EISENBERG
Voller Einsatz für die Musik: Eisenberger Konrektorin verabschiedet sich
Noch gut habe sie ihren ersten Schultag in Erinnerung. „Links hatte ich einen Gipsarm, rechts die Hand verbunden, weil ich in Glas gestürzt war. Die Schultüte hatte man mir zwischen Gipsarm und Oberkörper geklemmt“, erzählt Ochßner mit diesem sympathischen Lächeln, mit dem sie so viele kennen.
Schon früh war sie musikbegeistert und erwarb sich schon während des Besuchs des Weierhof Gymnasiums in Bolanden die Lehrbefähigung für musikalische Früherziehung nach der Yamaha-Methode, die es zum damaligen Zeitpunkt nur in Hamburg und Eisenberg gab. „Von 1982 bis 1990 übernahm ich die Leitung in verschiedenen Kursen von diversen Musikschulen und finanzierte so mein Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschulen mit den Fächern Musik und Grundschulpädagogik in Landau“, sagt die 61-Jährige.
Erste Grundschul-Bläserklasse im Land geleitet
Nach ihrem Referendariat in Gau-Odernheim wurde sie „Lehrerin in Anstellung“ in der Grundschule in Eisenberg, was 1992 zur Planstelle wurde und sie somit Beamtin auf Lebenszeit. Nach ihrer Heirat und der Geburt ihres Sohnes übernahm sie in Teilzeit Klassenleitungen und wurde 2002 vom Schulleiter Markus Fichter zur Konrektorin ernannt. Musik blieb immer ihre Leidenschaft und so übernahm sie die Leitung der ersten Bläserklassen an Grundschulen in Rheinland-Pfalz an der Pestalozzi-Grundschule in Eisenberg. „In einer Aktion, in der wir von Tür zu Tür gelaufen sind, haben wir damals 18.000 Euro für verschiedene Instrumente und ein Klavier gesammelt und bekamen von einer Zahnärztin noch 100 Zahnputzbecher für unsere Kinder gespendet“, erinnert sie sich lachend.
Wer dabei war, wird sich immer gerne an die fünf Musicals erinnern, die unter ihrer Leitung entstanden. Sie arbeitete und leitete verschiedene Projekte, beispielsweise „Comenius – Schulen lernen voneinander“, war Dozentin in Sachen Musikpädagogik und übernahm zusätzlich die Geschäftsführung der Projektinitiative „Kinder singen und musizieren in Kindertagesstätten und Grundschulen“ beim Ministerium in Mainz, um nur einen Teil ihrer Aktivitäten wiederzugeben.
Förderung der Kinder mit ihren Stärken im Blick
Eine Sache sei ihr neben Gerechtigkeit immer wichtig gewesen, nämlich die individuellen Fähigkeiten in jedem Kind zu entdecken und jedem Kind die gleiche Förderung zu geben, wobei ihr eine Situation noch besonders in Erinnerung geblieben sei. „Ein hochbegabtes Kind der dritten Klasse wollte gerne Posaune spielen, brachte aber einfach keinen Ton heraus, als ein anderes Kind mit Förderbedarf aus der vierten Klasse, das gut Posaune spielen konnte, diesem hochbegabten Kind beibrachte, wie man in die Posaune blasen muss, damit ein Ton herauskommt,“ erzählt sie und ergänzt: „Jeder kann etwas, ob hochbegabt oder nicht.“
Laut Schulleiter Markus Fichter sei die Nachbesetzung Ochßners Stelle ausgeschrieben. Die Entscheidung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion stehe noch aus. Doch die Nachbesetzung sei kein Ersatz: „Frau Ochßner hat in ihren insgesamt 36 Jahren an der Schule vieles mitgestaltet, hat viele pädagogische Konzepte mit erarbeitet und war immer da – sie wird uns fehlen.“ Am 26. Juni ist Ochßners letzter Schultag, bevor sie in den Ruhestand geht. Sie sagt: „Ich gehe mit einem großen weinenden Auge, denn ich werde so viel vermissen, aber auch mit einem lachenden Auge, denn ich freue mich auf mehr Zeit für Familie und Freunde, für Garten- und Weinbergsarbeit, zum Reisen, zum Kochen und vor allem zum Musizieren.“