der Startschuss für die baldige Serienfertigung. Er rechne damit, dass die ersten Zellen Ende des Jahres in Nordfrankreich vom Band laufen.

x