Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wattenheimer Brauer will Christdemokraten im Donnersbergkreis von sich überzeugen

 Carsten Brauer ist Bürgermeister der Ortsgemeinde Wattenheim. Er will in den Landtag. Falls das nicht klappt, will er ehrenamtl
Carsten Brauer ist Bürgermeister der Ortsgemeinde Wattenheim. Er will in den Landtag. Falls das nicht klappt, will er ehrenamtlicher Beigeordneter in der Verbandsgemeinde Leiningerland werden.

Interview: Carsten Brauer ist im vergangenen Jahr zum Ortsbürgermeister von Wattenheim gewählt worden. Im nächsten Frühjahr will der CDU-Mann für den Landtag kandidieren. Und dann will er ja auch noch Beigeordneter der Verbandsgemeinde Leiningerland werden. Wie geht das alles zusammen, fragt Kathrin Schnurrer den 41-Jährigen im Interview.

Herr Brauer, Sie sind erst letztes Jahr zum Ortsbürgermeister von Wattenheim gewählt worden. Jetzt wollen sie in den Landtag nach Mainz. Ist Ihnen Wattenheim schon zu langweilig geworden?
Nein, natürlich nicht.

Glauben Sie nicht, dass es in Wattenheim seltsam ankommt, wenn Sie gleich eine Stufe weiter wollen?
Ich glaube nicht, dass die Wattenheimer das als Schaden für die Gemeinde sehen. Es ist meiner Meinung nach dringend erforderlich, die kommunale Sicht auch entsprechend im Landtag zu vertreten. Es gab und gibt mehrere Ortsbürgermeister, die gleichzeitig im Landtag sind oder waren, ich erinnere mich da zum Beispiel an Kurt Beck.

Also auf dem Weg zum Ministerpräsidenten?
Nein, das nicht. (lacht)

Gut, dann fangen wir eine Stufe niedriger an: Sie wollen im Frühjahr kommenden Jahres als CDU-Kandidat für den Wahlkreis 39 antreten, der den Donnersbergkreis und die ehemalige Verbandsgemeinde Hettenleidelheim umfasst. Warum?
Politik ist wichtig für mich, für die Landtagswahl 2016 war ich bereits B-Kandidat für Simone Huth-Haage. Sie hat jetzt angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Wenn man schon B-Kandidat ist, wirft man seinen Hut in den Ring.

Sie sind allerdings nicht der einzige Bewerber, auch die 25-jährige Winzerin Inga Storck aus Einselthum, die durch Ihren „Job“ als Pfälzische Weinkönigin eine gewisse Prominenz erreicht hat, will in den Landtag. Warum sollen die CDU-Mitglieder bei einer Mitgliederversammlung vor Ostern für Sie stimmen?
Ich habe mehr politische Erfahrung als Inga Storck. Ich interessiere mich schon so lange für Politik, dass ich in den Themen drin bin. Ich bin seit 1999 in Orts- und Verbandsgemeinderäten. Ich habe vom vormaligen Landtagsabgeordneten Norbert Mittrücker mitbekommen, wie Landtagsarbeit funktioniert. Es ist ein konsequenter Schritt für mich. Ich möchte auch auf der nächsten Ebene die wichtigen Themen mitgestalten.

Nun haben Sie den Nachteil, dass der Donnersbergkreis die Heimat von Frau Storck ist, und die fünf Ortschaften der ehemaligen Verbandsgemeinde Hettenleidelheim eher ein Anhang des Wahlkreises sind. Wie sehen Sie Ihre Chancen?
Erst einmal denke ich, dass es zweitrangig ist, aus welcher Region des Wahlkreises die Bewerberin oder der Bewerber stammt. Es wäre allerdings naiv zu sagen, dass es neutral wäre oder ein Vorteil ist. Aber ich hoffe, genug Leute von mir überzeugen zu können, ich biete mich für Vorstellungsrunden in den Gemeindeverbänden und Ortsverbänden im Donnersbergkreis an. Ich möchte mit sachbezogenen Themen Stellung beziehen und die Leute überzeugen. Ich denke, die CDU-Mitglieder in den Gemeinden der alten Verbandsgemeinde Hettenleidelheim muss ich nicht besonders überzeugen, die kennen mich. Die Ortsverbände der CDU im Bereich Hettenleidelheim sind außerdem relativ mitgliederstark.

Nun stand bislang in Ihrer Lebensplanung ja auch noch ein anderer Posten: Beigeordneter der Verbandsgemeinde Leiningerland. Die Koalition aus CDU, FWG und FDP hatte ja ausgemacht, dass zwei der vier Beigeordneten im Laufe der Legislaturperiode ausgetauscht werden sollen. Sie sollten den Posten von Johannes Schwalb übernehmen. Was wird jetzt aus diesen Plänen?
Wenn ich in den Landtag einziehe, kann ich nicht Beigeordneter sein, das ist klar. Aber die Landtagswahl selbst ist kein Selbstläufer. Man steht ja schließlich im Wettbewerb. Zum Beispiel gibt es mit Jaqueline Rauschkolb (SPD) eine gewählte Landtagsabgeordnete. Sie verfügt sicherlich über ein entsprechendes Netzwerk.

... und hat bei der letzten Landtagswahl das Direktmandat gewonnen, im Gegensatz zu Frau Huth-Haage, die über die CDU-Landesliste eingezogen ist.
Ja, aber es hat sich gezeigt, dass der Donnersbergkreis keine rote Hochburg mehr ist. So wie ich es in Wattenheim gepackt habe, traue ich mir das auch im Wahlkreis 39 zu.

Nochmal zurück zum Beigeordneten-Job in der Verbandsgemeinde. Also: Wenn Frau Storck CDU-Kandidatin wird und nicht Sie, treten Sie den Beigeordneten-Job an. Was passiert, wenn Sie zwar CDU-Kandidat werden, dann aber im Frühjahr 2021 nicht in den Landtag gewählt werden?
Dann stehe ich weiterhin für den Beigeordneten-Posten im nächsten Jahr bereit. Ich bin in der glücklichen Situation, zwei Optionen zu haben. Und ich denke, es wäre auch im Hinblick auf die Gelegenheit, die ich wahrnehme möchte, fair von den Parteifreunden und den Koalitionspartnern zu sagen: Warten wir bis nächstes Frühjahr nach der Landtagswahl. Für den Fall, dass ich nicht Kandidat der CDU im Wahlkreis werden würde, stehe ich wie geplant bereits in diesem Jahr als Beigeordneter zur Verfügung. Die Landtagskandidatur entscheidet sich voraussichtlich noch vor den Osterferien.

Sie sind 41 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder und arbeiten bei der Sparkasse Rhein-Haardt als Referent im Kreditsekretariat. Wie sähe es denn beruflich aus, wenn Sie in den Landtag gewählt würden und dann bei der nächsten Wahl nicht mehr reinkämen? Haben Sie mit Ihrem Arbeitgeber etwas abgesprochen?
Das wird zu gegebener Zeit noch geklärt, über meine Absicht weiß mein Arbeitgeber natürlich Bescheid. Politik ist ein wichtiger Lebensinhalt für mich, die Kandidatur ist eine Chance. Da bin ich auch bereit, ein gewisses Lebensrisiko dafür einzugehen. Ich trete an, um das hinzubekommen. Zählkandidat wollte ich nie sein.

Das wollen wahrscheinlich auch die drei Männer aus Nordrhein-Westfalen nicht sein, die sich jetzt anschicken, CDU-Vorsitzender zu werden. Wer ist Ihr Favorit: Friedrich Merz, Armin Laschet oder Norbert Röttgen?
Herrn Röttgen habe ich mal persönlich gesehen, er hat eine sehr gute Rede gehalten. Mit Herrn Laschet kann ich mich inhaltlich stark identifizieren. Aber es wäre für die CDU nach 16 Jahren Angela Merkel nicht verkehrt, wenn Merz Vorsitzender würde, weil er manches klarer anspricht und sich deutlicher abgrenzt. Sowohl im Hinblick auf die AfD als auch auf die SPD. Im Moment tendiere ich eher zu Herrn Merz. Wenn er allerdings nur wirtschaftsliberale Positionen vertreten würde, würde ich mich nicht wohlfühlen. Ich bin nicht Delegierter auf dem Bundesparteitag – insofern kann ich da auch nicht mitentscheiden.

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