Grünstadt
Zu wenige Kunden: Was die Glasfaser-Firma in Grünstadt jetzt vorhat
Sie haben alle Register gezogen: Die Werbeleute des Glasfaser-Anbieters DBN („Das bessere Netz“) übersäten Grünstadt mit Plakaten, eröffneten einen Laden in der Bahnhofstraße, klingelten an Haustüren, marschierten beim Fasnachtsumzug mit, gaben sich Pfälzisch und luden zum „Friehschobbe“ ein, suchten die Nähe zu Vereinen. Und sie verschoben immer wieder das Ende ihrer Kampagne. Eigentlich hätten sie nur ein paar Wochen dauern und zum Jahreswechsel 2025/2026 enden sollen. Doch es folgten erste, letzte und allerletzte Verlängerungen.
Ein weiterer Interessent
Nun aber ist wirklich Schluss, die DBN-Betreiberfirma NGN Telecom aus Schwäbisch Gmünd hat ihren Werbefeldzug beendet. Und trotz aller Mühen das selbst gesteckte Ziel verfehlt, ihre Bedingung war: Sie wird Grünstadt nur mit schnellem Internet versorgen, wenn für etwa 30 Prozent der Haushalte vorab ein Anschluss-Vertrag abgeschlossen worden ist. Denn ihr Geschäftsmodell funktioniert anders als der subventionierte Ausbau. Für den ist im Kreis Bad Dürkheim das Unternehmen Inexio zuständig, das dafür etwa 50 Millionen Euro vom Staat bekommt.
Die Firma aus dem Saarland verlegt die Leitungen nach diesem Prinzip aber nur dort, wo es sich früheren Berechnungen zufolge ohne Förderung für keinen Anbieter rechnen würde. In Grünstadt gilt das nur für Teile des Stadtgebiets. Für andere Zonen wiederum hat sich Bürgermeister Mimmo Scarmato (CDU) zufolge nach DBN noch ein weiterer Interessent gemeldet. Dieses Unternehmen allerdings wolle nur jene Straßenzüge versorgen, die es für besonders lukrativ hält. Und obendrein wolle es dafür städtische Zuschüsse einstreichen.
Beschwerden über Haustür-Werber
DBN hingegen trat mit dem Versprechen an, die Kernstadt samt ihrem Gewerbegebiet sowie Asselheim und Sausenheim vollständig und ganz ohne kommunale Finanzspritze zu versorgen. Außerdem punktete der Anbieter bei der Verwaltung mit der Zusage, seine Kabel sorgfältiger zu vergraben als vorgeschrieben – und auf Kundenfang mit Drückerkolonnen-Methoden zu verzichten. Allerdings haben sich Grünstadter in den vergangenen Monaten dann doch immer wieder darüber beklagt, dass Glasfaser-Vertreter sie an ihrer Haustür bedrängt hätten.
Schon gleich zu Kampagnenstart hatte die Firma zudem den damaligen Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) in die Bredouille gebracht: Ein an alle Haushalte verschicktes Schreiben des Unternehmens ließ den Eindruck entstehen, dass er für DBN Werbung macht. Später kassierten die Werber auch noch einen Rüffel aus dem Rathaus, weil sie im Stadtgebiet zu viele Plakate aufgehängt hatten. Und Bürger meldeten sich mit Kritik am eigentlichen DBN-Angebot zu Wort: Sie bemängelten, dass es keine „Open Access“-Möglichkeit bietet.
Debatte um „Open Access“
In so einem Modell würde das Unternehmen zwar Leitungen verlegen, sie dann aber gegen Gebühr für weitere Anbieter freigeben. Nutzer können somit ihre Datenpakete auch bei der Konkurrenz ordern – eine Möglichkeit, die andere Glasfaserkabel-Verleger ihren Kunden sehr wohl eröffnen. DBN beteuert mittlerweile, ebenfalls an solchen Kooperationen interessiert zu sein. Nur habe sich bislang kein Anbieter gemeldet, der Leitungen in Grünstadt mitnutzen wolle. Aber das passiere üblicherweise sowieso erst, wenn es das jeweilige Netz schon gibt.
Dass es das in Grünstadt nicht geben wird, ist laut DBN trotz verfehlter Anschluss-Quote noch nicht besiegelt. Eine Firmensprecherin formuliert es so: „Nach der intensiven Aktionsphase geht das Projekt nun in die nächste Phase.“ In der gibt es vor Ort zwar keine Ansprechpartner mehr: Die Werber haben die Stadt verlassen, der Laden in der Bahnhofstraße ist zu. Interessenten können aber weiterhin einen Anschluss buchen – online. Der Glasfaser-Ausbau soll demnach beginnen, falls auf diesem Weg doch noch genügend Verträge zusammenkommen.
„Noch nicht ganz erreicht“
Wie viele noch fehlen, lässt das Unternehmen allerdings offen. Die DBN-Sprecherin begnügt sich mit der Aussage, dass die Mindestquote „noch nicht ganz erreicht“ sei. Trotzdem hätten „viele Bürgerinnen und Bürger“ schon einen Anschluss gebucht. Nun gelte: „Jede weitere Bestellung stärkt die Grundlage für den Ausbau und bringt Grünstadt ein Stück näher an lichtschnelles Internet.“