Eisenberg Wie vor Jahrtausenden: Eisen im Vicus produziert
Zahlreiche Menschen waren am Wochenende zum Metallurgie-Symposium an den Vicus in Eisenberg gekommen, um sich unter anderem von Kunstschmied und Schlossermeister Teofanis Polichroniadis-Fleig in die Metallgewinnung und Verarbeitung einweisen zu lassen. Der Schwetzinger erklärte, dass Eisen vor Tausenden von Jahren aus Eisenerz im Rennofen gewonnen wurde. Als Folge dieses Verfahrens entstand nämlich eine eisenreiche Schlacke, die ab zirka 1200 Grad flüssig ist und im untersten Bereich des Ofens ausfließt.
Das verbleibende Eisenerz wurde durch das Kohlenmonoxid im Ofen zu elementarem Eisen reduziert. Als Resultat verblieb ein schlackenhaltiger, oft schwammig-poröser Eisen- oder Weichstahlklumpen, die sogenannte „Luppe“. „Diese Luppe wurde nach dem Prozessende beim Abriss des Ofens entnommen“, so Polichroniadis-Fleig zum Verständnis. In der Regel wurde das Produkt dann zum Spitzbarren ausgeschmiedet. „Denn ein Spitzbarren war in der Keltenzeit, von zirka 400 vor bis zu Christi Geburt ein Handelsmittel und hatte einen sehr hohen Wert“, so der Redner weiter.
Verein baut Rennöfen nach
Zu Anschauungszwecken wurden am Wochenende mehrere solcher Rennöfen gebaut. Rund dreieinhalb Stunden hatte dies gedauert, wie der Förderverein-Vorsitzende Thomas Hauck resümierte. Im Altertum habe man vorrangig Lehm zum Bau eines solchen Ofens verwendet. Zur Stabilisierung kamen Äste, Weide oder Steine zum Einsatz. „Heute sind auch temperaturbeständige und dauerhafte Baustoffe nutzbar“, so der Experte.
Doch so viel Wissen macht hungrig. Gut, dass der Förderverein auch hier vorgesorgt hatte. Passend zum Thema gab’s die Wurst der römischen Legionäre: Lukanerwurst oder Lucanicae genannt. Eine dünne, geräucherte Rohwurst aus Schweinefleisch. Außerdem Moretum-Brote, also Scheiben mit römischer Kräuter-Käsepaste als Brotaufstrich, sowie Kaffee und Kuchen. Natürlich durfte auch frischgebackenes Brot mit dem Eisenberger Brotstempel aus den rekonstruierten Backöfen nicht fehlen.
Förderverein-Vorsitzender Thomas Hauck zeigte sich mit dem Verlauf des Festes ganz zufrieden, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ resümierte. Obwohl die Sonne unerbittlich brannte, kamen viele Akteure befreundeter Gruppierungen. Darunter auch jene des Keltenparks Otzenhausen, des Heimatvereins Greven, außerdem der gelernte Schlosser Romain Bohr aus Luxemburg sowie der Laborleiter der Curt-Engelhorn-Zentrum-Archäometrie Michael Brauns, der den Förderverein und die Untersuchungen am Vicus Eisenberg schon seit Jahren betreut und unterstützt.