Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Ministerpräsident Schweitzer Esel bei Grünstadt besucht

Gero hat es ihm angetan: Ministerpräsident Alexander Schweitzer.
Gero hat es ihm angetan: Ministerpräsident Alexander Schweitzer.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer war am Montag in Asselheim. Dort läuft ein erfolgreiches Projekt, das er kennenlernen möchte – und das hat mit Eseln zu tun.

Mit der gepanzerten Limousine vorfahren? Geht nicht. Bevor der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) seinen eigentlichen Besuchsort erreicht, muss er erst einmal mit seiner Delegation einige Meter bergauf laufen. Das Ziel: ein Biotop am Asselheimer Höllenberg, früher ein Wingert, heute ein Dschungel. Dort setzt die Nabu Eisenberg-Leiningerland seit sieben Jahren Esel für die Biotop-Pflege ein. Mehrere Ehrenamtliche kümmern sich um die Tiere, und das ist auch der Grund von Schweitzers Anwesenheit. Während einer sogenannten Ehrenamtsreise am Montag besucht er mehrere Stationen im Kreis Bad Dürkheim und Neustadt, um einerseits das freiwillige Engagement zu würdigen, andererseits aber auch in den Austausch mit den Ehrenamtlichen verschiedener Projekte zu kommen.

Biotop-Pfleger auf vier Beinen

Den Auftakt macht der Besuch bei den Eseln, die bereits freudig auf Streicheleinheiten zu warten scheinen. Acht von ihnen leben laut Nabu-Mitglied Conny Lenzig auf dem grob 18 Hektar großen Gelände, vier von ihnen stehen mit den ehrenamtlichen Betreuern an der Futterstelle, als Schweitzer eintrifft. Dort erklären ihm die stellvertretende Vorsitzende der regionalen Nabu-Gruppe, Anita Bastian, und die Vorsitzende des Nabu Rheinland-Pfalz, Cosima Lindemann, was es mit der Aktion auf sich hat. Hintergrund sei, die Artenvielfalt zu erhalten. Bestimmte Arten brauchen aber auch einen bestimmten Lebensraum, der in diesem Fall lange händisch freigeschlagen werden musste – ein Dauerprojekt. Also sollte eine andere Lösung her. „Für Rinder ist das Gelände zu verholzt und Ziegen sind teuer in der Haltung, das sind Ausbruchkünstler“, sagt Lindemann und lacht.

So kamen schließlich die Esel ins Spiel. „Zuerst haben wir Probe-Esel aufs Gelände geholt, zweimal am Tag Wasser mit dem Roller hochgebracht und eine Überdachung gebaut“, erinnert sich Conny Lenzig, die mit ihrem Mann, mit der Vorsitzenden Susanne Bentz und mit Bernd Schmidt von Beginn an involviert war. Inzwischen seien insgesamt elf Ehrenamtliche dabei, wobei jeder einen anderen Schwerpunkt im Blick habe. „Die einen machen die Hufen, die anderen kümmern sich ums Wasser, die nächsten um die Elektrik“, zählt sie auf. Nicht zuletzt freue sich jeder darüber, wenn die Tiere auch mal auf Schmusekurs sind, was sich auch an diesem Morgen zeigt: Der einzige Wallach unter den Eseln, Gero, hat sich auf Schweitzer fokussiert. „Ich fürchte, wir müssen die nachfolgenden Termine verschieben“, sagt dieser schmunzelnd, während er den Vierbeiner ausgiebig streichelt, trotzdem aber im Austausch mit den Ehrenamtlichen bleibt.

Appell an den Ministerpräsidenten

Die informieren nicht nur über das Projekt, sondern bringen auch ihre Sorgen an. „Wissen Sie, was mir persönlich Angst macht? Die Artenkrise geht einfach so weiter“, beklagt Carolin Wazinski, Beisitzerin der Nabu-Regionalgruppe. Der Klimawandel werde zwar inzwischen ernster genommen, aber die Bedrohung der Biodiversität gehe unter, obwohl sie die Menschheit auch stark bedrohe. „Da müssen wir wirklich weiterdenken“, appelliert sie an den Ministerpräsidenten. „Da bin ich bei Ihnen“, erwidert dieser, erwähnt dann aber den gerade erst an den Landtag übermittelten Entwurf des Landesklimaschutzgesetzes. Lindemann wiederum kritisiert, dass die Umweltbelange bei der Entbürokratisierung „oft als Erstes über die Klippe gestoßen“ werden.

Ein Beispiel, wie der Erhalt der Artenvielfalt aussehen kann, hat Schweitzer an diesem Morgen gesehen. Es ist aber nicht das einzige Thema für ihn am Montag: Nach seinem Stopp in Asselheim besucht er weitere ehrenamtliche Projekte an der Deutschen Weinstraße, bevor seine Tour am Abend mit einem Bürgergespräch in Neustadt-Mußbach endet.

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